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Unser Kind

Luki Frieden, Schweiz, 2014o

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Mit der Möglichkeit einer Behinderung ihres Kindes konfrontiert, sieht sich ein Paar im Sog pränataler Untersuchungen plötzlich gezwungen, für ihre Beziehung zu kämpfen. Zunehmend wird die glückliche Beziehung an der quälenden Frage nach Wissen und Unwissen aufgerieben.

Galerieo

Tages-Anzeiger, 09.11.2014
Der Fluch der Pränataldiagnostik

Der SRF-Spielfilm «Unser Kind» handelte von einem Paar, das ein Kind mit Trisomie 21 erwartet. Viel guter Wille traf auf Lehrstückhaftigkeit.

Von Regula Fuchs

Ein junges Paar in einer Praxis, ein Bauch, ein Ultraschallbild, ein leises «Jöö» und ein Arzt, der sagte: «Das Kind entwickelt sich prächtig.» Und schon bevor der Vorspann vorbei war, wusste man: Das kommt nicht gut.

Der Schweizer Fernsehfilm «Unser Kind» belegte gestern den «Tatort»-Sendeplatz auf SRF 1, aber ein Krimi war die Geschichte um Lea (Sonja Riesen) und Tom (Thomas U. Hostettler) nun wirklich nicht. Wie auch: Eine Schwangerschaft mag im richtigen Leben ein Abenteuer sein, im Film ist sie wegen ihrer Zwangsläufigkeit eine dramaturgische Knacknuss. Zwangsläufig war es dann mit der guten Hoffnung auch für die Protagonisten bald vorbei.

Hippiesker Gutmensch

Erst schleuste der Thuner Regisseur Luki Frieden seine Lea und seinen Tom durch den Schüttelbecher der Unsicherheit, bevor die beiden erfuhren, dass ihr Ungeborenes behindert sein würde – aber keinen Schimmer hatten, wie weiter. Lea wollte auf ihren Bauch hören, Tom nichts von einem Kind mit Trisomie 21 wissen. Der Gendefekt malte Tom und Lea eindrückliche Sorgenfalten ins Gesicht und trieb einen Keil zwischen die beiden, den auch das Umfeld nicht wegratschlagen konnte: Leas Vater, der hippieske Gutmensch, ihre Mutter, die Eso-Frau mit Yoga-Guru und einer beinharten Pragmatik. Eine ganze Reihe sorgfältig skizzierter Nebenfiguren trat auf, die diese fadengerade Geschichte mit ihren eigenen Knörzen auspolsterten. Vor allem Leas vordergründig gut geratene ältere Schwester (Lunik-Sängerin Jaël Malli in ihrer ersten TV-Rolle), dreifache Mutter und gar nicht so glücklich verheiratet mit einem Versicherungsheini.

Würde sich nun aber die geplagte Lea für etwas entscheiden können, Schwangerschaft oder Abtreibung, Kind oder Beziehung? Würde es irgendwann doch noch Frühling werden in diesem tiefgekühlten Thun, und würde Tom, der vom verliebten Sanftling zum störrischen Klotz mutiert war, schliesslich auftauen? Hier kam – zwangsläufig – eine Figur mit Behinderung ins Spiel, die der Geschichte half, in Richtung Happy End einzubiegen. Aber zu früh gefreut: «Unser Kind» liess einen am Ende im Ungewissen. Leider der einzige wirklich unerwartete Moment in diesem Film, der mit viel gutem Willen und einem sympathischen Berner Cast ausgestattet war, das Lehrstückhafte aber nie ganz los wurde.

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Tages-Anzeiger, 16.04.2018
Wenn Tests Angst statt Hoffnung machen

Wie viel Risiko geht jeder Einzelne von uns im Leben ein? Wann wird aus einem potenziellen Risiko eine reale Gefahr; etwas, das uns ernsthaft ängstigt? Begriffe wie Sicherheit, Risiko oder Gefahr bedeuten für jeden etwas anderes, deshalb ist das Beantworten solcher Fragen schwierig.

Von Gabriela Braun

Die Medizin ist ohne statistische Auswertungen und Angaben zu Risiken undenkbar. Allerdings bleibt auch das Interpretieren der Daten eine Krux, je nach Arzt oder Land bedeuten dieselben Werte etwas anderes.

Beim Ersttrimester-Test, einem freiwilligen Routinetest in der Schwangerschaft, ist dies besonders augenfällig. Damit ermitteln Ärzte zwischen der 11. und 14. Schwangerschaftswoche, ob ein Risiko für ein Kind mit Trisomie 21 (Downsyndrom), einer anderen Chromosomenabweichung oder einem offenen Rücken besteht. Unruhig werden Ärzte oft dann, wenn der Test ein Risiko von 1:1000 oder mehr anzeigt. Also wenn eine Wahrscheinlichkeit von mindestens 0,1 Prozent besteht, dass das Ungeborene Trisomie hat. Oder in anderen Worten: Wenn nur zu 99,9 Prozent davon ausgegangen werden kann, dass das Kind keine Trisomie hat.

