r Frank & Louis
Petra Biondina Volpe, Schweiz, GB, 2026o
Frank, der eine lebenslange Haftstrafe absitzt, übernimmt die Aufgabe, einen an Alzheimer erkrankten älteren Mitinsassen zu betreuen. Was als eigennütziger Versuch beginnt, seine Aussichten auf vorzeitige Entlassung zu verbessern, entwickelt sich zu einer tiefen Beziehung mit seinem Gefährten Louis. Plötzlich spürt Frank, wie Erlösung an diesem unerbittlichen Ort aussehen könnte.
Die aktuelle «Alzheimerwelle» im Kino bekommt mit Petra Volpes Frank & Louis eine weitere, überraschend tröstliche Facette. Wie in ihrem letztjährigen Publikumshit Heldin geht es um Pflege, um Care-Arbeit. Diesmal allerdings hinter US-amerikanischen Gefängnismauern.
Frank (Kingsley Ben-Adir) sitzt seit einem als Sechzehnjähriger begangenen Mord lebenslänglich ein. Um seine Chancen auf vorzeitige Entlassung zu verbessern, bewirbt er sich bei den «Gold Coats», Gefangenen, die demenzkranke Mitinsassen betreuen. Ihm wird der einst gefürchtete Louis Nelson (Rob Morgan) zugeteilt, der den Neuen zunächst harsch zurückweist. Aus dem pragmatisch übernommenen Job entstehen eine Freundschaft und ein unerwarteter Lebensinhalt.
Volpe, ihre Drehbuch-Koautorin Esther Bernstorff und Kamerafrau Judith Kaufmann haben die reale Pflegeinitiative in Kalifornien recherchiert. Dem – hauptsächlich in England gedrehten – Film ist seine fast fünfzehn Jahre lange Genese nicht anzumerken: Dicht, packend und emotional aufwühlend ist er ein echter Volpe. Didaktik und Information sind publikumsfreundlich integriert.
Natürlich hätte der Stoff auch ein intimes Kammerdrama hergegeben. Doch gerade die weiteren Perspektiven öffnen den Blick auf die Perversion des industriellen, privatisierten Strafvollzugs. Was bedeutet Strafvollzug, wenn ein Demenzkranker womöglich gar nicht mehr der Mensch ist, der einst die Tat begangen hat?
Grossartige Darsteller und Kaufmanns subtile Lichtgestaltung machen Enge, Depression und Hoffnung spürbar. Das grösste Geschenk dieses Films aber ist die Erkenntnis, dass in der Pflege Demenzkranker nicht nur Horror, Elend und Trauer lauern, sondern auch Zuneigung, Würde und Menschlichkeit.
Michael SennhauserGalerieo
