r The Piano Tuner
Daniel Roher, Kanada, USA, 2025o
Ein verhinderter Pianist und brillanter Klavierstimmer mit übersensiblem Gehör lässt sich dazu verleiten, sein Talent für das lautlose Knacken von Zahlenschlössern einzusetzen. Während er das Herz einer jungen Komponistin erobert und mit seinen neuen Einkünften seinem kranken Chef aus der Patsche hilft, bringen ihn seine kriminellen Auftraggeber zunehmend in Bedrängnis.
Der vergnüglichste Film des Kinojahres 2026? Zu den Anwärtern zählt definitiv dieses Heist Movie auf der Grenze von Thriller und Komödie. «Heists» sind kriminelle Kabinettstücke, jene raffinierten Raubzüge ohne Gewalt, von denen wir Unterbezahlten alle bisweilen träumen: Ocean’s Eleven, Inside Man und so…
In Tuner, bei uns als The Piano Tuner lanciert, fällt einem jungen Klavierstimmer namens Niki so ein Traum in den Schoss. Sein Chef hat sein Hörgerät im Tresor und die Nummer dazu im verkalkten Kopf verlegt. Also schaut Niki auf YouTube nach, wie man Schlösser mit blossem Hinhören knackt. Der junge Mann, muss man wissen, ist durch sein hypersensibles Gehör um eine brillante Pianistenkarriere gebracht worden.
Nun will es der Zufall, dass dieser Wortknauser mit seinen Fähigkeiten nicht nur eine bildschöne asiatische Jungkomponistin beeindruckt, sondern auch eine zwielichtige Security-Truppe, die in der Villa eines Kunden einen Tresor aufschweisst: Geht doch viel einfacher! Einen wie Niki können die mittelschweren Jungs, die vom Fauda-Star Lior Raz mit bedrohlichem Charme angeführt werden, gut brauchen…
Klingt konstruiert? Ist es auch, wie alle Heistfilme. Doch geschrieben, gefilmt, geschnitten und vertont ist das vom Team um den Nachwuchsregisseur Daniel Roher (Navalny) mit einem Dialog- und Musikgehör, das dem Helden des Films Konkurrenz macht: Ironie und Melancholie, brillantes Filmhandwerk und Jazz verzahnen sich zu einem Krimi der erotisch knisternden Gefahr. Hinzu kommt, als Tuner Niki, der 30jährige Brite Leo Woodall, jüngst schon in Nuremberg stark: Unwiderstehlich, wie sein Knautschgesicht zwischen Überheblichkeit und Verletzlichkeit changiert. Wunderbar kauzig zudem der 89jährige Dustin Hoffman in der Rolle seines jazzbesessenen Chefs.
Im letzten Akt gerät die heikle Balance zwischen Gefahr, Gewalt und Komik zwar bisweilen ins Wanken. Doch das schamlos dick aufgetragene Finale mit seiner knochentrockenen Pointe bringt alles wieder ins Lot: Den Dreisten gehört die Welt!
Andreas Furler
