Überspringen
e

Lenny Abrahamson, Irland, Kanada, 2015o

s
vzurück

Der fünfjährige Jack kennt die Welt nur aus dem Fernsehen. Seine Mutter hat ihn in dem winzigen Schuppen geboren, in dem sie seit sieben Jahren von einem Psychopathen gefangen gehalten und missbraucht wird. Nachdem ihnen die Flucht gelungen ist, müssen Mutter und Sohn lernen, sich zurechtzufinden, denn draussen wartet auf sie etwas ebenso Unbekanntes wie Furchteinflößendes: die reale Welt.

Eine amerikanische Natascha Kampusch und ihr kleiner Sohn, die sechs Jahre im Kerker eines Psychopathen gelebt haben und endlich die Freiheit erlangen: Wie bei manchen grossen Filmen – aktuell etwa Shoplifters – ist die Ausgangssituation von Room einfach, doch was sich darin ergibt, was daraus folgt, ist so vielschichtig wie verzwickt. Wir lernen mit den Augen eines Kindes zu schauen, das die Welt nur vom Fernsehen kennt. Wir erleben die Fürsorglichkeit und Klugheit seiner Mutter, die einen Kokon relativen Glücks um dieses Kind gebaut hat. Und wir erfahren mit dem Protagonistenpaar überwältigend die Befreiung und gleichzeitige Beklemmung, wenn die Welt in ihrer geballten physischen Präsenz plötzlich wiederkehrt und den Kokon sprengt. Room handelt von menschlichen Urerfahrungen. Der irische Regisseur Lenny Abrahamson, seine Vorlagen- und Drehbuchautorin Emma Donoghue und ihre beiden Co-Genies vor der Kamera treffen mit traumwandlerischer Sichereit jeden Ton. Grosses Kino auf engstem Raum.

Andreas Furler

«Room» beruht auf einem Roman, der angelehnt ist an den Fall Fritzl. Trotzdem ist der Film, dessen Geschehnisse wir aus der Perspektive von Jack erleben, kein deprimierendes Entführungsdrama, sondern eine zurückhaltend erzählte und aufwühlende Geschichte über die Liebe zwischen Mutter und Kind. Die beiden Hauptdarsteller sind hervorragend.

Denise Bucher

Eine junge Frau und ihr fünfjähriger Sohn, gefangen in einer schäbigen Hütte. Der Junge hat nie ewas etwas anderes gesehen als diese vier Wände, sie sind seine ganze Welt. Wie eine kindlich-märchenhaften Phantasie ein Verbrechen a la Kampusch oder Fritzl erklären würde? Emma Donoghue (Roman und Drehbuch) und Lenny Abrahamson (Regie) machen sich einen überzeugenden Reim darauf - und Brie Larson hat einen Oscar dafür gewonnen, wie sie vom Opfer zur Übermutter wird.

Tobias Kniebe

On court bien des dangers à exécuter des gestes virtuoses pour dire ou mettre en scène la souffrance la plus abjecte. Mais (...) le film de Lenny Abrahamson ne s'écarte jamais de la perspective humaine de ses deux personnages principaux. Pour y parvenir, il fallait choisir très justement les interprètes.

Thomas Sotinel

Galerieo

06.03.2016

Von Michael Ranze

© Alle Rechte vorbehalten Filmbulletin. Zur Verfügung gestellt von Filmbulletin Archiv
15.03.2016
Jacks Welt ist neun Quadratmeter groß

Wie erklärt sich ein Kind ein Verbrechen à la Kampusch oder Fritzl? Davon erzählt der Film "Raum", in dem eine Mutter und ihr Sohn ihr Leben in einem einzigen Zimmer gestalten.

Von Tobias Kniebe

Ein fahlblaues Stück Morgenhimmel, klein und quadratisch. Wo Schmutz und Schimmel es nicht verdunkeln, leuchtet es über Jacks Kopf. Das ist Dachfenster. "Guten Morgen, Dachfenster!", sagt Jack.

