Queer
Luca Guadagnino, USA, Italien, 2024o
Der vermögende Amerikaner Lee hat sich in den 1950er-Jahren nach einer Drogenrazzia von New Orleans nach Mexiko City abgesetzt, wo er in der queeren Szene verkehrt und ungehemmt Drogen konsumiert. Bei einem Hahnenkampf verliebt er sich in den Ex-Soldaten Eugene, der sich ihm für finanzielle Gefälligkeiten hingibt. Gemeinsam brechen die beiden nach Südamerika auf, um nach einer halluzinogenen Pflanze zu suchen.
Wer David Cronenbergs Naked Lunch und Luca Guadagninos Call Me By Your Name geliebt hat, kann sich über diese neue Adaption eines sehr schwulen Romans von William S. Burroughs durch den derzeit angesagten italienischen Filmemacher freuen. Für alle andern wird es wahrscheinlich etwas heikler sein, da Queer eine Sensibilität für Minderheiten anspricht, die weit von der politischen Korrektheit entfernt ist. Der Film, der im Wettbewerb des Filmfestivals von Venedig Premiere hatte, ist wegen seiner brillanten Inszenierung und einem verblüffenden Daniel Craig auf jeden Fall einen Blick wert. Er handelt von William Lee, einem wohlhabenden Amerikaner und Heroinsüchtigen, der in den 1950er Jahren aus den USA nach Mexiko flieht, wo er hemmungslos konsumiert. Eines Tages verliebt er sich in Eugene Allerton, einen attraktiven jungen Landsmann, der sich ihm gegenüber abwechselnd hitzig und kühl verhält. Ist er schwul oder nicht? Lee schafft es auf alle Fälle, ihn auf eine Reise nach Ecuador zu locken, wo er nach einer halluzinogenen Pflanze sucht, die das Tor zur Telepathie öffnen soll. Alkohol, Sex und Drogen stehen im Mittelpunkt dieser Geschichte, und der Regisseur geht dabei nicht zimperlich vor, in einer wunderschönen Nachbildung der Epoche made in Cinecittà. Am bewundernswertesten ist jedoch seine Fähigkeit, das Skandalöse auszublenden und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, nämlich die Geschichte einer verzweifelten und unerfüllten Suche nach Liebe. Craig, der abwechselnd abstossend, charmant, erbärmlich und erschütternd ist, knüpft an seine jugendliche Leistung in Love Is the Devil an (John Maybury 1998), wo er Francis Bacons schurkischer Liebhaber war, als hätte es James Bond nie gegeben. Was Guadagnino angeht, so bestätigt er nach Challengers, dass er über eine höchst fantasievolle Filmsprache verfügt, die ein wahres Fest für die Sinne bietet.
Norbert CreutzGalerieo
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