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A Star Is Born

Bradley Cooper, USA, 2018o

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Jackson Maines (Bradley Cooper) Country-Karriere befindet sich am Tiefpunkt, als er eine begabte Unbekannte namens Ally (Lady Gaga) entdeckt. Die beiden beginnen eine leidenschaftliche Liebesbeziehung und Jack drängt Ally ins Rampenlicht, wo sie über Nacht zum Star aufsteigt. Als Allys Karriere Jack bald in den Schatten stellt, fällt es ihm zunehmend schwerer, sich mit seinem verblassenden Ruhm abzufinden.

Das vierte Remake dieses Stoffs ist zugleich das Regiedebüt von Bradley Cooper. Er trägt seinen Old-School-Gitarrenhelden würdevoll zu Grabe, Lady Gaga lässt sich als angehende Singer-Songwriterin zum Dancepop-Act umformen. Da liefert der Film nicht nur aktuelle Musikgeschichte mit, sondern nimmt sich auch die Zeit, viele Konzertszenen nicht nur anzutippen, sondern auszuspielen.

Hans Jürg Zinsli

Das vierte Remake dieses Stoffs ist zugleich das Regiedebüt von Bradley Cooper. Er trägt seinen Old-School-Gitarrenhelden würdevoll zu Grabe, Lady Gaga lässt sich als angehende Singer/Songwriterin zum Dancepop-Act umformen. Da liefert der Film nicht nur aktuelle Musikgeschichte mit, sondern nimmt sich auch die Zeit, viele Konzertszenen nicht nur anzutippen, sondern auszuspielen.

Hans Jürg Zinsli

Bradley Cooper hat für sein Regiedebüt einen alten Stoff wieder ausgegraben, an dem man gut ablesen kann, dass sich die Geschlechterverhältnisse über die Jahrzehnte nicht grundlegend gewandelt haben. In der vierten Fassung von "A Star Is Born" spielt er selbst den Publikumsliebling, der zugunsten seiner neuen Flamme traurig in den Schatten abgeht: Lady Gaga, als unbekannte Sängerin, die zum ganz großen Popstar aufsteigt. Das ist manchmal ganz schön, manchmal etwas schmalzig, aber die beiden entwickeln auf der Leinwand eine großartige Chemie.

Susan Vahabzadeh

Le film touche, émeut, se regarde et s'oublie. Mais tout le monde a fait le job. Rien d'agaçant, rien de sublime. Frustrant, peut-être...

Eric Libiot

Bien sûr, tout ça apparaîtra sans doute un peu trop sucré aux palais délicats. Mais si vous aimez la pop mainstream qui fait frissonner, ou tout simplement pleurer au cinéma, ce film est fait pour vous.

Frédéric Foubert

Galerieo

02.10.2018
Ein Remake ohne Vorbild

Ein netter Schauspieler und eine exaltierte Sängerin trauen sich an ein Kronjuwel der Hollywoodgeschichte: Bradley Coopers „A Star is Born“ wird für ihn und Lady Gaga zum doppelten Karrieregipfel.

Von Dietmar Dath

Als die Riesenmenschenmenge ihr endlich zuhört, legt sie sich die Hände auf die Augen, weil ihr der Moment zu groß ist. Aber dabei singt sie weiter, bald stärker denn je. Vor diesem Durchbruch will sie ihre eigenen Lieder lange nicht singen, schmettert lieber „La vie en rose“, bewundert und geliebt von Drag Queens und anderen eigensinnigen Herzen. Der Mann, der sie entdeckt, singt ihr bald eins der Lieder vor, die sie geschrieben hat. Da versteht sie: Das ist gut und muss gesungen werden, warum also nicht von ihr selbst? Bradley Coopers Film „A Star is Born“ ist eine zeitgemäße Liebesgeschichte: Die Frau prügelt sich für den Mann, der küsst dafür ihre verletzten Knöchel. „Sie sind ein Gentleman“, sagt sie, ist sich aber nicht ganz sicher, setzt daher hinzu: „I think.“