Er betrachtet die Dämmplatten an der Decke. Er betrachtet die Sperrholzwand neben dem Bett, wo seine Bilder hängen. Er streicht über die Nachttischlampe, über das Veilchen im Topf, das nicht mehr blühen will, wahrscheinlich, weil es müde ist. Er schaut unter das Bett und begrüßt die Schlange aus bunt verzierten Eierschalen, die dort wohnt. Dies ist ein besonderer Tag. "Guten Morgen, Lampe, guten Morgen, Pflanze, guten Morgen, Eierschlange!", ruft Jack. "Ich bin jetzt fünf!"

Schon unter diesen ersten Bildern liegt eine furchtbare Gewissheit. Jack und seine Mutter Joy, die ihn jetzt verschlafen und voller Liebe betrachtet, sind eingesperrt. Durch Umstände, die man noch nicht kennt, ist diese junge Frau in einer schäbigen Hütte gefangen, in der vor fünf Jahren auch ihr Sohn geboren wurde, der nie etwas anderes gesehen hat als diese vier Wände und die wenigen Dinge, die es darin gibt. Für Jack ist diese Hütte seine ganze Welt.

"Früher, bevor ich kam, hast du geweint"

Wie würde eine kindliche Fantasie, genährt von den Erzählungen einer Mutter, die das Furchtbarste von ihrem Sohn fernhalten will, aus solchen Umständen ein Weltbild formen? Das fragte sich die irisch-kanadische Schriftstellerin Emma Donoghue in ihrem Roman "Room" (deutsch: "Raum", Piper 2011). Jack ist ihr alleiniger Erzähler, und sie schenkt ihm eine simple Akzeptanz des Gegebenen. Seine Erklärungen für alles, was ihn umgibt, sind von herzzerreißender Plausibilität.

Und so klingt es jetzt auch im gleichnamigen Film, wenn Jack das, was seine Ma ihn gelehrt hat, als aufregendes Abenteuer wiedererzählt: "Früher, bevor ich kam, hast du geweint und geweint und den ganzen Tag ferngesehen, bis du ein Zombie warst. Aber dann bin ich von Himmel herabgesaust, durch Dachfenster, hinein in Raum. Und ich habe dich von innen getreten und dann bin ich herausgeschossen auf Teppich, und meine Augen waren weit offen, und du hast die Schnur geschnitten und gesagt ,Hallo Jack'."

Allein die Szenen, in denen Jack seinen fünften Geburtstag erlebt, errichten nun ein Monument für den Heroismus seiner Mutter: Ein echter, selbstgebackener Geburtstagskuchen, wenn auch - nicht traurig sein, Schatz - ohne Kerzen; Toben, Sport, gemeinsame Dehnübungen auf neun Quadratmetern; Fernsehen, aber nur wenig; dafür Basteln mit Eierschalen und aufgebrauchten Toilettenrollen; und Schmerzen wie die von Böser Zahn - halb so schlimm, wenn wir einfach nicht daran denken.

Das Szenario von Gefangenschaft und Gewalt, in dem sich Jack und seine Ma befinden, darf nur langsam Konturen annehmen. Weil hier zunächst eine Mutter gefeiert wird, die das Grauen vollständig absorbieren kann, die in jeder Sekunde für ihren Sohn da ist; die keinerlei Legoburgen und "Star Wars"-Flottillen braucht, um den wertvollsten aller Schätze zu hüten und zu nähren: die kindliche Fantasie; und die sich mit unvorstellbarer Willenskraft über alle äußeren Umstände erhebt.

Stellt euch mal nicht so an, Mütter!

Im Englischen gibt es für das Offensichtliche, an dem alle gern vorbeischauen, den Ausdruck des "elephant in the room". Auch in "Raum", so eng es hier sonst sein mag, steht so ein Elefant: das Mutterbild. Haben europäische Reformpädagogen an diesem Drehbuch mitgeschrieben, Antikapitalisten des Kinderzimmers, vielleicht sogar im Verbund mit amerikanischen Fanatikern, die mittellosen Alleinerziehenden gern noch die letzte Sozialhilfe und Krankenversicherung streichen würden?

Selbstverständlich nicht. Aber jede Inspirationsfigur stellt auch Forderungen an die Welt. Die implizite Botschaft an alle Mütter, die in etwas angenehmeren Umständen als Jack und Joy leben und etwas mehr Ressourcen haben (also nahezu jede Mutter dieses Planeten), lässt sich kaum ignorieren: Stellt euch mal nicht so an, mit genügend Liebe geht es doch - sogar mitten in der Hölle!

