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Ur-Musig

Cyrill Schläpfer, Schweiz, 1993o

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Back to the roots: Urtümliche Klänge, archaische Landschaften und naturverbundene Berglerinnen und Bergler – Bilder, Musik und Töne lassen in eine ursprüngliche Schweiz eintauchen. Eine musikalische Reise voller Poesie, Faszination und Kraft durch die archaischen Klanglandschaften des Appenzells und der Innerschweiz.

Vergleichbar 68er-Historikern, die die Aktivdienstgeneration damit nervten, dass sie verschüttete Traditionslinien hoben und sie gegen die bornierte Vorstellung vom «Sonderfall Schweiz» in Stellung brachten, unterminiert Schläpfer mit Ur-Musig die selbstgerechte Denkart von Ländler-Fründen, aber auch jene von eingeschworenen Ländler-Feinden. Unberührt von Kommentaren und Expertengeschwätz – für einen Dokumentarfilm eigentlich immer ein Glücksfall – blickt und hört der Heimatversehrte so in eine Welt hinein, die, mitsamt ihren Gletschern, inzwischen praktisch verschwunden ist. Es sind diese Leerstellen, die Ur-Musig nachträglich zum schönsten Geisterfilm der Schweizer Filmgeschichte machen. (Auszug)

Benedikt Eppenberger

Galerieo

Zoom, 05.10.2020
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Luzerner Zeitung, 12.08.2019
© Alle Rechte vorbehalten Luzerner Zeitung. Zur Verfügung gestellt von Luzerner Zeitung Archiv
Tages-Anzeiger, 27.08.1991
Auf den Spuren der Schweizer Urmusik

Gibt es denn in der High-Tech-Schweiz von 1991 überhaupt noch echte Folklore, authentische Volksmusik? Die Suche nach deren Spuren stand im Zentrum eines Gesprächs mit dem Plattenproduzenten Cyrill Schläpfer. Dieser hat auf seinem Label CSR Records soeben eine aufsehenerregende Produktion mit dem Muotathaler Schwyzerörgelispieler Rees Gwerder veröffentlicht und eine mit Appenzeller Zäuerli.

Von Peter Bürli

Was findest du eigentlich an der Schweizer Volksmusik so packend?

Etwas vom Wichtigsten für mich ist: Ich möchte an den verlorengegangenen emotionalen Gehalt dieser Musik herankommen. Was mich auch noch fasziniert, ist der Zusammenhang von Musik, Musikstilen und Landschaft. Ich bin ein Berggänger und Naturfreak. Da ging mir mit der Zeit ein Zusammenhang auf: Wie die Musik in den verschiedenen Tälern anders klingt. Ein Beispiel: Urnerland und Schwyz. Deren Musik ist ganz anders, auch wenn die Distanz in der Luftlinie vielleicht nur drei Kilometer beträgt.

Gehst du bereits mit dem Gedanken in die Berge, Volksmusikanten zu treffen, oder baust du mehr auf den Zufall?

Nein, jetzt ist es immer sehr zielgerichtet auch wenn ich z.B. jemanden ausfindig zu machen versuche, der noch den Betruf ausübt. Dadurch, dass ich mich schon lange damit beschäftige und immer wieder gefragt habe, konnte ich langsam ein Netz aufbauen. Aber ich muss mich heute noch durchfragen, manchmal über viele Umwege. Es ist manchmal gerade dann schwierig, wenn du ganz gezielt etwas suchst. Wenn du z.B. weißt, dass eine Alpstubete angesagt ist, und du gehst hin, vielleicht bis auf den Säntis, so bist du oft enttäuscht: Alles ist vertouristisiert.

Das Beste passiert immer spontan. Du bist vielleicht in einem Restaurant in Urnäsch, und plötzlich singen alle. Etwa bei den Zäuerli: Da schwingt plötzlich der ganze Saal. Da hebst du dann auch ab.

Wie machst du denn die Aufnahmen? Du kannst diese Leute ja nicht einfach ins Studio bestellen. Ihre Musik ist ja auch zweckgebunden, ein Alpsegen beispielsweise.

Betrufe, Zäuerli, Naturjodel, Kuhglocken: Alles das muss man vor Ort aufnehmen mit einem mobilen Equipment. Das kann man nicht inszenieren. Bei der Instrumentalmusik ist es ohnehin so, dass mir die im Studio unter ''cleanen'' Bedingungen aufgenommenen Ländler nicht so gefallen. Früher konnte man das offenbar noch eher machen. Die Aufnahmen aus den sechziger Jahren sind ja viel besser als die heutigen mit mehr Stimmung und Atmosphäre.