Es gibt schon drei Filme, die so heißen wie dieser und vom selben Stoff handeln. Den ersten hat William A. Wellman 1937 geschaffen, nach einem Drehbuch, in dem unter anderem die große Dorothy Parker ihre Finger hat knacken lassen. Der zweite stammt von George Cukor und aus dem Jahr 1954; die Hauptrollen spielten damals Judy Garland und James Mason. 1976 inszenierte Frank Pierson die dritte Version, diesmal mit Barbra Streisand und Kris Kristofferson. In der Fassung von Bradley Cooper, die diese Woche in die deutschen Kinos kommt, spielt der Regisseur den Kerl und die Frau spielt Stefani Joanne Angelina Germanotta, für’s Volk: Lady Gaga.

Die Unterschiede zwischen den Leading Ladies Garland, Streisand und Gaga sehen Blinde und hören Taube. Subtiler dagegen machen sich die zwischen den drei Männern geltend: Alle drei verkörpern Trinker auf dem absteigenden Ast, aber während man bei Mason das Gefühl hat, er werde von etwas Bösem durch den Film getrieben, das nur unterschwellig auch noch etwas Trauriges ist, verhält sich’s bei Cooper genau umgekehrt, wohingegen Kristofferson weder dämonisch noch gequält wirkt, sondern nur müde (es waren halt die Siebziger; so ein langes Gitarrensolo schlaucht schon schwer). Noch interessanter kontrastieren die drei Paardynamiken – keine Privatangelegenheiten, sondern Bühnengeschehen, öffentlich wie der destruktive Klatsch in unserem Social-Media-Zeitalter: Mason torkelt in Garlands Show, sie muss ihn zähmen und managen; Kristofferson dagegen lockt Streisand mit seinem offenen Hemd ins Rampenlicht (man wünscht sich beim Zuschauen vierzig Jahre danach, peinlich berührt, die Leute hätten sich damals ein bisschen ordentlicher angezogen – sexuelle Liberalisierung ohne raffinierte Umgangsformen ist barbarisch). Bradley Cooper wiederum guckt seine Erwählte an, wie das nur Liebe kann, staunend vor Begeisterung darüber, dass er seine Charakterbaustelle Dank ihrem Anblick wenigstens ein paar Minuten lang vergessen darf. Sie guckt zurück, als traue sie seinem Bart nicht, seinem Herzen aber ohne Vorbehalt. Die Chemie oder Elektrizität oder wie man den heiligen Hokuspokus sonst nennen soll, ohne den Liebe nicht leben kann, taucht diesen Film in Farben, die glaubhaft machen, dass hier zwei erwachsene Menschen überhaupt zum ersten mal lieben, obwohl sie als Figuren ja Echos aus anderen Filmen sind, also das Gegenteil von „zum ersten mal“, im Fall des Mannes sogar verschärft zum Maximum des Erwachsenseins, das einem Country-Rock-Helden zusteht: Totalkaputtheit. Das Paradox einer ersten Liebe unter Nichtkindern, Erfahrenen und Illusionslosen verwirklicht sich als Regiedebüt, das wie das Gipfelwerk eines alten Hasen wirkt – als Remake, das kein Vorbild braucht. Passt alles: Die Kunstepoche „Pop“ wusste schon in der Wiege, was „Retro“ bedeutet, und hat sofort angefangen, davon zu erzählen.

Coopers „A Star is Born“ kennt erfreulicherweise mehr als eine Sorte Liebe, zum Beispiel die bis zum Gewaltakt leidenschaftliche Beziehung zweier Brüder, die der Verlust des Vaters in früher Jugend auf Verhaltensmuster festgenagelt hat, denen sie nie mehr entkommen werden (der große Sam Elliot, der seit seinem ersten Erscheinen 1969 in „Butch Cassidy and the Sundance Kid“ zahllose Hollywoodfilme uneitel veredelt hat, liefert als Coopers Bruder eine seiner vielen feinfühligen Altersbravourleistungen ab).