Augenringe, fettige Haare und verschwitzte Tanktops darf man für einen Oscar nicht fürchten

Und diese Idee hat jetzt den Oscar gewonnen. Oder nein, gewonnen hat natürlich Brie Larson, die 25-jährige kalifornische Hauptdarstellerin, die Joy spielt, im Team mit ihrem wunderbaren neunjährigen Co-Star Jacob Tremblay. Schon zu Recht: Man muss hart arbeiten, um einen solchen Part zu bekommen, und vor Augenringen, fettigen Haaren und verschwitzten Tanktops darf man sich nicht fürchten. Brie Larson macht alles richtig in diesem Film, sie macht aber auch nichts wirklich Überraschendes. Was die These stützen könnte, dass immer auch die gerade virulente Figur den Oscar gewinnt.

Wie aber ist "Raum", mit seinen doch eher abschreckenden Anklängen an die realen Fälle von Natascha Kampusch und Elisabeth Fritzl, so virulent geworden, so erfolgreich auf Oscar-Jagd gegangen, noch dazu als Independent-Produktion mit winzigem Budget? Das hat viel mit dem speziellen Blick Emma Donoghues zu tun, die auch das Drehbuch geschrieben hat, und mit der Regie des irischen Filmemachers Lenny Abrahamson ("Frank", "Garage"), der schon länger von Außenseitergeschichten fasziniert ist.

Man versteht es besser, wenn es in der Hütte Abend wird. Dann muss Jack mit seiner Bettdecke im Kleiderschrank verschwinden. Er soll schlafen. Dann piepst das Zahlenschloss, die schwere schalldichte Tür geht auf, und der Mann steht im Raum, den Ma nur Old Nick nennt. Schemenhaft kann Jack ihn durch die Schranktür erkennen. Er bringt ein paar Dinge zum Essen mit, die er direkt aus dem Weltraum bekommt, und dann legt er sich zu Ma ins Bett und macht merkwürdige Geräusche, die Jack nicht hören soll.

Der kindlich-märchenhafte Blick macht das Verbrechen erträglicher

"Es gibt Raum, und dahinter Weltraum mit all den Fernseh-Planeten, und dann Himmel", sagt Jack in solchen Momenten zu sich. "Pflanze ist echt, aber Bäume sind nicht echt. Spinnen sind echt und die Mücke, die einmal mein Blut gesaugt hat. Monster sind zu groß, um echt zu sein, und genauso das Meer. Fernsehmenschen sind flach und aus Farben, aber du und ich sind echt. Old Nick, ich weiß nicht, ob der echt ist. Vielleicht halb."

Erst dieser kindlich-märchenhafte Blick erlaubt es, das Verbrechen, dessen Zeuge wir werden, stark zu desexualisieren, erträglicher zu machen, die Umstände von Jacks Zeugung, die jede Mutterliebe ja auch zerstören könnten, in eine Art magische Jungfrauengeburt zu verwandeln. Old Nick wird nicht explizit in seinen bösen Momenten gezeigt, auf ihn fokussiert sich kein Hass, nicht einmal größere Aufmerksamkeit. So konnte es für "Room" einen Oscar-Auftritt geben, die ein radikal unangenehmer Film zum selben Thema, wie "Michael" von dem Österreicher Markus Schleinzer, niemals bekommen würde.

Im Schritt aus der frühen Geborgenheit heraus, näher an die Welt und die Wahrheit heran, so schrecklich sie auch sein mag, weitet der Film seinen Blick dann aus. Was keinem Kind erspart bleibt, der Verlust seiner magischen Weltsicht, wird für Jack die Initiation in einen Fluchtplan seiner Mutter, in dem er selbst die Hauptrolle spielt - und der schließlich auch die weibliche Heldenrolle wieder relativieren wird.

Eintauchen in einen Alltag des Horrors und Hoffens

Der Film nimmt Thriller-Tempo auf, man fiebert mit vor dem Sprung ins Ungewisse, doch was dann passiert, sollte man ohne Vorwissen sehen. "Raum" funktioniert nicht nur auf der unmittelbaren Ebene des Eintauchens in das Unvorstellbare, in den Alltag des Horrors und Hoffens. Er zeigt auch sehr gut, wie nah das Kino dem Unvorstellbaren überhaupt kommen kann - und wie fern es ihm schließlich doch bleiben muss.