Was ist ein «erhöhtes Risiko»?

In einem solchen Fall informiert die Frauenärztin die Eltern über ein «erhöhtes Risiko». Sie macht sie darauf aufmerksam, dass die Schwangere für eine genauere Abklärung zusätzlich den nicht invasiven Gentest NIPT machen kann. Die Kosten von etwa 800 Franken werden von der Grundversicherung bezahlt; Bedingung dafür ist ein Wert von 1:1000 oder darunter.

Solche Infos lassen keine werdenden Eltern kalt. Die Vorfreude auf das Kind erhält einen Knacks, das Grundvertrauen auch. Die Eltern sorgen sich, sind überfordert und fürchten sich vor weiteren Testergebnissen und möglichen Entscheiden. Eine Bekannte von mir weinte fast jede Nacht durch, bis sie nach vierzehn Tagen das beruhigende Resultat des darauffolgenden Gentests erhielt.

Ihr und wohl den meisten anderen Eltern gegenüber unerwähnt bleibt jedoch, dass bis vor drei Jahren dasselbe Testresultat noch für strahlende Gesichter gesorgt hatte. Sogar ein Risiko von 1:300, ein behindertes Kind zu bekommen, galt damals als im grünen Bereich. Erst bei einem noch höheren statistischen Risiko riet man einem Paar zu weiteren Tests.

Solche tieferen Werte gelten nach wie vor in etlichen Ländern, etwa in Grossbritannien (1:300), Schweden oder Frankreich (beide 1:200). In der Schweiz hingegen wurde 2015 entschieden, dass die Krankenkassen die neuen Gentests NIPT bereits ab einem Risiko von 1:1000 bezahlen müssen. Entsprechend gilt bereits dieser Wert als «erhöhtes Risiko». Heute macht gemäss der «SonntagsZeitung» jede dritte Schwangere einen solchen Gentest, wobei in einem Drittel der Fälle die Grundversicherung die Kosten übernimmt.

Prozentwerte sind aussagekräftiger

Das Bedürfnis werdender Eltern nach einem gesunden Kind ist gross, verständlicherweise. Die vorgeburtlichen Untersuchungen sind so zahlreich und genau wie noch nie. Für Schwangere können sie deshalb Sicherheit bedeuten – oder aber das pure Gegenteil: Wer nach dem Ersttrimester-Test etwa erfährt, dass «eine Wahrscheinlichkeit einer Behinderung von 1:937» besteht, kann einen gehörigen Schrecken erhalten. Auch, weil die schwangere Frau erfährt, dass die Kasse den darauffolgenden Gentest übernehmen würde.

Doch allein mit der schlichten Umrechnung in Prozent könnte man viele Frauen beruhigen, sagt Franziska Wirz von der Beratungsstelle Appella. Der Verhältniswert von 1:937 bedeutet nämlich auch: Es besteht eine Wahrscheinlichkeit von 99,894 Prozent, dass das Kind gesund ist.

Wem es wichtig ist, eine mehrheitlich entspannte Schwangerschaft zu erleben, der sollte sich deshalb früh genug über Vorsorgeuntersuchungen informieren und sich Gedanken dazu machen. Sicher ist sicher.

Seit Januar 2017 können schwangere Frauen entscheiden, ob sie alle Vorsorgeuntersuchungen von einer Hebamme anstelle einer Ärztin oder eines Arztes durchführen lassen wollen. Insgesamt vergütet die obligatorische Krankenkasse während einer normalen Schwangerschaft sieben Kontrolluntersuchungen. Dazu kommen zwei durch einen Arzt durchgeführte Ultraschalluntersuchungen. Unabhängige Informationen zu vorgeburtlichen Tests finden Sie zum Beispiel bei Insieme oder Appella (Merkblätter zu Pränataldiagnostik und Schwangerschaft).

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Behind-the-Scenes-Aufnahmen
/ SRF
de / 10.11.2018 / 03‘24‘‘

Audiobeitrag zur Pränataldiagnostik
Von / SRF
de / 04‘41‘‘

Filmdateno

Genre
Drama, Fernsehfilm
Länge
89 Min.
Originalsprache
Deutsch
Bewertungen
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Øk.A.
IMDb
k.A.

Cast & Crewo

Sonja RiesenLea
Thomas U. HostettlerThomas
Jaël MalliSabine
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Behind-the-Scenes-Aufnahmen
SRF, de , 03‘24‘‘
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gGeschrieben
Besprechung Tages-Anzeiger
Regula Fuchs
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Bericht zur Pränataldiagnostik
Tages-Anzeiger / Gabriela Braun
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hGesprochen
Audiobeitrag zur Pränataldiagnostik
SRF / de / 04‘41‘‘
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