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Il était une forêt

Luc Jacquet, Frankreich, 2013o

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"Das Geheimnis der Bäume" taucht in die Tiefen des tropischen Dschungels ein und erzählt die beeindruckende Evolutionsgeschichte des Urwaldes an Schauplätzen in Peru, Gabun und Frankreich. Vor der Kamera agiert der Botaniker und Ökologe Francis Hallé, der als Koryphäe auf dem Gebiet der Biologie viele Jahre das Zusammenwirken von Pflanzen und Tieren studierte.

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Andreas Furler

Es war einmal der Wald, der in 700 Jahren regeneriert, was Menschen in Stunden abholzen. Nach der beschwerlichen Reise der antarktischen Kaiser-Pinguine rollt Oscar-Gewinner Luc Jacquet nun die Evolutionsgeschichte des Regenwaldes auf, das Werden und Vergehen von Flora und Fauna, in Zeitraffer und Zeitlupe, in Makro-Aufnahmen, Flugtotalen und knospenden Animationen, die den Wuchs von Lianen oder Passionsblumen visualisieren. Eine Ode an die Natur, die zwischen Bewunderung und Trauer bisweilen einen Hang zu Pathos und Esoterik entwickelt.

Anke Sterneborg

Luc Jacquet, ein hervorragender Regisseur des Natürlichen, hat uns vor ein paar Jahren ja schon die Pinguine menschlich nähergebracht. Auch hier menschelt es, von «Magie» ist bald die Rede, und die Beseelung des Baums durch Realaufnahmen und Animationen ist etwas aufdringlich. Aber andererseits: «Wunder» scheint kein zu grosses Wort zu sein für die faszinierende Logik eines Ökosystems. Ausserdem lernt man viel. Im Übrigen spricht in der deutschen Fassung des Films Bruno Ganz Hallés Kommentare: ein verführerischer Bonus.

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"Il était une forêt" a l'ampleur des géants qu'il met en scène : impressionnant, foisonnant, mais aussi maîtrisé et cohérent.

Mathilde Blottière

Galerieo

The Hollywood Reporter, 05.11.2013

Von Jordan Mintzer

© Alle Rechte vorbehalten The Hollywood Reporter. Zur Verfügung gestellt vom The Hollywood Reporter Archiv
Neue Zürcher Zeitung, 08.01.2014
Unter dem Zauberbann des Regenwalds

Nicht weniger als vier Filme sind es, die zurzeit in unsern Kinos laufen oder demnächst anlaufen, die die eindrückliche französische Dominanz auf dem Feld des Naturfilms belegen. «Il était une forêt» von Luc Jacquet und «Amazonia» von Thierry Ragobert stehen auch für die kinematografische Artenvielfalt.

Von Christoph Egger

Im Bereich der naturkundlichen filmischen Dokumentation ist es fraglos die Produktion der Natural History Unit der BBC, die weltweit die Standards setzt. Deren Schritte in den Kinosaal hingegen, der eine Erzähldramaturgie in Richtung Fiktion nahelegt, wollten – trotz grossem Publikumszuspruch – künstlerisch nie recht überzeugen. Dass die Vermittlung von Naturgeschichte(n) im Kino eigene Erzählformen verlangt, erkannten schon Pioniere wie E. B. Schoedsack oder W. S. Van Dyke. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren es neben dem überragenden Arne Sucksdorff vor allem Franzosen, die hier neue Wege erprobten. Zentrale Figur wurde in jüngerer Zeit Jacques Perrin, zumal als Produzent der «Peuple»-Filme («Le peuple singe», «Microcosmos – Le peuple de l'herbe», «Le peuple migrateur»), aber auch ein Jean-Jacques Annaud hat mit «L'ours» und «Deux frères» (über zwei Tigergeschwister) dem Tierfilm neue Ausdrucksmöglichkeiten erschlossen.

«Das Geheimnis der Bäume»

Nicht weniger als vier Filme sind es, die zurzeit in unsern Kinos laufen oder demnächst anlaufen, die die eindrückliche französische Dominanz auf diesem Feld belegen. In «Belle et Sébastien» (im Kino seit Dezember) legt Nicolas Vanier, bisher hervorgetreten als Sänger des «Grand Nord» ein wenig in der Tradition eines Jack London, naheliegenderweise den Schwerpunkt auf die Geschichte von Cécile Aubrys Kinderbuch. Zwar bleibt die Darstellung von Résistance gegen «brutale» deutsche Okkupation «kindergerecht», doch die in Naturschutzgebieten im französisch-schweizerischen Grenzland des Montblanc-Massivs entstandenen Tieraufnahmen verraten den erfahrenen Naturfilmer. In unmittelbarer Nachbarschaft davon, in etwas tiefer gelegenen Regionen, wurde «Minuscule – La vallée des fourmis perdues» (im Kino voraussichtlich ab 30. Januar) von Hélène Giraud und Thomas Szabo gedreht. Hier nun finden wir ein radikales Nebeneinander von Naturlandschaften als Rahmenelement und animierter (und mit den beliebten gängigen französischen Comic-Geräuschen unterlegter) Haupthandlung mit ihren völlig artifiziellen Käfern, bösen und guten Ameisen.