© Alle Rechte vorbehalten Süddeutsche Zeitung. Zur Verfügung gestellt von Süddeutsche Zeitung Archiv
15.03.2016
Und wenn die Welt die Hölle wäre?

Lenny Abrahamsons Spielfilm „Raum“ zeigt das Leben einer Frau und eines Kindes nach jahrelanger Gefangenschaft. Ein atemberaubendes und meisterhaft gespieltes Psychodrama, für das die Hauptdarstellerin den Oscar bekam.

Von Andreas Platthaus

Jack hat ein animistisches Verhältnis zur Welt: Die Dinge sind ihm Freunde, herzlich grüßt er Spülbecken, Stuhl eins und Stuhl zwei, Toilette, Kleiderschrank und all das andere Inventar in Raum, jenem engen Zimmer, das gleichfalls von ihm geduzt und stets ohne bestimmten Artikel angesprochen wird, denn es gibt in Jacks Leben eben nur dieses eine Zimmer. Die Grenzen seiner Sprache bezeichnen die Grenzen seiner Welt. Genau sechs Jahre lebt er in Raum, als der Film ansetzt: mit der Geburtstagsfeier, die seine Mutter Joy ihm ausrichtet. Dabei lernt er erstmals Kuchen kennen.

Nicht, dass Jack Kuchen als abstrakte Größe nicht gekannt hätte; es gibt einen Fernseher in Raum, und so weiß der kleine Junge genau zwischen wirklichen und fiktiven Objekten und auch zwischen wirklichen und fiktiven Menschen zu unterscheiden. Nur ist für Jack alles fiktiv, was nicht in Raum enthalten ist, denn es gibt dort auch kein Fenster nach draußen außer einer Oberlichtluke, die aber nichts als Himmel sehen lässt. Als einmal ein Blatt darauf liegen bleibt, ist das eine Sensation im Leben des Sechsjährigen.

Was der irische Regisseur Lenny Abrahamson in seinem neuen Film „Raum“, für den die kanadische Schriftstellerin Emma Donaghue ihren gleichnamigen Roman zum Drehbuch umgearbeitet hat, veranstaltet, müsste man statt Kammerspiel Zellenspiel nennen. Denn Jack und seine Mutter sind eingesperrt in Raum, Joy noch ein Jahr länger als ihr Sohn, denn sie wurde als Siebzehnjährige von einem Mann verschleppt, der sie seitdem im kleinen Schuppen hinter seinem Haus versteckt hält. Wann immer dem Kerkermeister danach ist, bedient er sich der jungen Frau zur Triebabfuhr, und nur bei diesen Gelegenheiten bringt er Lebensmittel und andere unbedingt notwendige Güter mit in Raum. Nach den Vergewaltigungen verschwindet er wieder und lässt Joy und Jack hinter der durch ein Zahlenschloss verbarrikadierten Tür zurück; die technische Durchführung der Einkerkerung gleicht dem Modell, das Karen Duve gerade erst in ihrem Roman „Macht“ entfaltet hat.

„Raum“ nimmt radikal die Perspektive der Opfer ein, und trotzdem haben Abrahamson und Donaghue im Gegensatz zu Duve keinerlei politische Agenda. Es geht ihnen um ein Psychodrama, das seinen Höhepunkt schockierenderweise nicht im Zellenraum findet, sondern nach der Befreiung. Denn nun warten draußen nicht nur Joys Eltern (deren Ehe seit dem Verschwinden der totgeglaubten Tochter zerbrochen ist) und die naturgemäß höchst interessierte Öffentlichkeit, sondern es wartet dort auch all das, was Jack zuvor nur aus dem Fernseher kannte. Wie sich der Junge ins Leben einer fremden Welt hineintastet, ist der eigentliche Gegenstand von „Raum“.

