r La nuit du 12
Dominik Moll, Belgien, Frankreich, 2022o
Der junge und ehrgeizige Hauptmann Vivés ist gerade zum Gruppenleiter der Kriminalpolizei von Grenoble ernannt worden, als der Mordfall Clara auf seinem Schreibtisch landet. Vivés und sein Team untersuchen Claras komplexes Leben und ihre Beziehungen, aber was als professionelles und methodisches Eintauchen in das Leben des Opfers beginnt, wird bald zu einer quälenden Besessenheit.
Seit seinem viel beachteten Zweitling Harry, un ami qui vous veut du bien aus dem Jahr 2000 hat sich der deutsch-französische Regisseur Dominik Moll einen Namen als Autor eleganter, mit schwarzem Humor verbrämter Krimis und Dramen gemacht. Sein neuster Film nun basiert auf einem realen Kriminalfall, der bis heute der Aufklärung harrt – dieser doppelte realistische Boden verleiht ihm eine Dringlichkeit, die man so von Moll bislang nicht kannte. Es geht um den Mord an einer jungen Frau, den das Team um einen umgänglichen jungen Chefermittler und dessen cholerischen ältesten Fahnder aufklären will. Die Ermittlungen rufen bezeichnende Mutmassungen über den Lebenswandel des Opfers und eine ganze Reihe plausibler Täter auf den Plan, doch alle Spuren verlaufen im Nichts. Kommt einem bekannt vor? Friedrich Dürrenmatt hat auf einer ähnlichen Prämisse seinen Krimi Das Versprechen aufgebaut, in dem sich ein besessener Kommissar am Zufall die Zähne ausbeisst. Moll geht es um etwas Anderes: Die Ermittlungen zeigen, dass Vorurteile auch die Fahnder ein Stück weit betriebsblind machen, ihr Scheitern hat mehr System, als sie ahnen. Die DarstellerInnen, Dialog- und Kameraführung arbeiten alle mit der gleichen Ernsthaftigkeit wie der Regisseur und wurden reich belohnt: Sechs Preise bei der César-Verleihung, darunter jene für den besten Film, das beste adaptierte Drehbuch und die beste Regie.
Andreas FurlerLe dernier-né de Dominik Moll, La Nuit du 12, revisite adroitement le polar en étant un plaidoyer vif contre la violence faite aux femmes. À voir absolument.
Olivier BombardaDominik Moll en tire un septième long-métrage, dont la puissance formelle, la qualité d’écriture, l’intelligence du casting rejoignent celles de ses premiers films, Harry, un ami qui vous veut du bien (2000) et Lemming (2005).
Véronique CauhapéServi par Bastien Bouillon, enfin au premier plan, mais aussi par de magnifiques figures féminines (dont la juge, interprétée par Anouk Grinberg dans l’un de ses plus beaux rôles), le récit coule, noir et pénétrant. Suffocant mais salutaire.
Mathilde BlottièreGalerieo
