r Die Ältern
Sönke Wortmann, Deutschland, 2026o
Die Kinder des Schriftstellers Hannes sind auf dem Sprung, seine Roman-Serie stagniert, nun will auch noch seine Frau ausziehen. Zusammen mit seinem schlingernden Sohn versucht sich der Mitfünfziger mit einer Männer-WG und macht endlich eine neue Bekanntschaft. Doch eigentlich will er gar nicht, dass sich irgendwas ändert. Was tun mit so einem fortgeschrittenen Leben?
Familien gleichen sich nach Tolstois berühmtem Diktum in ihrem Gelingen und unterscheiden sich in der Art ihres Scheiterns. Heute ist eher das Umgekehrte die Norm: die leise, unspektakuläre Kapitulation der Eltern vor ihren Differenzen. So ergeht es auch dem Protagonisten von Sönke Wortmanns neuer Komödie: Seine Frau kündigt dem in Routine erstarrten Schriftsteller Hannes aus reiner Ermüdung den Auszug an; die erwachsene Tochter geht mit ihr, der dem Abitur entgegenschlingernde Sohn bleibt bei ihm. Das traute Heim mutiert damit zur ungleichen Männer-WG mit Kochplan und Erziehungs-Pendenzen, während Hannes mit seinem Verleger über die Beibehaltung seiner ausgeleierten Erfolgsformel feilscht, die für sein gesamtes Leben steht. Nur zaghaft kommt er auf den Geschmack der Veränderung, als sich eine neue Beziehung anbahnt. Sönke Wortmann, seit seinem Durchbruchsfilm Kleine Haie und dem nachfolgenden Kassenschlager Der bewegte Mann regelmässiger Lieferant deutscher Mainstream-Erfolge, erinnert hier mit Gespür für Timing und Dialogpointen an die Qualitäten seiner besten Komödien, in denen der Klamauk umschifft wird – und die Lebenskrise zur Quelle selbstironischer Einsichten. Vor allem aber gehört Die Ältern dem Schauspieler Sebastian Bezzel, bekannt unter anderem als Konstanzer Tatort-Kommissar. Mit feinem Witz und leiser Melancholie macht er aus Hannes einen überforderten, doch keinen einfältigen Mann, der lernen muss, dass Fürsorglichkeit kein hinreichender Ersatz für Unbeweglichkeit ist. Anna Schudt als seine Ehefrau dafür wird nicht sonderlich pointiert porträtiert und muss die dramaturgische Option auf ein romantisches Comeback des Paars eher mechanisch offenhalten. Einnehmend eigenständig und ambivalent dafür Judith Bohle als Hannes’ neue Bekanntschaft. Sieg des Realitäts- oder des komödiantischen Lustprinzips? Schauen Sie selbst, wie Wortmann und sein Antiheld einen dritten Weg finden.
Andreas FurlerGalerieo