Normalität im Ausnahmezustand

Und seine Meisterleistung besteht darin, dass wir als Zuschauer uns auf genau dieselbe Weise ins Leben von Jack hineinfinden müssen, von dem wir zu Beginn nicht einmal sicher sagen könnten, ob er ein Junge ist, denn mit Haareschneiden hat sich Joy nicht aufgehalten. Zudem ist der unglaubliche Jacob Tremblay, der bei den Dreharbeiten acht Jahre alt und zuvor nur im zweiten Teil des Trick- und Realfilmgemischs „Die Schlümpfe“ aufgetreten war, der jungen Brie Larson, die seine Mutter spielt, wie aus dem Gesicht geschnitten. Sein Jack ist auch genauso stark wie Joy, die in den sieben Jahren ihres Leidensweges alles dafür getan hat, ihrem Sohn Normalität zu ermöglichen.

Das hat sie nur geschafft, indem sie den Ausnahmezustand der Kerkerexistenz zum Normalfall erklärte, und deshalb lässt sie bei jedem Besuch ihres Peinigers den Jungen im Schrank verschwinden. Dadurch erspart uns Abrahamson im Bündnis mit Danny Cohens ganz auf Jack fixierter Kamera jede voyeuristische Szene, steigert aber noch die Beklemmung der Konstellation, die dann nach der Befreiung sichtbar wird, als es Joys Vater – William H. Macy leistet in bestenfalls fünf Leinwandminuten eine schauspielerische Tour de force – nicht möglich ist, seinen Enkel, dieses aus einer Vergewaltigung entstandene Kind, auch nur anzusehen. Erst da wird das ganze Dilemma dieses neuen Lebens deutlich, und als Joy in ihrem ersten Fernsehinterview gefragt wird, warum sie ihren Entführer nicht gebeten habe, Jack noch als Baby freizusetzen, versteht sie erst nicht einmal die Überlegung, die dahinter steht, denn ihr Sohn war doch das Einzige, was ihr die Haft erträglich gemacht hat.

Lebenswerte Hölle

Mit jeder Minute seiner zwei Stunden steigert „Raum“ die Spannung, weil wir mit Jack dessen neue Welt finden müssen und dabei so vieles mit ihm lernen: dass etwa ein sechsjähriges Kind noch keine Treppen laufen kann, auch wenn es sie aus dem Fernsehen kennt. Und dass für ein Kind auch die Hölle lebenswert sein kann, solange ihm das Wissen um die Teuflischkeit ihrer Konstruktion erspart bleibt. Das ermöglicht zu haben ist Joys große Tat, und Brie Larson macht glaubhaft, dass es gelingen kann. Nicht nur, weil Jodie Foster in „Panic Room“ die vergleichsweise intensive Darstellung räumlicher Beeinträchtigung gelungen ist, erinnert die sechsundzwanzigjährige Larson extrem an sie. Den Oscar als beste Schauspielerin hat sie nun – verdientermaßen – auch schon.

„Raum“, diese vordergründige Variation auf Kaspar Hauser und Natascha Kampusch, ist hintergründig eine Sensation, auf die man nicht einmal durch Abrahamsons grandiosen Vorgängerfilm „Frank“ vorbereitet war, in dem ein Sänger sich nur durch eine groteske Maske geschützt der Welt stellen konnte. Jack steht ihr nun so ungeschützt gegenüber, wie man es sich nur denken kann. Doch Joys Liebe zu ihm war eine Bastion. Nach dem Verlassen von Raum wird sie notgedrungen geschleift. Deshalb muss nun Jack das führen, was wir Leben nennen. Dass es dafür Raum braucht, ist die böse Doppeldeutigkeit dieses Films.

© Alle Rechte vorbehalten Frankfurter Allgemeine Zeitung. Zur Verfügung gestellt von Frankfurter Allgemeine Zeitung Archiv
The Hollywood Reporter, 10.11.2015
How 'Room' Landed Brie Larson and Its Young Breakout Star

Seven-year-old actor Jacob Tremblay experiences a very different sort of boyhood in this claustrophobic film, a kidnapping story with a very different sort of leading man. Says producer David Gross, "If his performance didn't work, we were a Lifetime movie."

Von Rebecca Ford

How to make a 7-year-old scream.

That was the dilemma Irish director Lenny Abrahamson was facing only three days into shooting Room, his adaptation of Emma Donoghue's bestselling 2010 novel about a woman kept in captivity for nearly a decade who ends up pregnant with her kidnapper's child. The young actor Abrahamson cast at the center of his film, then-7-year-old Jacob Tremblay, was supposed to be doing a scene in which he yells at his mother — Ma, played by Brie Larson — after she disappoints him with a lumpy, half-baked birthday cake. But Tremblay wasn't feeling it.

