e

Sibel

Cagla Zencirci, Guillaume Giovanetti, Türkei, Frankreich, Deutschland, Luxemburg, 2019o

s
vzurück

Die 25-jährige Sibel lebt mit ihrem Vater und ihrer Schwester in einem abgelegenen Dorf in den Bergen der Türkei. Sibel ist seit ihrer Geburt stumm, kann sich aber mit der traditionellen Pfeifsprache der Region verständigen. Von den anderen Dorfbewohnern ausgestoßen, jagt sie unablässig einen Wolf, der im benachbarten Wald herumstreunen soll. Auf einem ihrer Streifzüge trifft sie auf einen Deserteur. Verwundet, bedroht und verletztbar ist er der Erste, der sie mit anderen Augen sieht.

Das türkisch-französische Filmemacher-Paar Guillaume Giovanetti und Çağla Zencirci erzählt eine mitreissende Emanzipationsgeschichte: Je härter die Dorfgemeinschaft ihre Regeln durchsetzen will, umso wilder regt sich in Sibel die Energie des Widerstands.

Christine Lötscher

Mit dem Gewehr über der Schulter streift Sibel durch die Wälder, wie eine schöne, wilde Amazone auf der Jagd nach dem Wolf, der die Gegend in Angst versetzt. Sie kann sich nur mit der für ihre Heimatregion typischen Pfeifsprache verständigen, das macht sie zur Außenseiterin im türkischen Bergdorf, eröffnet ihr aber auch Freiräume. In der Landschaft der Schwarzmeerküste entfacht das türkisch-französische Filmemacherpaar Cagla Zencirci und Guillaume Giovanetti das Feuer einer Selbstermächtigung, gegen die restriktiven Traditionen der Türkei.

Anke Sterneborg

Galerieo

Variety, 29.08.2018

Von Jay Weissberg

© Alle Rechte vorbehalten Variety. Zur Verfügung gestellt vom Variety Archiv
Tages-Anzeiger, 08.01.2019
Eine Jagd mit unerwarteten Folgen

Die stumme Sibel im gleichnamigen Film «Sibel» kann mit dem Gewehr umgehen. Um sich zu beweisen, jagt sie einen Wolf.

Von Christine Lötscher

Im Nordosten der Türkei gibt es ein kleines Dorf, in dem sich die Menschen in einer Pfeifsprache verständigen, die über Berge und Schluchten trägt. Das türkisch-französische Filmemacher-Paar Guillaume Giovanetti und Ça?la Zencirci las davon in einem Buch und war fasziniert. Die beiden besuchten das Dorf – und fanden Inspiration für ihren dritten gemeinsamen Film.

Für Sibel (Damla Sönmez) ist die Pfeifsprache die einzige, die ihr zur Verfügung steht. Die junge Frau ist stumm und wird deshalb von den Bewohnern ihres Dorfes gemieden. Auf den Feldern mitarbeiten darf sie, aber sonst will man sie nicht dabeihaben. Sie geht ohnehin lieber in den Wald – eigentlich eine streng verbotene Zone. Ein Wolf soll sich dort herumtreiben. Sibels Vater schenkt der Tochter ein Gewehr und lässt sie machen, was sie will. Sie hat sich in den Kopf gesetzt, den Wolf zu jagen, um allen zu zeigen, was sie kann.

Wenn Sibel atemlos durchs grüne ­Dickicht stürmt, verlässt der Film die ­Anmutung des Ethnografischen und nimmt märchenhafte Züge an. Die Kamera schwankt im Rhythmus von Sibels energiegeladenen Bewegungen wie auf hoher See, und die Zuschauer verlieren die Orientierung: Der Wald erscheint als Raum mit eigenen Gesetzen, als Seelenlandschaft. Dabei verzichtet der Film darauf, eine Harmonie zwischen Mensch und Natur zu behaupten; das Leben im Wald bleibt eine Herausforderung.

Auflösung der Welten

Gerade deshalb kommt Sibel dort zu sich selbst: als wilde Frau. Es ist, als ob die Pfeifsprache ihr den nötigen Mut und die Unverfrorenheit gäbe, um ihren eigenen Weg zu gehen in einer Welt, in der Frauen das Dorf nicht verlassen dürfen und Mädchen nur so lange in die Schule gehen, bis ein passender Heiratsantrag kommt.

Eine dramatische Wendung nimmt der Film, als Sibel im Wald einem verletzten Mann begegnet, einem Dienstverweigerer, der als Terrorist gejagt wird. Die beiden verstehen sich ohne Worte. Doch plötzlich will nicht nur die Polizei, sondern das ganze Dorf wissen, was sich im Wald abspielt.

Die Wildnis ist keine geschützte Zone mehr, und die Trennung zwischen streng traditioneller Dorf-Welt und wilder Sibel-Welt löst sich auf. Jetzt muss die junge Frau, pfeifend und mit ihrem Gewehr über der Schulter, erst recht beweisen, was in ihr steckt.

© Alle Rechte vorbehalten Tages-Anzeiger. Zur Verfügung gestellt vom Tages-Anzeiger Archiv
26.12.2018

Von Olga Baruk

© Alle Rechte vorbehalten critic.de. Zur Verfügung gestellt vom critic.de Archiv
The Whistled Language of Kumkoy
/ UNESCO
en / 04.12.2017 / 10‘02‘‘

Reportage: Kusköy, das Vogeldorf
/ Columbia GSAPP
de / 21.12.2016 / 4‘41‘‘

A Conversation With Whistles in a Turkish Village
Von Peter Kenyon / National Public Radio
en / 3‘43‘‘

Filmdateno

Genre
Drama
Länge
95 Min.
Originalsprache
Türkisch
Bewertungen
cccccccccc
Øk.A.
IMDb
k.A.

Cast & Crewo

Damla SönmezSibel
Erkan Kolçak KöstendilAli
Emin GürsoyEmin
MEHR>

Bonuso

iGefilmt
The Whistled Language of Kumkoy
UNESCO, en , 10‘02‘‘
s
Reportage: Kusköy, das Vogeldorf
Columbia GSAPP, de , 4‘41‘‘
s
gGeschrieben
Besprechung Variety
Jay Weissberg
s
Besprechung Tages-Anzeiger
Christine Lötscher
s
Besprechung critic.de
Olga Baruk
s
hGesprochen
A Conversation With Whistles in a Turkish Village
National Public Radio / en / 3‘43‘‘
s
Wir verwenden Cookies, um Ihnen einen individuell angepassten Service zu bieten (Detailangaben hierzu in unserer Datenschutzerklärung.) Mit dem Weitersurfen auf cinefile.ch stimmen Sie unserer Cookie-Nutzung zu.