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Melancholia

Lars von Trier, Dänemark, Frankreich, Deutschland, Schweden, 2011o

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Justine und Michael feiern ihre Hochzeit mit einem rauschenden Fest auf dem Landsitz von Justines Schwester Claire und Schwager John. Doch von Anfang an steht das Fest unter keinem guten Stern: Das Paar kommt sogar zu spät zur eigenen Feier. Der Abend endet im Desaster. Unterdessen wirft schon der riesige Planet Melancholia sein unheimliches Licht auf die Erde. Bald ist er der Welt bedrohlich nahe gekommen und hat das Verhältnis der Schwestern komplett umgekehrt: Die depressive Justine handelt plötzlich klar und entschlossen, während die besonnene Claire zunehmend in Panik gerät...

Lars von Trier zettelt eine philosophische Science-Fiction-Geschichte an, mit der er nach «Antichrist» erneut seine Depression verarbeitet: Justines Weltschmerz findet sein motivisches Echo im Planeten auf Kollisionskurs mit der Erde. Kirsten Dunst bietet einen famosen schauspielerischen Kraftakt; auch die geradlinige, mit Pathos aus Wagners «Tristan und Isolde» sowie bildender Kunst geschwängerte Erzählweise überrascht. Von Trier kriegt einen immer wieder rum, auch wenn er hier abermals die Rationalität verlacht und seine Bilder epigonal und etwas schlapp wirken.

Pascal Blum

"Melancholia" ist eingängiger [als von Triers frühere Filme], was bedeutet, dass die wenig menschenfreundliche Botschaft - Weltekel und die Lust an der Vernichtung allen Lebens - wie eine Schlange ins Bewusstsein kriecht. Das Auge lässt sich nun mal leicht verführen. Und Lars von Trier bietet mit "Melancholia" denn auch ganz große Oper - wie man so sagt, wenn eine Performance sehr virtuos, sehr pathetisch und künstlich ist und den Zuschauer am Ende erschüttert und etwas ratlos zurücklässt. (Auszug)

Martina Knoben
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rogerebert.com, 10.09.2011

Von Roger Ebert

© Alle Rechte vorbehalten rogerebert.com. Zur Verfügung gestellt vom rogerebert.com Archiv
05.10.2011
Geil, der Weltuntergang ist da!

Porno-Drehs und Nazi-Sprüche - Regisseur Lars von Trier ist der Skandalmeister des internationalen Kinos. Doch wie lässt sich das noch toppen? Mit seinem bilderstarken Meisterwerk "Melancholia", in dem die Welt ziemlich hübsch und mit einer irritierenden sexuellen Komponente untergeht.

Von Martina Knoben

Ist es cineastischer Geheimnisverrat, wenn man erzählt, dass in diesem Film die Welt untergeht? Oder hat es sich längst herumgesprochen, dass Lars von Trier sie endgültig auslöscht in "Melancholia" - nicht beinahe vernichtet, wie in den meisten Katastrophenfilmen, sie auch nicht Architekturdenkmal für Architekturdenkmal in Schutt und Asche legt, sondern mit einem Schlag ausradiert aus dem Sonnensystem.

Nun macht der Film selbst kein großes Geheimnis daraus. Schon in der Ouvertüre, einem mehrminütigen Zusammenschnitt surrealer Endzeitszenen von überwältigender hypnotischer Qualität, ist das Ende der Welt als Zusammenprall zweier Planeten zu sehen. Lars von Trier hat die Sequenz zum Vorspiel von Wagners "Tristan und Isolde" montiert: in Zeitlupe vom Himmel fallende Vögel; eine Braut schwebt zwischen Seerosen im Wasser; ein Pferd - Traumsymbol des Lebens - das in sich zusammensinkt; ein Park mit Sonnenuhr und gestutzten Bäumen, die zwei Schatten werfen. Alles in dieser Ouvertüre, die viel Kunst- und vor allem Filmgeschichte verdreht zitiert, verheißt Unheil - und ist dabei betörend schön. Der eigentliche Weltuntergang sieht ein bisschen wie die Befruchtung in den Aufklärungsfilmen im Biologieunterricht aus: Ein gewaltiges "Ei" - der Planet Melancholia - nimmt die vergleichsweise winzige Erde in sich auf. Begleitet wird das von einem beunruhigenden niederfrequenten Wummern. Aus dem kosmischen Abstand sieht dieser Weltuntergang ziemlich gut aus und hat, wie gesagt, auch eine irritierende sexuelle Komponente: Geil, wie hier die Erde verschwindet, in einem Super-Orgasmus!