"He knows about acting," says Abrahamson, 48, "but he's still 7 years old. For a 7-year-old, shouting can be embarrassing."

There are many well-known actors in Room — Joan Allen plays the kidnapped woman's mother, and William H. Macy is her dad, while Canadian actor Sean Bridgers is the mysterious perpetrator ("Old Nick," the boy calls him), who only occasionally strays into camera range — but it's Tremblay's performance as a boy who spends the first five years of his life locked with his mother inside an 11-by-15-foot shed that does the heaviest lifting in the film. The kid is in nearly every scene, and everything on the screen is filtered through his eyes. So, when Tremblay doesn't feel like shouting, it's a big deal on the set.

Of course, it's always risky putting the fate of a movie in a child's hands — The Sixth Sense wouldn't have been half as scary (or half as big a hit) if then-11-year-old Haley Joel Osment hadn't delivered a performance worthy of an Oscar nomination (he lost to Michael Caine). But it's an especially big gamble for A24's Room, which strives to turn the darkest of premises into an uplifting, feel-good movie about the protective powers of a parent's love and the resilience of innocence in the face of real-life monsters.

"If his performance didn't work," says producer David Gross, explaining just how much was resting on Tremblay's tiny shoulders, "we were a Lifetime movie."

Even before Donoghue's book arrived on shelves in 2010, she was fielding movie offers. In fact, the now-46-year-old Irish-Canadian author received so many inquiries about optioning Room, her seventh novel, that her agent's computer crashed. But there was one email, she says, that stood out. It was a 10-page letter from Ireland written by a director whose latest film, What Richard Did, was just then debuting to rave reviews at the Toronto Film Festival (more recently, Abrahamson made 2014's Frank, starring Michael Fassbender as a young musician who wears a giant mask on his head through the whole film). "He understood the book," says Donoghue. "He saw right past the crime premise to the universal parent-child love story."

Donoghue flew to Ireland to meet Abrahamson and agreed to have him adapt her book for the big screen — but didn't sign any option agreement. Instead, the two decided to collaborate, working with Abrahamson's longtime producer (and neighbor in Ireland) Ed Guiney of Element Pictures. "We weren't willing to just turn it over to someone else," says Donoghue's agent at UTA, Kassie Evashevski. "We asked, 'Why don't we work together?' No money exchanged hands for a long time."

Two years, to be precise — the time the novelist and director spent hammering out a script. Meanwhile, Element Pictures and UTA Independent Film Group worked together to raise financing for the $12 million film (with funding from the Irish Film Board, Film4, Telefilm Canada and others) without having to bring on any equity investors who might try to poke their noses into the creative process. Then they brought on a Canada-based production company, No Trace Camping, to help take advantage of a tax deal between Ireland and Canada. All they needed now was an actress to play Ma and a little boy to play Jack.

Ma was easy. When Abrahamson sat down with Larson — who is being buzzed about as a likely lead actress nominee for her turn in Room — at the Chateau Marmont in 2013, their 30-minute coffee meeting turned into a four-hour conversation that covered everything from their childhoods to mythology to their dogs. "She was just so warm," recalls the director. "And we needed somebody with that kind of warmth because otherwise our kid wasn't going to feel at home." Larson felt comfortable, too. "I knew I didn't have to worry about the movie becoming some sort of melodramatic, gratuitous piece," she says. "This was someone who wanted to show how love can thrive in dire circumstances."