Ähnliches, künstlerisch freilich subtiler gestaltet, unternimmt Luc Jacquet in «Il était une forêt» (der bei uns nur in einer deutschsprachigen Version zu sehen ist, in der Bruno Ganz «Das Geheimnis der Bäume» erzählt). Wohl ist der Star des Films ein Baum, ein Moabibaum, wie er hier im Urwald von Gabon steht, und ebenso wird die Ökologie der Bäume wiederholt zum Thema. Dennoch liegt der Hauptakzent auf dem Wald als Ganzes, und zwar auf dem «Es war einmal». Einerseits bezieht es sich auf die fortdauernde Elimination des Primärwalds; und was Primärwald im Fall der tropischen Regenwälder heisst, das wird in beeindruckenden Aufnahmen aus Nationalparks in Westafrika und Peru anschaulich. Hoch über dem Boden sitzt der Botaniker Francis Hallé zeichnend in der Verzweigung des mächtigen Stamms in riesige Astkonstruktionen; zuletzt wird er auf dem blütenbestickten Dach dieser Kathedrale aus lebender Materie stehen und über das Blättermeer blicken. «Es war einmal» – das meint aber auch das Märchenhafte, das unvermittelt in den Bildern zu keimen und zu spriessen beginnt, bis es sie als digitaler floraler Impuls fast überwuchert – in Ergänzung zu und im Wettstreit mit Hallés rastlosem Zeichenstift die Lebenskreisläufe im Wald illustrierend. Nach konventionelleren Versuchen in «La marche de l'empereur» (2005) und «Le renard et l'enfant» (2007) hat Luc Jacquet hier eine ergiebige neue und überraschend verspielte Erzählform für naturkundliche Gegenstände gefunden.

Ausser dass Thierry Ragoberts «Amazonia» in 3-D gedreht wurde, ist er der formal schlichteste und unprätentiöseste der vier Titel – und jedenfalls der bezauberndste. Sprache, Dialog ist hier völlig entbehrlich. Es ist etwas genuin Kreatürliches, das uns in Gestalt eines verängstigten Kapuzineräffchens begegnet, das da, wohl ein Zirkustier, mit einem Kleinflugzeug ins Innere Brasiliens geflogen werden soll, bis ein Gewitter zum Absturz des Flugzeugs führt, den das Tierchen überlebt – und mit ihm der Pilot (wir sind in einem Kinderfilm), der das Äffchen aber in seinem Käfig zurücklässt.

Berührendes Plädoyer

Es ist eine Erzählung von Furcht und Zittern und ebenso eine von langsam aufkeimender Zuversicht und wachsendem Selbstvertrauen bis hin zu zaghafter Lebensfreude. Wunderbar, wie das Tierchen von neugierigen Nasenbären aus seinem Verschlag befreit wird, psychologisch stimmig, wie es bei Gefahr ins Flugzeugwrack zurückkehrt. Betörend die endlose nächtliche Flussfahrt durch einen Dschungel voller unvertrauter Lebewesen – unweigerlich denken wir an die magisch verzauberte Fahrt der Kinder in ihrem Nachen durch eine Nacht voller seltsamen Getiers in Charles Laughtons meisterlichem «The Night of the Hunter». Schlechthin entzückend schliesslich, wie es ganz allmählich Kontakt und Anschluss bei Artgenossen findet, die das Überleben in der Wildnis ermöglichen werden. Und so ist «Amazonia» das berührendste Plädoyer für die Erhaltung des Regenwalds, das wir kennen.

© Alle Rechte vorbehalten Neue Zürcher Zeitung. Zur Verfügung gestellt vom Neue Zürcher Zeitung Archiv
epd Film, 26.12.2013
Das Geheimnis der Bäume

Der französische Regisseur Luc Jacquet (Die Reise der Pinguine) geht mit dem Biologen Francis Hallé in den tropischen Urwald, um sich und uns dessen Schönheiten und komplexe Ökologie nahebringen zu lassen.

Von Silvia Hallensleben

Siebenhundert Jahre braucht es, bis aus einem Stück Brachland wieder ein Urwald wird. So berichtet es der emeritierte französische Biologieprofessor Francis Hallé in diesem Film. Und er muss es wissen. Hallé ist Spezialist für tropische Regenwälder und hat sie sein Leben lang am Boden und aus der Luft erforscht. Er ist auch ein talentierter Zeichner der Waldflora. Und unser Reiseführer in diesem in Frankreich produzierten und in Gabun und Peru gedrehten Naturfilm, der die Entwicklung von den ersten Keimlingen bis zur ausgereiften tropischen Primärwaldgesellschaft als imaginäre Zeitreise durchspielt.

