Plitsch Platsch Forever!
Natascha Beller, Schweiz, 2026o
Die 11-jährige Pola und ihre beste Freundin Polly verbringen ihre ganze Zeit im örtlichen Freibad «Plitsch Platsch», wo Pollys Eltern ein Café betreiben. Als das Schwimmbad wegen Budgetkürzungen geschlossen wird und Pollys Familie wegzieht, ist Pola plötzlich ganz auf sich allein gestellt. Sie git jedoch nicht auf und tut sich mit ihrer neuen Klassenkameradin Rosalie zusammen, um das Schwimmbad zu retten. Gemeinsam starten sie eine Unterschriftenaktion und mobilisieren die Kinder aus der Nachbarschaft.
Kinderfilme funktionieren am besten, wenn sie auch Erwachsene erreichen – sei es mit Ironie, kulturellen Anspielungen oder, am wirkungsvollsten, mit dem Wecken eigener Kindheitserinnerungen. Genau darauf setzt Natascha Beller mit ihrem Schweizer Kinderfilm Plitsch Platsch Forever!. Kaum beginnt der Film, sind die Erinnerungen an endlose Badi-Sommer da: das Kreischen am Beckenrand, Badetücher im Gras, der Geruch von Pommes … Die Vignetten treffen präzis jene nostalgische Frequenz, die Kopfzeitreisen möglich macht. Trotz dieser starken emotionalen Ebene bleibt der Film klar auf ein junges Publikum ausgerichtet. Die elfjährige Pola kämpft nicht nur um ihre Freundschaft mit Polly, sondern auch um den Erhalt ihrer Badi, die aus Spargründen geschlossen werden soll. Das Drehbuch von Sabina Gröner folgt dabei klassischen Mustern: Bedrohte Pflanzenarten sollen den Abriss verhindern, Unterschriften werden gesammelt. Doch Beller unterläuft die Didaktik rasch mit raueren Tönen. So liefert sich Pola mit der misanthropischen Frau Hunziker im Altersheim bissige Wortgefechte, und selbst die gehetzte Stadtpräsidentin stösst auf ruppige kindliche Entschlossenheit. Auch formal wird die Nostalgie gebrochen: eingefrorene Bilder, direkte Ansprachen in die Kamera und weitere stilistische Mittel aus der Clip-Kiste sorgen für ein lebendiges Wechselspiel zwischen Sentimentalität und anarchischer Energie. Die Drehorte in Brugg und Bremgarten – zum fiktiven «Rotwil» verdichtet – sowie das Birmenstorfer Freibad Geren verstärken den Eindruck eines kollektiven Erinnerungsraums. Besonders gelungen ist die Figur der Stadtpräsidentin, gespielt von Michèle Rohrbach, die hier eine neue Facette zeigt: Als Leila in Bellers Kinderwunschpanik-Komödie Die fruchtbaren Jahre sind vorbei von 2019 wollte sie auf Biegen und Brechen ein Kind. In Plitsch Platsch Forever! hat sie es nun, ist Stadtpräsidentin und Jungmutter zugleich. Und hat damit einen guten Grund, den Kindern trotz Politstress zuzuhören.
Michael SennhauserGalerieo