The search for Jack, however, was trickier. Abrahamson saw more than 2,000 child actors in seven North American cities before he popped in an audition tape sent by Tremblay's press-shy parents (his mother and father, a police detective in Vancouver, don't do interviews), who have been overseeing their son's career since he started acting at age 5 in 2013's Smurfs 2. "You could tell he was special," says Abrahamson. "He was so assured. Maybe too assured. I was a little concerned that he's too coached because he'd done commercials. But he's bright. Once we got him together with Brie, we started to realize just how intelligent he was. In rehearsals, we started to realize, 'Oh, there's real acting in there.' "

That first meeting between Tremblay and Larson (who avoided sunlight for six months to prepare for her role) took place in September 2014, three weeks before shooting began at Pinewood Toronto Studios. Their early "rehearsals" consisted of hanging out together on the set doing such things as eating pizza and playing with Legos, building up Tremblay's comfort level with his 26-year-old co-star. The two would be spending many long weeks together in extremely close quarters: inside the shed (or "Room," as Jack refers to it in the movie) that had been constructed on the soundstage. Each of Room's walls was removable, but to maintain a sense of claustrophobia, Abrahamson insisted that the shed be kept intact as much as possible, which made for a tight fit when the camera and boom mic operators also squeezed into the space. "I just thought constraint was important," he says.

But the tricky geography of shooting a movie inside a homemade prison cell was the least of Abrahamson's challenges. Throughout the 49-day shoot (it would have been shorter, but under-12 actors only are allowed to work eight hours a day), the director was as much a child psychol­ogist as a filmmaker, finding ways to inspire and motivate his young actor not found in any Stanislavski class. For starters, he shot the film chronologically, even though it meant exterior scenes would have to be filmed at the peak of winter. "It's hard enough to play that part," says Larson, "but then to do it out of order would be difficult for him to understand."

For the most part, Tremblay was a trouper, hitting his marks and delivering his lines like a pro. But occasionally, as with all stars, there were moments of creative friction. Like that scene on day three, when Tremblay was supposed to shout at Larson but wouldn't do it, no matter how much his director and co-star implored him. Ultimately, though, Abrahamson found a solution. The director ordered everyone on the set — Larson, the camera crew, himself included — to start shouting as loud as they could to make Tremblay feel more comfortable about his own shouting. It worked like a charm. "We'd often find that what was holding him back was nothing complex," says Abrahamson. "Sometimes it was about finding a way to get at what was worrying him and just taking that away."

© Alle Rechte vorbehalten The Hollywood Reporter. Zur Verfügung gestellt von The Hollywood Reporter Archiv
Libération, 07.03.2018

Von Clémentine Gallot

© Alle Rechte vorbehalten Libération. Zur Verfügung gestellt von Libération Archiv
Abrahamson on creating empathy in "Room"
/ Producers Guild of America
en / 14.12.2015 / 4‘26‘‘

Interview with novelist Emma Donoghue and director Lenny Abrahamson
David Poland / DP/30: The Oral History of Hollywood
en / 11.11.2015 / 33‘11‘‘

Anatomy of a scene with director Lenny Abrahamson
Lenny Abrahamson / The New York Times
en / 29.10.2015 / 2‘23‘‘

Interview with Brie Larson
Shad / q on cbc
en / 14.09.2015 / 21‘04‘‘

Filmdateno

Synchrontitel
Raum DE
Genre
Drama, Krimi/Thriller
Länge
118 Min.
Originalsprache
Englisch
Bewertungen
cccccccccc
IMDb8.2/10

Cast & Crewo

Brie LarsonJoy "Ma" Newsome
Jacob TremblayJack Newsome
Joan AllenNancy Newsome
MEHR>

Bonuso

iGefilmt
Abrahamson on creating empathy in "Room"
Producers Guild of America, en , 4‘26‘‘
s
Interview with novelist Emma Donoghue and director Lenny Abrahamson
DP/30: The Oral History of Hollywood, en , 33‘11‘‘
s
Anatomy of a scene with director Lenny Abrahamson
The New York Times, en , 2‘23‘‘
s
Interview with Brie Larson
q on cbc, en , 21‘04‘‘
s
gGeschrieben
Besprechung Filmbulletin
Michael Ranze
s
Besprechung Süddeutsche Zeitung
Tobias Kniebe
s
Besprechung Frankfurter Allgemeine Zeitung
Andreas Platthaus
s
Portrait of child actor Jacob Tremblay
The Hollywood Reporter / Rebecca Ford
s
Besprechung Libération
Clémentine Gallot
s
Wir verwenden Cookies, um Ihnen einen individuell angepassten Service zu bieten (Detailangaben hierzu in unserer Datenschutzerklärung.) Mit dem Weitersurfen auf cinefile.ch stimmen Sie unserer Cookie-Nutzung zu.