r Le città di pianura
Francesco Sossai, Italien, Deutschland, 2025o
Carlobianchi und Doriano, zwei mittellose Männer in ihren Fünfzigern, haben eine Obsession: den letzten Absacker. Eines Nachts, während sie von Bar zu Bar ziehen, treffen sie Giulio, einen schüchternen Architekturstudenten. Die Begegnung wird Giulios Sicht auf die Welt, die Liebe und seine Zukunftspläne grundlegend verändern.
Es gibt einen Optimismus, der ist der Jugend vorbehalten. Und den Betrunkenen. Für die beiden Endfünfziger Carlobianchi (Sergio Romano) und Doriano (Pierpaolo Capovilla), zwei endlos juvenile Söhne des Veneto, übernimmt diese Rolle die «göttliche Vorsehung», die ihnen zuverlässig immer neue Gelegenheiten für ein «letztes Glas» zuspielt. Offiziell sind sie unterwegs, um ihren alten Kumpel Genio (Andrea Pennacchi) vom Flughafen abzuholen, der nach Jahren im argentinischen Exil zurückkehrt, um eine einst versteckte Beute auszugraben. Tatsächlich aber ist für die beiden Dauerarbeitslosen jede Nacht vor allem eines: die Suche nach dem nächsten Drink – und nach dem ersten gleich dazu. Auf ihrem nächtlichen Streifzug geraten sie in die Abschiedsparty von Architekturstudent:innen, wo sie sich nicht nur Drinks, sondern auch den unglücklich verliebten Giulio (Filippo Scotti) angeln. Als Gegenentwurf zu den beiden will dieser eigentlich früh schlafen gehen, schliesslich wartet am Morgen eine Prüfung. Doch Carlobianchi und Doriano setzen alles daran, das Jüngelchen in ihre trunken-optimistische Welt einzuführen. Le città di pianura ist ein Roadmovie durch das verarmte Umland Venedigs und zugleich ein Film voller Verwandtschaften: zu Fellini und Wertmüller, zu Kaurismäki und, im beschwipsten Optimismus, zu Thomas Vinterbergs Drunk. Mit dem Studenten Giulio schleicht sich zudem eine leise Architekturfilm-Note ein, etwa beim Besuch von Carlo Scarpas berühmtem Familiengrab Brion. Getragen vom Sounddesign und den folkig-rockigen Songs von Krano schlägt der Film auch eine Brücke zum amerikanischen Indie-Roadmovie. In seinen besten Momenten findet er über die sentimentale Sehnsucht älterer Männer nach einer Jugend, in der scheinbar noch alles möglich war, hinaus zu einem eigentümlich lebensfrohen Rausch, und dies ohne jeden Zynismus.
Michael SennhauserGalerieo