Psychologisch differenzierte Arbeit leistet der Regisseur auch als Schauspieler: Seine Angst um die Geliebte zittert wie Herbstlaub am dürren Zweig; er sieht korrekt voraus, dass der Ruhm sie zwingen wird, ihre empfindlichste Wahrheit der ganzen Welt preiszugeben. Cooper nimmt, wo es um dieses Thema geht, die Bedrohlichkeit der Menschenverwertung durch die Unterhaltungsbranche ganz in sein Spiel und in seine Musik: „Maybe it’s time to let the old ways die“, singt er, und diese „old ways“ sind nicht irgendein Ahnenerbe, sondern die Machenschaften der Kulturindustrie, bei der sich die 1954er Fassung von „A Star is Born“ im Vorspann demütig bedankt, weil sie ein paar Requisiten (den Oscar zum Beispiel) nutzen darf.

Dies zur Regie und zu den Männerschmerzen. Der springende Punkt an „A Star is Born“ ist freilich letztlich der Star, der hier (wieder)geboren wird. Peinliche Enthüllung: Bis 2015 hielt der Rezensent Lady Gaga für eine nicht besonders inspirierte Reprise mittelintelligenter Popstarmodelle aus dem letzten Jahrhundert. Dann betrat sie die Fernsehserie „American Horror Story“ wie ein römischer Kaiser das Colosseum, nein: rauschte in ihre Eröffnungsszene wie trunkenes Blut in heiße Ohren, schwebte und schritt, metzelte und wälzte sich durch mehreren Takte der Songkreissäge „Tear you Apart“ von She Wants Revenge und riss damit anstrengungslos eine Show an sich, in der immerhin Gigantinnen wie Angela Bassett und Kathy Bates das Hausrecht ausüben. Ein winziger Zweifel blieb, so unwiderstehlich dieses Phänomen mit den gebleichten Blicken und fischmenschlichen Bewegungen aussah: Hatte sich die Frau nicht einfach als teils anziehende, teils abstoßende Kunstfigur selbst gecastet und spielte diese Figur jetzt einfach immer und überall, egal, wie die Rolle hieß (die Älteren kennen das Konzept unterm Namen „Klaus Kinski“)? Wie blöd man manchmal ist. Lady Gaga kann spielen, singen, alles. Wer‘s bei „A Star is Born“ nicht merkt, hat ein Rad ab.

In einem dummen Text, den ein kluger Mann vor dreißig Jahren schrieb, beschwerte sich der kluge Mann darüber, dass Prince ja nur ein schwacher Abklatsch von Jimi Hendrix sei und Madonna eine billige Kopie von Marilyn Monroe. Der Dichter Ezra Pound fand, jede Zeit müsse sich von den Kunstschöpfungen, welche die Zeit überdauern, ihre eigenen Versionen erarbeiten. Aber um Überdauern geht es nicht mehr, wenn die Reichweite der Medien weltweit ist, wenn immer mehr Speicher voll sind und immer mehr Nachrichten menschlich ekelhaft.

Es geht um das Recht des Unwiederbringlichen, das Leben zu erleuchten. „Weil ich vor dir nie geliebt habe, werde ich nach dir nie mehr lieben können“, sagt das Lied, das in „A Star is Born“ übrigbleibt, wenn alles andere verbrannt ist.

Liebesglück ist eine Kunstmetapher für jenes seltene Selbstbewusstsein der Sterblichkeit, das ihr dämmert, wenn sie begreift, dass Schönheit nicht ewig sein muss, um übers Diesseits und seine elenden Kleinlichkeiten zu siegen. „A Star is Born“ von Bradley Cooper sagt und singt davon – eins der raren Märchen, die nicht lügen.

© Alle Rechte vorbehalten Frankfurter Allgemeine Zeitung. Zur Verfügung gestellt vom Frankfurter Allgemeine Zeitung Archiv
Tages-Anzeiger, 02.10.2018
Altes Lied, neue Töne

Bradley Cooper und Lady Gaga harmonieren im Remake «A Star Is Born» ausgezeichnet.