Das war auch der Grund, wieso ich Rees Gwerder direkt in seinem Heimetli aufgenommen habe. Man hat mir nicht geglaubt, dass das möglich sein wird. Als ich ihn das erste Mal gefragt habe, ob er mit mir eine Platte mache, hat er mir keine Antwort gegeben. Mit der Zeit willigte er in Probeaufnahmen ein bei sich zu Hause, wo er rauchen und schnupfen kann. Das DAT-Band lief, die Aufnahmen haben ihm gefallen. Natürlich musste man viele Stücke drei- und viermal aufnehmen. Ich habe das Ganze dann auf der Harddisk digital editiert. Da war ich zehn Tage nonstop im Studio. Das war eine eigenartige Erfahrung: Dieser erratische Block auf so einem High-Tech-Medium. Ich habe aber keinen Hall beigemischt.

Bei den Zäuerli war es sehr ähnlich: Es war eine viele Stunden dauernde Reise durch Urnäsch, die ich dann auf einer 70-Minuten-Disc editiert habe.

Woher hast du eigentlich die Gewissheit, dass etwas wirklich authentisch ist?

Die habe ich nicht. Ich verlasse mich da auf mein Gefühl. Wenn es mich emotional berührt, wenn es mir die Nackenhärchen aufstellt, dann ist das ein gutes Zeichen. Beim Appenzell kommt hinzu, dass dort meine Wurzeln liegen. Ich stamme aus einer Appenzeller Familie.

Hast du eine Übersicht, wo in der Schweiz es noch authentische Traditionen gibt?

Es gibt nur noch wenige Orte: Das Appenzell, ganz speziell das Muotatal, dann im übrigen Kanton Schwyz: Ingenbohl, Schwyz. Generell vor allem in den abgelegenen ''Krächen''. Je sturer die Leute sind, desto mehr hat sich erhalten. Es ist wirklich geographisch bedingt: Dort, wo es abgeschlossen ist, gibt es diese Traditionen noch.

Was hat eigentlich die Industriefolklore für einen Einfluss? Wird sie dort, in jenen letzten Stätten authentischer Folklore, ebenfalls wahrgenommen?

Ja. Was dort nur in den letzten paar Jahren in Sachen Fernsehverkabelungen gelaufen ist... Vor zwei Jahren war das noch nicht so. Das geht enorm schnell. Das ist das Ende: Die Traditionen sterben so ganz schnell aus.

Was gibt es sonst noch für authentische Tonträger?

Hugo Zemps Muotataler Jüüuzli. Die EMI hat in den sechziger Jahren Hervorragendes produziert. Daneben gibt es doch noch einige Trouvaillen.

© Alle Rechte vorbehalten Tages-Anzeiger. Zur Verfügung gestellt von Tages-Anzeiger Archiv
05.10.2020
© Alle Rechte vorbehalten Filmbulletin. Zur Verfügung gestellt von Filmbulletin Archiv
Beitrag zum 80. Geburtstag von Rees Gwerder
/ SRF
de / 05.10.2020 / 04‘55‘‘

Interview mit Regisseur Cyrill Schläpfer
/ SRF
de / 01.08.1993 / 06‘03‘‘

Filmdateno

Genre
Musik/Tanz, Dokumentarfilm
Länge
107 Min.
Originalsprache
Schweizerdeutsch
Bewertungen
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ØIhre Bewertung7.8/10
IMDB-User:
7.8 (17)
Cinefile-User:
< 10 Stimmen
KritikerInnen:
< 3 Stimmen q

Cast & Crewo

Rees Gwerder
Jakob Alder
Jakob Duesel
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Bonuso

iGefilmt
Beitrag zum 80. Geburtstag von Rees Gwerder
SRF, de , 04‘55‘‘
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SRF, de , 06‘03‘‘
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gGeschrieben
Besprechung Zoom
Franz Ulrich
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Besprechung Luzerner Zeitung
Pirmin Bossart
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Interview mit Cyrill Schläpfer zur Volksmusik
Tages-Anzeiger / Peter Bürli
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Essay über Musikfilme
Filmbulletin / Irene Genhart
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