Seinen Hang zum radikalen Tabubruch hatte von Trier kürzlich in Cannes mit der ominösen "Okay, ich bin ein Nazi"-Bemerkung bewiesen. Und als nächsten Film hat der Regisseur einen Porno mit dem Titel "Nymphomaniac" angekündigt. So richtig verwundern kann das nach Skandalfilmen wie "Antichrist" (2009) oder "Idioten" (1998) nicht.

"Melancholia" ist eingängiger, was bedeutet, dass die wenig menschenfreundliche Botschaft - Weltekel und die Lust an der Vernichtung allen Lebens - wie eine Schlange ins Bewusstsein kriecht. Das Auge lässt sich nun mal leicht verführen. Und Lars von Trier bietet mit "Melancholia" denn auch ganz große Oper - wie man so sagt, wenn eine Performance sehr virtuos, sehr pathetisch und künstlich ist und den Zuschauer am Ende erschüttert und etwas ratlos zurücklässt. Immerhin war er ja auch als Regisseur für Bayreuth im Gespräch, sollte 2006 den "Ring" inszenieren, bevor er kurzfristig absagte.

Erst war sie die perfekte Braut

Dass ihm die Arbeit an "Melancholia" viel Spaß gemacht und aus einer langen Depression befreit habe, hat von Trier ebenfalls erzählt, und man glaubt es ihm gern. Nichts belebt einen Melancholiker mehr, als sich das Schlimmstmögliche vor Augen zu führen. Womit wir bei Justine wären, einer der beiden zentralen Figuren in "Melancholia", diejenige, mit der sich der Regisseur angeblich stark identifiziert. Kirsten Dunst hat für ihre Darstellung in Cannes die Silberne Palme bekommen.

Zunächst ist Justine eine strahlende, kichernde, wunderschöne, kurz: die perfekte Braut. In einer Stretch-Limousine versuchen sie und ihr Ehemann Michael (Alexander Skarsgård) einen engen Serpentinenweg hochzufahren, was an der Länge des Autos fast schon slapstickhaft scheitert. Zu Fuß und viel zu spät kommt das Brautpaar am herrschaftlichen Landsitz der Brautschwester Claire (Charlotte Gainsbourg) und ihres reichen Ehemannes John (Kiefer Sutherland) an, wo die Hochzeitsfeier schon im Gange ist. Udo Kier gibt den Hochzeitsplaner, der ob der Unpünklichkeit des Paares sich die Haare rauft - noch wirkt das Ganze wie ein komisches Gesellschaftsstück.

Das ändert sich schnell, als die ersten Reden gehalten werden. Der Arbeitgeber der Braut fordert einen fälligen Slogan ein (Justine arbeitet in der Werbung). Ihr Vater (John Hurt als haltloser Weiberheld und Trunkenbold) und ihre Mutter (Granit im Hippie-Shirt: Charlotte Rampling) führen ihren Ehekrieg fort. Man kann mit amüsierter Nachsicht auf solche Figuren blicken. Die nervöse Handkamera, mit der Lars von Trier diese Hochzeitsgesellschaft studiert, erinnert jedoch eher an die dänische Dogma-Bewegung, die der Regisseur mitbegründete, das Sujet an Thomas Vinterbergs "Das Fest", in dem ebenfalls eine monströse Familie viviseziert wurde.

Justine jedenfalls sinkt Stunde für Stunde tiefer in ihre Depression. Schließlich benimmt sie sich so sehr daneben, dass sie am Ende ihrer Hochzeit ihre Existenz komplett vernichtet hat: Der Job ist weg und der frischgebackene Ehemann auch. Dass die Party unter einem bösen Stern stand, einem rotleuchtenden, den Justine mit einem Blick über die Schulter am Sternenhimmel erspäht, wusste man schließlich aus der Ouvertüre.

Auf diesen satirisch-realistischen ersten Teil, der mit "Justine" überschrieben ist, folgt ein zweiter unter dem Namen der anderen Schwester, "Claire". Sie ist die vernünftige der beiden, hat Mann und Kind, also viel zu verlieren. Sie päppelt Justine nach deren Zusammenbruch wieder auf. Im Angesicht des herannahenden Planeten verliert Claire jedoch zunehmend die Fassung, während Justine aufblüht, sich "sonnt" im Schein des Todessterns, nackt hingegossen an einem Fluss. In diesem Bild fallen Eros und Thanatos zusammen. Der Countdown zum Weltuntergang, der dieser zweite Teil ist, verläuft denn auch nicht linear, sondern als Totentanz - so haben Wissenschaftler die Bewegung der Planeten beschrieben.

