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The Square

Ruben Östlund, Schweden, 2017o

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Christian, geschiedener Vater zweier Kinder und angesehener Kurator eines Stockholmer Kunstmuseums, fährt einen Tesla und unterstützt humanitäre Organisationen. Seine nächste Ausstellung, die Rauminstallation «The Square», soll das schwindende Vertrauen in die Gemeinschaft vor Augen führen. Doch als ihm sein Handy abhanden kommt und die PR -Kampagne für die Ausstellung zu einer Kontroverse führt, geraten er und sein Kunstbetrieb zunehmend ins Schleudern.

In Ruben Östlunds Satire, diesjähriger Gewinner der Goldenen Palme in Cannes, gerät das Luxusleben eines Kurators für zeitgenössische Kunst (Claes Bang) aus der Bahn. Toller, extrem zynischer Film über die Angst, durch Kunst nur soziale und animalische Kräfte zu beherrschen, die jederzeit ausbrechen und einem an die Gurgel springen können. Außerdem spielt Elisabeth Moss mit, wie immer brillant.

Philipp Stadelmaier

Dass eine Komödie 2017 die Goldene Palme gewonnen hat, ist bemerkenswert genug. Dass sie von Ruben Östlund («Turist») kommt, dem Wohlstandszertrümmerer und Fallensteller im Reich der westlichen Selbstzufriedenheit, ist Grund für ein Fest. Auch wenn dieser Film sehr episodisch daherkommt und zum Plakativen neigt: Unterwegs spiesst er alles auf -- Virilität, Kunstjargon, moralische Heuchelei und unsere äusserst notdürftig zivilisierte Primitivität. Dafür gabs eine Oscarnomination als bester fremdsprachiger Film.

Pascal Blum

Cette nouvelle fable réjouissante vise ainsi la cible favorite de cet auteur scandinave émule de Buñuel : la bourgeoisie (dont il est issu) et à travers elle, bien sûr, les ambiguïtés du fameux "modèle suédois". Sauf qu'elle le fait d'une manière plus ample qu'auparavant. Ici, Ruben Östlund repousse en effet les limites de la performance artistique... comme celles de la morale. C'est dire si "The Square" est percutant (...).

Alain Masson
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fourbythreemagazine.com, 24.07.2018

Von Christine Jakobson

© Alle Rechte vorbehalten fourbythreemagazine.com. Zur Verfügung gestellt vom fourbythreemagazine.com Archiv
Neue Zürcher Zeitung, 24.10.2017

Von Björn Hayer

© Alle Rechte vorbehalten Neue Zürcher Zeitung. Zur Verfügung gestellt vom Neue Zürcher Zeitung Archiv
20.10.2017
Haut den Affen, schlagt die Kunst!

Ruben Östlunds „The Square“, der in Cannes gewann, ist eine Kino-Pointe ohne Witz. Man fragt sich, was die Jury geritten hat, als sie diesem Film die Goldene Palme verlieh.

Von Andreas Kilb

Eine Festivaljury ist kein Haager Menschenrechtstribunal. Sie muss nicht über die Werte der Staatengemeinschaft befinden, sondern kann sich bei der Preisvergabe ihren persönlichen Vorlieben, Abneigungen und Stimmungen überlassen, all dem, was das Wort „Geschmack“ notdürftig bemäntelt. Wenn man aber „The Square“ von Ruben Östlund sieht, fragt man sich doch, was die Jury von Cannes geritten hat, als sie diesem Film im Mai die Goldene Palme verlieh.

„The Square“ beginnt mit einem Fernsehinterview. Die Reporterin fragt den Kurator eines Museums in Stockholm, worum es bei einem Podiumsgespräch über „die Konstruktion von Öffentlichkeit im Geist von Smithsons site/nonsite“ gegangen sei, und er antwortet, der Abend habe sich um die Frage gedreht, ob ein Gegenstand, zum Beispiel die Handtasche der Interviewerin, automatisch zum Kunstwerk werde, sobald ein Museum ihn ausstelle. In der folgenden Einstellung wird ein Reiterdenkmal auf dem Vorplatz des Museums abgebaut und an seiner Stelle ein mit Leuchtröhren markiertes Quadrat in den Boden gefräst. Und in der übernächsten Szene läuft Christian (Claes Bang), der Kurator, auf dem Weg ins Büro einem Trickbetrüger-Trio in die Arme, das ihm im Verlauf eines kunstvoll arrangierten Handgemenges seine Brieftasche, Handy und Manschettenknöpfe klaut. Jetzt hat der Museumsmann, der mit der Leuchtröhren-Installation sein Prestige mehren will, neben einem professionellen auch ein privates Schicksal. Beides könnte man, wie es Robert Altman in „The Player“ am Beispiel Hollywoods getan hat, zu einer wahren Geschichte der heutigen Kunstszene und ihrer Phänotypen verstricken, beißend, witzig und kalt.

Man könnte. Aber Ruben Östlund, der Regisseur dieses Films, will nicht. Denn Östlund hat viel zu viele gut ausgedachte Szenen im Kopf, die er in seiner Geschichte unterbringen will, ob sie zu ihr passen oder nicht. Eine handelt von einem halbnackten Muskelmann (Terry Notary), der die Gäste eines Sponsorendinners mit einer Gorilla-Performance quält. Erst streift er kreischend um die festlich gedeckten Tische, dann greift er prüfend in den Schopf eines Smokingträgers, und schließlich reißt er eine Dame im Abendkleid zu Boden und fällt über sie her. Da kommt Bewegung in die Honoratioren, und sie beginnen, den Affenmenschen mit Fäusten zu traktieren, erst einer, dann viele, bis ihre verzerrten Gesichter das gesamte Kinobild füllen.

