r En terrain neutre

Stéphane Goël, Mehdi Atmani, Schweiz, 2026o

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Der eine ist der Sohn eines Waadtländer Bauern, der andere der Sohn eines eingebürgerten algerischen Seeigelfischers. Stéphane und Mehdi sind dennoch Schweizer. Also neutral. Aber was bedeutet das eigentlich genau? Bedeutet es, geschmacklos, geruchlos, meinungslos, mutlos, opportunistisch, heuchlerisch oder vielleicht schlau zu sein? Kann man wirklich neutral sein, und ab wann ist man es nicht mehr? Während in Europa das Kriegstrommeln ertönt und die alte Welt zusammenbricht, begeben sich Stéphane und Mehdi auf einen weltumspannenden und introspektiven Roadtrip auf der Suche nach diesem besonderen Status.

Nein, neutral ist dieser Dokumentarfilm zum Glück nicht, ganz im Gegenteil. Das überrascht aber auch nicht beim engagierten Lausanner Dokumentaristen und Citoyen Stéphane Goël (De la cuisine au parlament, Citoyen Nobel), zumal er sich hier mit einem der zentralsten Schweizer Selbstbilder auseinandersetzt: der Neutralität, die ebenso vieldeutig ist wie das Land selbst. Der Film beginnt symbolisch auf einem leeren Feld bei Marignano, wo 1515 die Niederlage der Schweizer Söldner den Mythos einer daraus geborenen Neutralität begründet haben soll. Die Szene setzt den Ton: augenzwinkernd, leicht spöttisch und geprägt von jener Selbstironie, welche die Westschweiz der Deutschschweiz öfters voraus hat. Diese Haltung zeigt sich auch beim Besuch einer Pro-Schweiz-Veranstaltung, wo Goël und der Journalist Mehdi Atmani, sein Koregisseur mit algerischen Wurzeln, zunächst misstrauisch empfangen werden. In der Halle gelingen ihnen eindrückliche Bilder zwischen pathetischen Reden, schläfrigen Zuhörern und Atmanis vielsagenden Reaktionen. Der Film verankert seine Beobachtungen im aktuellen Kontext: Der Ukrainekrieg und geopolitische Spannungen haben die Neutralitätsfrage neu entfacht. Zwischen «Sich-raushalten» und Position beziehen stellt sich die Schweiz auch international neu auf, etwa im UNO-Sicherheitsrat oder bei Waffenexportdebatten. Goël und Atmani verfolgen die Spuren der Neutralität quer durch Geschichte und Gegenwart: vom Reduit-Bunker über eine Rüstungsmesse bis zur UNO in New York. Auch kulturelle Bilder der Schweiz – etwa der asiatische Heidi-Boom oder die Swiss Miniatur – werden reflektiert. Allmählich entwickelt sich der Film dabei zu einem politischen Lehrstück, ohne den ironischen Ton zu verlieren. Besonders erhellend ist der Historiker Sacha Zala, der Neutralität als fragile Konstruktion beschreibt: abhängig von externer Wahrnehmung und keineswegs garantiert. So liefert En terrain neutre eine unterhaltsame und pointierte Auseinandersetzung mit der Schweiz und ihrem Selbstbild – und damit auch zur aktuellen Neutralitätsdebatte.

Michael Sennhauser

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Filmdateno

Synchrontitel
Neutral Ground EN
Genre
Dokumentarfilm
Länge
80 Min.
Originalsprachen
Französisch, Deutsch, Italienisch
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k.A.
Cinefile-User:
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< 3 Stimmen

Cast & Crewo

Stéphane GoëlRegie
Mehdi AtmaniRegie
Mehdi AtmaniDrehbuch
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