The Friends
Shinji Sōmai, Japan, 1994o
Drei abenteuerlustige junge Schulkinder finden sich auf dem ungepflegten Anwesen eines einsamen alten Mannes wieder. Nach und nach versuchen sie, an den Mann heranzukommen und bieten ihm an, seinen Garten und sein Haus neu zu gestalten.
Nach Moving und Typhoon Club ist The Friends der dritte Film des japanischen Regisseurs Shinji Somai (1948–2001), der von mutigen Verleihern in der Schweiz und in Frankreich wiederentdeckt worden ist und unsere ganze Aufmerksamkeit verdient, denn sie sind wirklich auf verborgene Schätze gestossen. Dieser wunderbare Kinderfilm, der auf einem Jugendroman von Kazumo Yumoto basiert, erzählt das Abenteuer von drei etwa zehnjährigen Schulfreunden, die plötzlich von der grossen Frage des Todes fasziniert sind. Während ihrer Sommerferien beschliessen sie, einen alten Mann zu beobachten, der allein in einer Bruchbude mit verwildertem Garten lebt, um ihn sterben zu sehen – was ihrer Meinung nach nicht mehr lange dauern kann. Doch ihr Vorhaben bleibt nicht unbemerkt, und es kommt zu einer Annäherung zwischen den Jungen und dem «Grossvater». Und das ist noch nicht alles, denn der alte Mann ist nicht so harmlos, wie er scheint: Was er während des Krieges auf den Philippinen begangen hat, hat ihn ein Leben lang an den Rand der Gesellschaft gedrängt. Werden die Jungen, die noch nicht alt genug sind, um zu urteilen, es schaffen, eine ehemalige Gefährtin zu finden und ihn – weit entfernt von ihrem ursprünglichen Vorhaben – mit dem Leben zu versöhnen? Auch wenn einige lokale Eigenheiten verwirrend sein mögen und auch wenn der Einsatz von zwei Schauspiellegenden (Rentaro Mikuni und Chikage Awashima) bei uns unbemerkt bleiben mag, hat das Wesentliche doch eine universelle Resonanz – angefangen bei der Metapher des alten Hauses, des Dschungelgartens und seines tiefen Brunnens inmitten einer modernen Umgebung, die dazu neigt, alles Vergangene auszulöschen. Daraus ergibt sich eine erstaunliche Entwicklungsgeschichte, die es fast schafft, uns mit der Vergänglichkeit aller irdischen Dinge zu versöhnen.
Norbert Creutz