Regisseur des Film ist Luc Jacquet, der seine filmische Laufbahn dem Verhältnis von Natur und Menschen widmete und 2006 für DIE REISE DER PINGUINE den Dokumentarfilm-Oscar erhielt. Er handelte sich dafür aber auch – wie für den Spielfilmnachfolger DER FUCHS UND DAS MÄDCHEN (2007) – den Vorwurf vermenschelnder Sentimentalität ein. Nun feiert Jacquet mit Leidenschaft die Schönheit und die Wunder einer Landschaft, die mehr als je von menschlichem Raubbau bedroht ist. Dabei gibt es auch im Dschungel selbstverständlich die im Naturfilm mittlerweile zum Standard gehörenden beeindruckenden Vogelschautotalen und Makroeinblicke, Zeitraffer- und Zeitlupensequenzen, hier ergänzt durch ins Filmbild gezeichnete Animationen, die wie im Lehrfilm biologische oder ökologische Prozesse verdeutlichen und illustrieren. Dazu das – wohl unvermeidliche – genreübliche musikalische Großfeuer.

»Überall, wo ein bisschen Licht ist, ist ein Blatt da, das es einfängt. Und überall, wo ein Blatt ist, ist jemand, der es haben will«, beschreibt Hallé den Überlebenskampf im Dschungel in schlichter Sprache, wobei er gerne auch selbst im blauen Drillich zwischen den Baumriesen herumstapft oder sich tarzanmäßig aus einem Wipfel abseilt. Es ist diese persönliche Ansprache (statt des üblichen anonymen Kommentars) durch den knorrigen Wissenschaftler, die diesen Film von ähnlich gelagerten wie zuletzt DAS GRÜNE WUNDER – UNSER WALD unterscheidet. Auch die leicht knarzige schweizerdeutsche Synchronstimme von Bruno Ganz passt gut zu diesem Protagonisten.

Wer sich nicht gut im Dschungel und der Botanik auskennt, kann hier einiges über das Leben der fest verstandorteten Waldbewohner und ihrer Nachbarn (wie die Würgefeige oder die Lianen) lernen, die sich wie wir Menschen auch untereinander verständigen, berauben und bekämpfen. Das ist aufschlussreich und spannend, dennoch kommen die naturwissenschaftlichen Details und Zusammenhänge gerade bei manchen für Laien wundersamen Geschehnissen so dürftig weg, dass doch eher ein Gefühl von Verblüffung im esoterischen Märchenwald statt Erkenntnis zurückbleibt. Man müsste nachforschen, wie viel solcher Verkürzungen einer Verschlimmbesserung durch die Übersetzung zu verantworten ist. Die Veränderung des Originaltitels IL ÉTAIT UNE FORÊT in das deutsche Das Geheimnis der Bäume lässt das jedenfalls gut möglich scheinen – und erleichtert Verwechslungen. Denn es gibt auch einen gleichnamigen halbstündigen sogenannten »Full-Dome«-Film für Kinder aus dem Jahr 2012. Der heißt im englischen Original THE LIFE OF TREES.

© Alle Rechte vorbehalten epd Film. Zur Verfügung gestellt vom epd Film Archiv
filmgazette, 02.01.2014

Von Wolfgang Nierlin

© Alle Rechte vorbehalten filmgazette. Zur Verfügung gestellt vom filmgazette Archiv
Ausschnitt: "Das Blumenwunder" (1926)
norddeutsche sinfonietta / norddeutsche sinfonietta
de / 25.02.2013 / 1‘05‘‘

TV Series: "The Private Life of Plants" (6 Episodes)
David Attenborough / BBC
en / 10.01.1995 / 48‘53‘‘

Filmdateno

Synchrontitel
Das Geheimnis der Bäume DE
Once Upon a Forest EN
Genre
Dokumentarfilm
Länge
78 Min.
Originalsprache
Französisch
Bewertungen
cccccccccc
Øk.A.
IMDb
k.A.

Cast & Crewo

Francis HalléFrancis Hallé
Michel PapineschiNarrator
Luc JacquetRegie
MEHR>

Bonuso

iGefilmt
Ausschnitt: "Das Blumenwunder" (1926)
norddeutsche sinfonietta, de , 1‘05‘‘
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TV Series: "The Private Life of Plants" (6 Episodes)
BBC, en , 48‘53‘‘
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gGeschrieben
Besprechung The Hollywood Reporter
Jordan Mintzer
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Besprechung Neue Zürcher Zeitung
Christoph Egger
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Besprechung epd Film
Silvia Hallensleben
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Wolfgang Nierlin
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