Verbotenes Vergnügen

Dabei gibt es durchaus Elemente des Katastrophenfilms. Während dieser jedoch letztlich wenig Angst macht, weil immer ein Schlupfloch bleibt, durch das die Guten entkommen können, gibt es in "Melancholia" keinen Ausweg. Das bedeutet nicht, dass Schaulust keine Rolle spielte: Kirsten Dunst dabei zuzusehen, wie sie zu einer illusionslosen, trancehaften Sicherheit findet und im Schein der herannahenden Katastrophe badet, bereitet ein verbotenes Vergnügen. Und die Bilder des gigantischen Todesplaneten am Horizont gehören jetzt schon zu den unvergesslichen Momenten dieses Kinojahrzehnts.

Verblüffend ist, wie sie den Bildern in "Another Earth" von Mike Cahill ähneln, in dem eine zweite Erde in unserem Sonnensystem auftaucht; der Film wird im November in unseren Kinos anlaufen. Auch Terrence Malick hatte in "Tree of Life" das Schicksal der Menschen in einen kosmischen Zusammenhang gestellt. Womöglich lässt sich hieran die Sehnsucht unserer Zeit nach Bedeutung, Wucht und Authentizität erkennen. Für viele - eine Figur wie Justine etwa, vielleicht auch für ihren Schöpfer Lars von Trier - gehört dazu zwingend das Leiden.

Lars von Trier hat mit "Melancholia" aber nicht nur sein eigenes Leiden verarbeitet. Er trifft auch eine größere Stimmungslage. Gleich mehrere Katastrophenfilme kommen in diesem Herbst in unsere Kinos: Steven Soderberghs Virenthriller "Contagion" zum Beispiel und die private Spielart des Katastrophenfilms, das Krebsdrama, wie es unter anderem Andreas Dresens "Halt auf freier Strecke" darstellt.

Wenn man ein altes Presseheft zu "Flammendes Inferno" (1974), dem Katastrophenfilm-Klassiker über den Brand eines Hochhauses, noch einmal durchblättert, versteht man diese Endzeitstimmung besser: "Wie die Helden von ,Flammendes Inferno' empfinden heute offenbar viele Menschen", steht da. "Der Glaube an die unermessliche Ausbeutung der Natur und Energieressourcen, an die obligatorische Steigerung von Wohlstand und Gewinn hat sich praktisch in nichts aufgelöst. Wer glaubt heute schon noch daran, alle Träume realisieren zu können?"

© Alle Rechte vorbehalten Süddeutsche Zeitung. Zur Verfügung gestellt vom Süddeutsche Zeitung Archiv
26.09.2011
Keine Angst vorm Weltuntergang

Der Filmemacher Lars von Trier geizt nicht mit provokanten Aussagen, kann aber auch ein freundlicher, verrückter und amüsanter Gastgeber sein. Ein Besuch in Kopenhagen.

Von Verena Lueken

Der Panzer ist weg. Jahrelang stand er vor Lars von Triers Arbeitsbaracke ganz hinten auf dem Studiogelände der Zentropa in Kopenhagen. Das Gelände gehörte einmal dem Militär. Erst hatte die Armee den Panzer einfach dagelassen, als sie abzog, jetzt wollte sie ihn wiederhaben und hat ihn abgeholt. So fallen nun die Mirabellen von einem knarzigen alten Baum direkt auf den holprig asphaltierten Boden vor dem Eingang des Bungalows, in dem Lars von Trier arbeitet. Das Golfwägelchen, mit dem er übers Gelände fährt, parkt dort schon. Man kann hier Vögel hören, aber nicht das Meer.

Die Einladung zu einem Interview mit Lars von Trier kam unerwartet. Gerade hatte der dänische Regisseur erklärt, er werde keine Pressekonferenzen mehr abhalten, was angesichts der quälenden Peinlichkeiten, in die seine Auftritte vor der Presse regelmäßig ausarten, wahrscheinlich eine gute Idee ist. Im Mai hatte er in Cannes mit seiner pubertären „Ich bin ein Nazi“-Provokation für seinen Ausschluss vom Festival gesorgt, und nach dem Anschlag von Oslo, als sein Film „Dogville“ auf der langen Liste auftauchte, in welcher der Täter seine „Einflüsse“ aufzählte, hatte von Trier öffentlich bedauert, diesen Film gedreht zu haben. Nun wollte er nicht mehr vor der Presse sprechen. Und bat zum Interview. Was steckte dahinter?

