Eddington
Ari Aster, USA, Finnland, 2025o
Frühling 2020 in New Mexico. Die Pandemie hat auch die verschlafene Kleinstadt Eddington im Griff. Dort stehen sich der Sheriff Joe Cross und der Bürgermeister Ted Garcia in einem Kampf gegenüber, der die Stadt zu zerreissen droht. Als ein Mord die fragile Ordnung erschüttert, nimmt die Gewalt ihren Lauf.
Die Welt ist aus den Fugen. Der ambitionierte amerikanische Regisseur Ari Aster thematisiert dies in seinem vierten Spielfilm. Verortet zwischen Spätwestern und schwarzer Komödie, versetzt uns Eddington in eine unheimliche Kleinstadt im tiefsten Amerika mitten in der Corona-Pandemie. Ein angezählter Sheriff (Joaquin Phoenix) weigert sich, die Maskenpflicht zu befolgen. Aus einer Laune heraus – zu der die psychischen Probleme seiner Frau (Emma Stone) und die Verschwörungstheorien seiner Schwiegermutter sicher beitragen – beschliesst unser Mann, für das Amt des Bürgermeisters zu kandidieren und fordert damit den Amtsinhaber (Pedro Pascal) heraus, der auf die Einhaltung der Gesundheitsmassnahmen pocht. Die durch die Pandemie zu Tage tretenden Spannungen verschärfen sich nach dem Mord an George Floyd in Minneapolis. Aus Überzeugung oder Opportunismus demonstrieren mehrere Jugendliche auf den Strassen und trotzen dem Sheriff und seinem Team, die schnell die Kontrolle über die Lage verlieren. Das erste Drittel des Films schwelgt genüsslich in dieser chaotischen, unheilvollen Atmosphäre. Das Gelingen von Eddington verdankt sich dabei seinem Ensemblecharakter: Jede Figur wird so knapp wie präzise skizziert, die Charakterzüge sind überzeichnet, ohne ins Groteske abzurutschen. Der Wendepunkt kommt, als der Sheriff beschliesst, mit seinen Feinden abzurechnen: Die Erzählung konzentriert sich nun stärker auf seine Figur, die bis dahin vor allem als Katalysator diente, und verläuft ab da linearer. Der Film gewinnt dadurch an erzählerischer Schlagkraft, verliert dafür an Subtilität, zumal er einige Einfälle überstrapaziert. So legt Phoenix, immer noch ein Stück weit gefangen in seiner Rolle als Joker, jede Zurückhaltung ab. Seine ständige Benommenheit in Kombination mit chronischen Asthmaanfällen gleicht der überbetonten Verwirrung von Leonardo Di Caprios Figur in One Battle After Another. Aber im Gegensatz zu Paul Thomas Anderson, bei dem die Unterhaltung die politische Analyse verdrängt, blickt Aster dem Verfall der amerikanischen Gesellschaft direkt ins Auge: Eddington ist eine Stadt, in der die Idee der Gemeinschaft ausgedient zu haben scheint. Es gibt nur noch eine Ansammlung von Individuen, die an ihre Partikular-Interessen gekettet sind.
Émilien Gür