Von Hans Jürg Zinsli

Der Country-Rock-Star Jackson Maine (Bradley Cooper) vermag im Stadion die Massen noch immer zu begeistern, aber in seinem Innern ist es dunkel geworden. Der hemdsärmlige Sänger zehrt von seinem einstigen Glanz, auf dem Heimweg schüttet er sich in der Limousine mit Gin zu. Aber dann stolpert er zufällig in eine Dragqueen-Bar und ist begeistert von der jungen Sängerin Ally (Lady Gaga), der einzigen echten Frau im Hause.

«A Star Is Born» erzählt die klassische Geschichte eines Künstlers, der mit letzter Kraft die Karriere einer Nachwuchssängerin lanciert, bevor er sich selbst zugrunde richtet. Es ist bereits das vierte Remake dieses Stoffs, die bekannteste Version ist wohl jene von 1954 mit Judy Garland und James Mason.

Etablierter Star, aber kaum Schauspielerfahrung

Nun gibt es vieles, das Bradley Cooper bei seinem Regiedebüt hätte falsch machen können, wobei die grösste Klippe darin bestand, dass Lady Gaga ein etablierter Star ist und kaum Schauspielerfahrung besitzt. Aber wenn diese Ally den Glitter und die Schminke wegmacht, staunt man als Zuschauer nicht schlecht: Da kommt eine Frau zum Vorschein, die ihren Traum vom Singen schon fast aufgegeben hat und eine Verwundbarkeit an den Tag legt, die man Gaga nicht zugetraut hätte.

Das alles funktioniert auf der Leinwand prächtig. Bei Cooper, weil er seinen Old-School-Gitarrenhelden würdevoll zu Grabe trägt, bei Gaga, indem sich ihre Figur von einem Manager zum elektronischen Dance­pop-Act umformen lässt. Der Film liefert also aktuelle Musikgeschichte mit und ist nicht zuletzt sehens­wert, weil viele Konzertszenen (aufgenommen unter anderem am Glastonbury-Festival) grosszügig ausgespielt werden. Da verdrückt man als Connaisseur gerne eine nostalgische Träne

© Alle Rechte vorbehalten Tages-Anzeiger. Zur Verfügung gestellt vom Tages-Anzeiger Archiv
Vanity Fair, 01.09.2018

Von Norine Raja

© Alle Rechte vorbehalten Vanity Fair. Zur Verfügung gestellt vom Vanity Fair Archiv
Première, 01.10.2018

Von Frédéric Foubert

© Alle Rechte vorbehalten Première. Zur Verfügung gestellt vom Première Archiv
Music Video: Lady Gaga & Bradley Cooper – Shallow
Lady Gaga / Lady Gaga
en / 26.09.2018 / 3‘36‘‘

Interview with Bradley Cooper & Lady Gaga
Erik Davis / Fandango
en / 09.09.2018 / 13‘33‘‘

A STAR IS BORN interviews - Lady Gaga, Bradley Cooper, Sam Elliot
Kevin McCarthy / Fox
en / 09.09.2018 / 8‘43‘‘

Filmdateno

Genre
Drama, Musik/Tanz, Liebesfilm
Länge
135 Min.
Originalsprache
Englisch
Bewertungen
cccccccccc
Øk.A.
IMDb
k.A.

Cast & Crewo

Bradley CooperJackson Maine
Lady GagaAlly
Sam ElliottBobby Maine
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Bonuso

iGefilmt
Music Video: Lady Gaga & Bradley Cooper – Shallow
Lady Gaga, en , 3‘36‘‘
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Interview with Bradley Cooper & Lady Gaga
Fandango, en , 13‘33‘‘
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A STAR IS BORN interviews - Lady Gaga, Bradley Cooper, Sam Elliot
Fox, en , 8‘43‘‘
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gGeschrieben
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