„Wenn Sie etwas loswerden wollen, schießen Sie los“, sagte ich also. Aber von Trier wollte nichts loswerden. Er wollte sich unterhalten. Dazu ließ er sich in die weichen Kissen auf der grünen alten Couch in seinem dämmrigen Bungalow sinken, schaute grinsend durch die im Sonnenlicht flirrenden Staubpartikel herüber und verschränkte die Arme hinter dem Kopf. Das sei seine bevorzugte Interviewhaltung, hatte ich in einem langen Artikel eines schwedischen Kollegen, Kritikers und Freundes von Triers einmal gelesen, solange er jemandem gegenübersitze, dem er vertraue.

Warum sollte er mir vertrauen? Wir kennen uns nicht. Ich war seinen jüngsten Arbeiten, vor allem „Antichrist“, gegenüber kritisch gewesen, genervt von dem Machogetue, das sich seit „Breaking the Waves“ in seinen Filmen Bahn gebrochen hatte, bin misstrauisch, was sein Verhältnis zu Frauenfiguren und zu Frauen insgesamt angeht, spüre oft einen mir unangenehmen Zynismus in seinem Werk, verbunden mit einem Hang zum Bombastischen und zum Kitsch, und außerdem ein Spiel mit Künstlerposen, das mich nicht sonderlich interessiert. Auch gegenüber „Melancholia“, seinem aktuellen Film, der in Cannes Premiere hatte, hatte ich mich nach der Uraufführung zurückhaltend geäußert. Das schien von Trier aber entweder nicht zu stören, oder er wusste es gar nicht. Jedenfalls war er außerordentlich – nett.

Romantik, Proust, Walt Disney

„Sie haben offenbar keine Angst vor dem Weltuntergang“, sagte ich. „Schöner als in Ihrer Planetenkollision in ,Melancholia‘ ist die Erde im Kino nie zum Verschwinden gebracht worden.“ Von Trier guckt verdutzt. „Oh, Sie haben sich also nicht gefürchtet? Es gibt da natürlich nicht die Art des Horrors, wie er in ,Antichrist‘ vorkam, ,schön‘ ist vielleicht schon das richtige Wort, es passiert ja auch in Zeitlupe. Vielleicht ist es doch kein so guter Film. Oder ich bin ein Sensationalist. Wenn wir, weil die Welt verschwindet, alle gehen, ist es vielleicht nicht so schlimm. Das ist doch eigentlich romantisch, oder?“

Das ist ungefähr der Ton, in dem das Gespräch weitergeht. Mit weiten Abschweifungen in die deutsche Romantik (deren „Härte“ er schätzt, die er aber auch ein bisschen „wie Walt Disney“ findet, „the castle of Ludwig, you know“), zur Erziehung seiner Kinder (denen er gerade die Namen möglichst vieler Bäume beibringt), zur Musik, zu Proust. Das hat insofern miteinander zu tun, als von Trier, der immer wieder unter schweren Depressionen leidet, im Augenblick bester Stimmung ist und voller Energie, die es ihm erlaubt, endlich die „Recherche“ zu lesen. Er ist im neunten Band angelangt. Da spielt das A-Dur-Violinkonzert von César Franck eine Rolle, und als ich ihn frage, welche Musik er gerade hört, spielt er es mir vor.

„Eine Hommage an die weibliche Sexualität“

Ob wir das wohl in seinem nächsten Film, der „Nymphomaniac“ heißen wird, zu hören bekommen, vielleicht in einer filmischen Ouvertüre wie in „Antichrist“, als er zur quasipornographischen Eröffnung Händels Arie „Lascia ch’io pianga“ aus dem „Rinaldo“ spielen ließ? Oder wie in „Melancholia“, wo wir zum Weltuntergang die Ouvertüre von Wagners „Tristan und Isolde“ hören? „Sie drehen als Nächstes einen Porno, nicht wahr?“ – „Ja! Und diese Musik wird darin vorkommen.“

