Hail, Caesar!
Joel Coen, Ethan Coen, USA, 2016o
Wir befinden uns im Hollywood der 1950er: Die große Filmproduktion Hail, Caesar! soll den bestehenden Erfolg der Capitol Pictures sichern. Doch auf einmal wird der Hauptdarsteller des Films, Baird Whitlock, entführt. Es gerät nicht nur die gesamte Produktion in Gefahr, auch die Klatschpresse, allen voran Hedda Hopper, darf nichts von dem Vorfall erfahren. Die Suche nach Whitlock übernimmt Eddie Mannix, der sich in solchen Sachen auskennt. Zumindest meint er das.
«Hail, Caesar!» feiert und entlarvt zugleich die Künstlichkeit des Hollywoodfilms: Er zeigt einerseits die Entstehung perfekt inszenierter Szenen, andererseits die Stars, die sich mit Dialogen abmühen oder über zu enge Kostüme schimpfen. Als Satire funktioniert «Hail, Caesar!» nur bedingt, es fehlt ihm der Biss, aber dafür ist der Film ein grossartiges visuelles Vergnügen, und er wartet mit vielen Stars und einigen Pointen auf. Bestimmt gäbe es noch mehr zu lachen, wenn anstelle von George Clooney ein begabter Komödiant den dümmlichen Baird gespielt hätte.
Christa HaeseliChanning Tatum tanzt als muskulöser Leichtmatrose durch die Nacht, George Clooney spielt eine wunderbar verblödete Version von Clarke Gable und Scarlett Johansson gibt die zickigste Wassernixe der Filmgeschichte. Die Brüder Joel und Ethan Coen huldigen in ihrer Krimikomödie dem goldenen Hollywoodbetrieb der Fünfzigerjahre, mit viel Zigarettenrauch und hochprofessionellem Nonsens.
David SteinitzEddie Mannix, gespielt von Josh Brolin, navigiert sich als Bübchen für alles beim Studio Capitol Pictures durch die Eitelkeiten und Gelüste der Stars und Sternchen, die dort unter Vertrag stehen. Das dickste Problem des fiktionalisierten Mannix, dessen echtes Vorbild für MGM als Babysitter des Glamours tätig war: Schauspielstar Baird Whitlock fällt in die Hände von Kommunisten, die ihn in einem Anwesen am Strand von Malibu freundlich, aber bestimmt von den weiteren Dreharbeiten fernhalten und ihn dafür gewinnen wollen, für ihre Sache zu streiten.
Auch sie sind als Drehbuchautoren ein Teil der Maschinerie und freuen sich diebisch, wenn sie hin und wieder die Anliegen der Arbeiterklasse in die eine oder andere Dialogzeile schmuggeln können. (…)
Die Arbeit der Coens ist hermetisch und auf seltsame Weise offen zugleich – Stars spielen Stars, George Clooney versprüht eine herrlich kumpelhafte Naivität, Scarlett Johansson als unverheiratete Mutter in spe eine verführerisch verruchte Zickigkeit. (…) Ganz selten nur vertrauen die Coens darauf, dass der schöne Schein und das Pathos sich von selbst – und damit womöglich nur dem erfahrenen Auge – entlarven mögen. Auf jedes Ornament folgt ein Bruch. Doch das Bruderpaar, das schon 1991 in «Barton Fink» die Mechanismen der Traumfabrik sezierte, schleift die satirischen Spitzen seines Stoffes auch der dargestellten Ära zuliebe. Nicht, um eine umso leichter goutierbare Insider-Hommage routiniert abzuspulen. Sondern vielmehr, um die fragile, ganz besondere Naivität nicht zu zerstören, die gerade ein Kino-Gläubiger in sich tragen muss.
Tim SlagmanCreated by Joel and Ethan Coen, those mighty monarchs of sendups and satires, this droll tribute to and spoof of Hollywood past amuses from beginning to end with its site specific re-creation of the studio system and the movies that made it famous. A hipster mash note to the way things used to be, it will put a smile on your face and keep it there for the duration. (...)
The Coens' smart script is filled, especially in its names, with all manner of inside jokes and playful references to real people and places, including New Left philosopher Herbert Marcuse and the venerable Sunset Strip eatery Imperial Gardens. (..)
But the great thing about "Hail, Caesar!" is that it is fun whether you get all its references or not. Loving re-creations of classic Hollywood entertainments and lines like "Forgive me, father, I have sinned, I struck a movie star in anger" cannot fail to entertain, they really can't. (Extract)
Kenneth TuranGalerieo



