Father Mother Sister Brother
Jim Jarmusch, USA, Irland, Frankreich, 2025o
Drei Geschichten über die Beziehungen zwischen erwachsenen Kindern und ihren etwas distanzierten Eltern: ein zurückgezogen lebender Vater, der von seinen erwachsenen Kindern in den USA besucht wird, Schwestern, die ihre Schriftstellerin-Mutter in Dublin besuchen, und erwachsene Zwillinge, die in ihre Pariser Wohnung erufen werden, um sich mit einer Familientragödie auseinanderzusetzen.
Eltern und Geschwister: nie ganz abgeschlossene Konflikte, Komplexe und Verknotungen. Jim Jarmusch, bald 73, nimmt mit Father Mother Sister Brother eine filmische Familienaufstellung vor und inszeniert ein Triptychon über dem Altar der Familie. In drei Episoden variiert er Nähe und Entfremdung mit gewohnt lakonischem Witz und poetischer Schärfe. Im ersten Teil, Father, besuchen Jeff (Adam Driver) und Emily (Mayim Bialik) ihren vom Leben abgehängten Vater (Tom Waits). Zwischen vorsichtigem Misstrauen und zaghaftem Mitgefühl entwickelt sich ein Kammerspiel der verlegenen (Nicht-)Wiederannäherung, das getragen wird von Jarmuschs typischem Dialogrhythmus und Waits' rauer Schlitzohrigkeit. Mother, der zweite Teil, überrascht als pointierte Schauspielerinnenparade: Charlotte Rampling als Mutter empfängt ihre gegensätzlichen Töchter (Cate Blanchett und Vicky Krieps) zum messerscharf ironischen Nachmittagstee. Die unterkühlte Bestsellerautorin erscheint dabei als mütterliche Sphinx, die Töchter schwanken zwischen Trotz, Anpassung und Selbstinszenierung. Drei grandiose Diven spielen, von Jarmusch gezielt ungebremst, gegen und mit ihren gewohnten Film-Persönlichkeiten: Overacting vom Feinsten. Den hoffnungsvoll versöhnlichen Abschluss bildet dann Sister Brother: Indya Moore und Luka Sabbat treffen sich als Zwillingspaar nach dem Tod der Eltern im Pariser Elternhaus. Ihre ungebrochene Vertrautheit verleiht dem Film eine leise, melancholische Wärme und die humane Gegennote zu den zynischen Zwischentönen zuvor. Father Mother Sister Brother ist ganz Jarmusch: Auch in kühlen Momenten in warmes Licht getaucht, lakonisch, musikalisch reich unterfüttert und von rissiger Komik durchzogen. Ein Alterswerk der scharfen Milde. Zur ausführlichen Besprechung
Michael SennhauserGalerieo
