r Goodrich
Hallie Meyers-Shyer, USA, 2025o
Der 70jährige kalifornische Galerist Goodrich muss sich unversehens um seine zwei neunjährigen Kinder kümmern, als sich seine zweite Frau ohne Vorwarnung in eine Entzugsklinik und aus der Ehe verabschiedet. In der Not bietet er seine 36jährige Tochter aus erste Ehe auf – doch für sie hatte er damals nie Zeit, und nun ist sie ihrerseits schwanger. Wer soll also seine serbelnde Galerie retten, wenn nicht der notorische Schwindler und Schönfärber Goodrich selbst?
Von den 1980er bis in die frühen 2000er Jahre zeichnete das kalifornische Drehbuch- und Regiegespann Nancy Myers und Charles Shyer für eine Reihe erfolgreicher Familien- und Beziehungskomödien, in denen sich gehobenen Westküstenkreise mit so gravierenden Problemen wie der Unwilligkeit, die erwachsene Tochter ziehen zu lassen, oder der Zurechtstutzung eines alternden Frauenhelden konfrontiert sahen: Father of the Bride, The Parent Trap, Something’s Gotta Give … Nun hat die 39jährige Tochter des Paars eine Komödie im gleichen Geist der materiellen Sorglosigkeit und überschaubaren familiären Konflikte vorgelegt, die sich trotz einigem klischierten Personal wohltuend von klassischen Feel-Good-Filmen abhebt. Michael Keaton gibt den LA-Galeristen Goodrich, der sich an der Schwelle zum Rentenalter nochmals zwei Kinder aufgebürdet hat und von seiner 36jährigen Tochter aus erster Ehe (Mila Kunis) regelmässig zu hören bekommt, dass er für sie weit weniger da war. Kommt hinzu, dass sich Goodrichs zweite Frau soeben ohne Vorwarnung in eine Entzugsklinik verabschiedet hat und seine Galerie kriselt. In der komödiantischen Zuspitzung präsentiert sich diese Situation mit vertrauten US-Soap-Zutaten wie vorwurfsvoll-altklugen Kindern und redseligen Erwachsenen, die aus Mücken vorsätzlich Elefanten machen. Doch im Zentrum dieser Stürme im Wasserglas hat Michael Keaton als Goodrich das Wasser so dauerhaft am Hals, dass man ihm nie ernsthaft böse sein kann: ein notorischer Schönfärber zwar, doch einer, der’s eigentlich gut meint und im Grunde darunter leidet, dass er es allen recht machen will. Wichtiger noch ist, dass Goodrich die klassischen Feel-Good-Fallen stets um Haaresbreite meidet: wundersame Wendungen zum Besseren bleiben fromme Wünsche, Leben heisst immer auch, sich mit Scherbenhaufen zu arrangieren. Wir wären allerdings nicht im Universum Meyers-Shriver, wenn die Family Values keinen Trost stifteten: Wer immer strebend sich bemüht, wird immerhin in dieser Hinsicht belohnt.
Kerstin BlankGalerieo