Eine andere Szene zeigt ein öffentliches Künstlergespräch, das durch einen Zuhörer mit Tourette-Syndrom gestört wird. Der Künstler, ein Amerikaner (Dominic West aus der Amazon-Serie „The Affair“) will sein Konzept erklären, doch der Tourette-Mann lässt ihn nicht zu Wort kommen, er beschimpft die Moderatorin, das Publikum, die Kunst. Die Szene hört irgendwann einfach auf, und auch den Amerikaner verliert der Film bald aus dem Blick, aber Östlund erreicht dennoch seinen Zweck – er lenkt mit hohem inszenatorischem Aufwand von der Tatsache ab, dass er sich für nichts von dem, was er zeigt, wirklich interessiert. Es ist, als würde man eine zweistündige Folge von Teasern zu einem Spielfilm sehen, der sich auf dem Weg vom Schneidetisch zur Leinwand verflüchtigt hat.

In diesem Reigen gehen jene Augenblicke unter, in denen „The Square“ zu so etwas wie einer Erzählung ansetzt. Der Museumskurator macht mit Hilfe einer Tracking-App den Standort seines gestohlenen Smartphones ausfindig. Er verfasst einen anonymen Drohbrief und wirft ihn in jeden einzelnen Türbriefkasten des Vorstadthochhauses, zu den ihn die App geführt hat. So bekommt Christian zwar seine Sachen zurück, doch zugleich Ärger an den Hals, denn ein ausländisch aussehender Junge aus dem Haus spürt ihn auf und verlangt, dass der Kurator sich bei seinen Eltern entschuldigt. Aber auch diesen Konflikt behandelt der Film wie eine beliebige Pointe, aus der nichts folgt. Christian stößt den Jungen eine Treppe hinunter, und das Opfer verschwindet aus der Geschichte, ebenso wie die Reporterin (Elisabeth Moss), mit der unser Held einen One-Night-Stand hat, bei dem sogar ein echter Affe zuschaut (oder fast). Als er sie nicht zurückruft, stellt sie ihn im Museum zur Rede. Im Hintergrund klappert eine sehr authentisch wirkende Installation aus geschichteten Stühlen. Eine Wärterin hört mit. Der Beziehungsknatsch ist beinahe kurzweilig. Aber „The Square“ dauert fast zweieinhalb Stunden.

Der Film, anders gesagt, ist selbst der Poseur, der Trickster, den er entlarven will. Auf eine Museumskultur, die ihre Mechanismen mit sprachlichen Versatzstücken tarnt, antwortet er mit Versatzstücken von Handlung. Weil er aber mit dem Kino nicht Ernst macht, trifft auch der Pfeil nicht, den er auf den Kunstbetrieb abschießt. Der Kurator muss am Ende gehen, weil er aus Zerstreutheit einen Werbeclip abgenickt hat, in dem ein kleines Mädchen zwischen den Leuchtstäben der neuen Installation in die Luft gesprengt wird. Aber Christians Untergang bringt Ruben Östlunds Film nicht aus der Fassung, weil er sich auf seine Hauptfigur nie wirklich eingelassen hat. Die Jury von Cannes hat „The Square“ ausgezeichnet, weil sie es genoss, ihre Vorurteile über zeitgenössische Kunst im Kino bestätigt zu bekommen. So wie wir alle. Und sie stimmen ja auch. Aber nicht so.

© Alle Rechte vorbehalten Frankfurter Allgemeine Zeitung. Zur Verfügung gestellt vom Frankfurter Allgemeine Zeitung Archiv
Le Figaro, 07.07.2017

Von Marie-Noëlle Tranchant

© Alle Rechte vorbehalten Le Figaro. Zur Verfügung gestellt vom Le Figaro Archiv
Video Essay: The Origins of Ruben Östlund’s Long-Take Style
Mathias Korsgaard / 16:9 Film Journal
en / 13.11.2017 / 11‘42‘‘

Meeting Ruben Östlund
Simon Philippe / Gump
en / 13.11.2017 / 42‘23‘‘

Anatomy of a Scene
Ruben Östlund / The New York Times
en / 13.11.2017 / 2‘50‘‘

Audience Reactions from Cannes
N.N. / MovieZine
en / 13.11.2017 / 3‘30‘‘

Interview with Ruben Östlund
/ Cinemien
en / 30.10.2017 / 8‘44‘‘

Filmdateno

Genre
Drama, Komödie
Länge
151 Min.
Originalsprachen
Schwedisch, Englisch
Bewertungen
cccccccccc
Øk.A.
IMDb
k.A.

Cast & Crewo

Claes BangChristian
Elisabeth MossAnne
Dominic WestJulian
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Bonuso

iGefilmt
Video Essay: The Origins of Ruben Östlund’s Long-Take Style
16:9 Film Journal, en , 11‘42‘‘
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Meeting Ruben Östlund
Gump, en , 42‘23‘‘
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Anatomy of a Scene
The New York Times, en , 2‘50‘‘
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Audience Reactions from Cannes
MovieZine, en , 3‘30‘‘
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Interview with Ruben Östlund
Cinemien, en , 8‘44‘‘
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gGeschrieben
Essay: The Art of Being Human
fourbythreemagazine.com / Christine Jakobson
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Besprechung Neue Zürcher Zeitung
Björn Hayer
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Besprechung Frankfurter Allgemeine Zeitung
Andreas Kilb
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Besprechung Le Figaro
Marie-Noëlle Tranchant
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