r L'inconnu de la Grande Arche
Stéphane Demoustier, Frankreich, Dänemark, 2025o
1983. Der größte Architekturwettbewerb der Geschichte, anonym und offen, wird auf Initiative des neuen sozialistischen Präsidenten François Mitterrand ins Leben gerufen. Der von allen großen internationalen Architekturbüros begehrte Wettbewerb wird überraschenderweise von einem Unbekannten gewonnen: Johan Otto von Spreckelsen, einem Architekturlehrer aus Kopenhagen. Bis dahin hatte der fünfzigjährige Däne nur vier Gebäude gebaut: sein Haus und drei kleine Kapellen.
Nach dem gleichnamigen Roman von Laurence Cossé erzählt L'inconnu de la Grande Arche die Geschichte des dänischen Architekten Johan Otto von Spreckelsen. Der Architekturprofessor wird schlagartig bekannt, als er 1983 den internationalen Wettbewerb für ein monumentales Bauwerk auf der verlängerten Achse von Louvre zum Triumphbogen gewinnt – die Grande Arche de la Défense. Gemeinsam mit seiner Frau kommt er zwar mit leeren Händen, aber einer klaren Vision nach Paris. Sein kompromissloser ästhetischer Anspruch gerät jedoch rasch in Konflikt mit den administrativen, politischen und wirtschaftlichen Zwängen des Projekts. Da er mit einem französischen Team zusammenarbeiten muss, findet von Spreckelsen im Architekten des Flughafens Roissy, Paul Andreu, einen Partner. Doch ihre unterschiedlichen Arbeitskulturen erweisen sich schnell als unvereinbar, und die Vorgaben des für das Projekt verantwortlichen Stadtplaners bringen den Dänen zunehmend gegen die beiden Franzosen auf, die ihn von zwei seiner zentralen Ideen abbringen wollen: von einer vollständig verglasten Fassade, die den damaligen französischen Bauvorschriften widerspricht, sowie von der Verwendung des kostspieligen Carrara-Marmors. Obwohl sich das Drehbuch mit Themen beschäftigt, die eigentlich nur Fachleuten der Stadtplanung kümmern, gewinnt uns der Film mit einer ebenso unaufdringlichen wie stimmigen didaktischen Erzählweise. Claes Bang, jüngst auch als Tell in einer englischen Verfilmung des Schweizer Nationaldramas zu sehen, verleiht dem Architekten mit seiner imposanten Erscheinung und seinem durchdringenden Blick eindrucksvolle Präsenz. Seine Figur ist in einem Projekt gefangen, dessen Dimensionen seinen Möglichkeiten letztlich übersteigen. Aus diesem Drama geht die Politik nicht eben ruhmreich hervor, die künstlerische Vision von von Spreckelsen dafür umso mehr.
Émilien Gür