Lars von Trier, so scheint es an diesem Tag in Kopenhagen, hat kein Marketing-Ich. Er unterscheidet nicht, mit wem er spricht, und dass es jetzt angebracht wäre, im Gespräch bei „Melancholia“ zu bleiben, weil der in der nächsten Woche bei uns in die Kinos kommt, scheint ihn nicht zu interessieren. „Nymphomaniac“ interessiert ihn, Pornographie interessiert ihn, Hitlerdeutschland interessiert ihn obsessiv, wovon ich ihn immer wieder abbringe, Ausschweifungen, die er mit Genuss am Drastischen beschreibt. Doch im Gegensatz zu entsprechenden Bildern, Szenen, Sätzen in seinen Filmen hat seine obszöne Rede darüber nichts Aggressives, Verletzendes an sich. „Es wird eine Collage“, erzählt er über sein neues Filmprojekt, „die Geschichte der weiblichen Sexualität am Beispiel einer sexsüchtigen Frau, von null bis sechzig Jahren. Ich habe zur Recherche alle Frauen getroffen, die ich kenne oder einmal kannte, als ich jung war und viel rumgemacht habe. Oh, das war ein solcher Spaß! Jetzt, in ihren Fünfzigern oder Sechzigern, fangen sie an zu reden. Bis ich sage: Stopp! Mehr brauche ich nicht.“ An dieser Stelle lacht er sich halb tot. „Es ist phantastisch. Der Film wird eine Hommage an die weibliche Sexualität.“

Die Sonne scheint, die Stimmung ist ausgelassen

„Hommage?“ Jetzt muss auch ich lachen. „Das wäre eine Überraschung.“ Aber von Trier meint es ganz ernst. Er sagt dann noch, er habe nie versucht, sich zu überlegen, was eine Frau in einer bestimmten Situation wohl fühlen, tun oder sagen würde. Er versetze sich vielmehr selbst in ihre Lage. „So werden meine Frauen glaubwürdiger. Weil sie eine Person in sich haben.“ – „Little Lars?“, frage ich. „Ja, little Lars! Aber nicht unbedingt seine weibliche Seite.“ Jetzt prusten wir gemeinsam los.

Später lädt er mich noch zum Essen in der berühmten Kantine von Zentropa ein. Mittags wird dort ein Büfett für alle Mitarbeiter aufgebaut, mit Hering und hartgekochten Eiern, Schwarzbrot, Salat und viel Fleisch. An der Rückwand des riesigen Raums hängen über einem Schlagzeug Trophäen – Urkunden, Preise, aber auch der prothetische Torso mit blutiger Vagina, in die man von unten hereinschauen kann, den Charlotte Gainsbourg im „Antichrist“ benutzte, als sie sich verstümmelte, dazu ein abgeschlagener Kopf aus einem anderen Film, die Zwergin im Glas aus „The Kingdom“ und ein großer toter Fisch. Die Sonne scheint, die Stimmung ist ausgelassen, und das Gespräch dreht sich weiter über die Probleme und den Spaß beim Verfertigen von Pornoszenen.

Später fragte ich mich, ob ich einer Charade aufsaß oder manipuliert wurde in dem Sinn, Lars von Trier nun für einen freundlichen Menschen und seine Filme deshalb für weniger skandalös zu halten. Aber ich glaube nicht. An jenem Tag saß mir ein Künstler gegenüber, der in vollem Ernst wirre Dinge erzählte, sich bestens amüsierte, mich zum Lachen brachte und außerordentlich liebenswert daherkam. Der nichts verkaufen wollte, mir keine vorgestanzten Sätze anbot und mich nicht hinters Licht führte. Und der damit, so scheint es im Rückblick, zu sagen schien: Schließen Sie nicht vom Künstler aufs Werk.

© Alle Rechte vorbehalten Frankfurter Allgemeine Zeitung. Zur Verfügung gestellt vom Frankfurter Allgemeine Zeitung Archiv
Video Essay: Melancholia – Depression on Film
Evan Puschak / Nerdwriter
en / 05.04.2016 / 7‘23‘‘

Video Essay: Lars von Trier – Deconstructing Cinema
Lewis Bond / Channel Criswell
en / 22.07.2016 / 14‘45‘‘

Video Essay: Lars von Trier – Making you uncomfortable
/ ScreenPrism
en / 07.11.2017 / 14‘27‘‘

Interview with actors Alexander Skarsgard, Kiefer Sutherland
David Poland / DP/30: The Oral History of Hollywood
en / 28.09.2011 / 21‘07‘‘

Filmdateno

Genre
Drama, Science Fiction
Länge
136 Min.
Originalsprache
Englisch
Bewertungen
cccccccccc
Øk.A.
IMDb
k.A.

Cast & Crewo

Kirsten DunstJustine
Charlotte GainsbourgClaire
Kiefer SutherlandJohn
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Nerdwriter, en , 7‘23‘‘
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Interview with actors Alexander Skarsgard, Kiefer Sutherland
DP/30: The Oral History of Hollywood, en , 21‘07‘‘
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gGeschrieben
Besprechung rogerebert.com
Roger Ebert
s
Besprechung Süddeutsche Zeitung
Martina Knoben
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Porträt: Lars von Trier
Frankfurter Allgemeine Zeitung / Verena Lueken
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