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David Wants to Fly

David Sieveking, Deutschland, Österreich, Schweiz, 2010o

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Fast sechs Millionen Menschen weltweit praktizieren heute die Transzendentale Meditation (TM). Auch der junge Filmemacher David Sieveking will es damit probieren und es damit seinem Idol David Lynch gleichtun, der TM als Quelle der Kreativität und des Erfolgs preist. Jung David unterzieht sich dem kostspieligen Training, erhält sein persönliches Mantra, versucht sich im yogischen Fliegen und taucht immer tiefer in das eigenartige Imperium des TM-Yogi Maharishi Mahesh ein. Statt dem prophezeiten Himmel auf Erden tun sich ihm Abgründe auf.

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Huffington Post, 03.06.2011

Von Karin Badt ,

© Alle Rechte vorbehalten Huffington Post. Zur Verfügung gestellt vom Huffington Post Archiv
Variety, 13.02.2010

Von Alissa Simon

© Alle Rechte vorbehalten Variety. Zur Verfügung gestellt vom Variety Archiv
19.05.2010
Fliegen lernen

Was Scientology für Tom Cruise ist, ist für David Lynch die Transzendentale Meditation: Ein Dokumentarfilm zeigt den Unfug, zu dem sich erwachsene Menschen verführen lassen.

Von Doris Kuhn

Vor Jahren hat man ihn noch öfter auf Plakaten gesehen. Einen Mann mit weißem Haar und Kulleraugen. Er versprach Besserung - Besserung in jeder Hinsicht: Erleuchtung, Durchblick, innere Ruhe. So fand er Maharishi Mahesh Yogi, der Erfinder der sogenannten "Transzendentalen Meditation", seine Anhänger. Vom Weltfrieden war damals noch nicht so viel die Rede, aber auch der war sicher in den Zielen schon inbegriffen. Die Beatles vertrauten ihm. Ihre Musik hat zwar angeblich nicht davon profitiert, aber sie infizierten die ganze Hippiebewegung mit Indien, mit der Suche nach dem Heil aus dem Osten, mit Interesse an dem Mann selbst.

Dunkel schillernde Fixpunkte

Mittlerweile ist er weniger präsent, in Deutschland jedenfalls. Wenn man hier etwas von diversen Heilslehren hört, dann über Hollywoodschauspieler. Richard Gere und Buddhismus, Tom Cruise und Scientology, aber auch, und das ist jedes Mal auffällig, David Lynch und die Transzendentale Meditation. David Lynch, den Künstler und Filmemacher, kann man sich kaum als schlichtes Gemüt vorstellen - nicht nach seinen Filmen, die bis heute dunkel schillernde Fixpunkte für Cinephile sind, und natürlich für so manchen Jungregisseur.

David Sieveking, Absolvent der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin, hat Plakate von Lynchs "Eraserhead" und "Blue Velvet" in der Wohnung hängen. Nach dem Abschluss seines Studiums ist er auf der Suche nach Inspiration - und vermisst im trödeligen Berliner Jungfilmerdasein die Abgründe, die David Lynch im selben Alter offenbar schon durchmessen hatte.

Das Interesse am Vorbild führt Sieveking zur ersten Begegnung mit der Transzendentalen Meditation - und weil er von Anfang an einen Kameramann dabei hat, beginnt hier sein eigener Film: "David Wants to Fly". Von Lynch ermutigt, die Unschuld des wahrhaft Suchenden ins Gesicht geschrieben, lässt Sieveking sich in die Meditation einweisen. 2008 fliegt er nach Indien zum Begräbnis des Maharishi, nimmt an Versammlungen der Anhängerschar in Deutschland und Amerika teil. Es fällt kein hämisches Wort, aber man sieht zahllose dicke Männer mit goldenen Krönchen auf goldenen Mützen, goldene Wandbehänge, goldene Mercedes-Limousinen, alles bewacht von aufmerksamen Sicherheitsleuten. Jede dieser Veranstaltungen wirkt wie absurdes Theater im Großformat.

Geschäft, Indoktrination, Machtfantasien

Obwohl er vom Glauben allmählich abfällt, stöbert Sieveking weiterhin mit naseweiser Neugier in den Lehren und in den Organisationen des Gurus herum, was keine Begeisterung bei dessen Anhängern auslöst. In bester Nervensägen-Manier à la Michael Moore schaut er sich alles an, was der Maharishi seit den sechziger Jahren geschaffen hat - aber angenehm anders als Moore ist er mit dem Charme einer sanften Selbstironie gesegnet. Allmählich deckt er auf, was man immer aufdeckt hinter dergleichen Organisationen - Geschäft, Indoktrination, Machtfantasien. Mit dem Versprechen von Weltfrieden oder persönlicher Freiheit geht auch hier eine Abzocke finanzieller und emotionaler Art einher.

Sieveking besucht interessante Parallelwelten, beängstigend sind sie gelegentlich auch: "Yogisches Fliegen" wird trainiert, vornehmlich auf Matten in Schulturnhallen. Ziel ist die Beherrschung des Fliegens durch Meditation, vorerst sieht es aus wie Hüpfen im Lotussitz, ein bisschen hilflos, vermutlich schmerzhaft. Kinder werden streng nach Maharishis Lehren erzogen, Inder müssen in eingezäunten Zentren zwangsweise meditieren, hierarchisch hochstehende Mitglieder sorgen sich neben dem Weltfrieden um ihre "Unbesiegbarkeit". Es gibt einen Moment, da steht Sieveking im ländlichen Amerika neben einem Bahngleis, während ein Zug vorbeirattert, und eine Assoziation von Ungebundenheit taucht unvermittelt auf - größer könnte der Kontrast zur erdrückenden Enge der Sektenwelt da kaum sein.

Genregerecht werden dann Abtrünnige befragt, Sieveking deckt dabei drei wesentliche Bereiche ab: Wissenschaft, Sex und Geld. Er spricht mit einem Neurologen, der ihm grundsätzliche Sekten-Mechanismen erklärt, so klar und einleuchtend, dass man sich seine Worte dringend für den Kontakt mit jeder Religion merken sollte. Bis hoch in den Himalaya zu den Quellen des Ganges führt Sieveking dann seine Investigation fort, und weil er so unermüdlich weitermacht, glaubt man ihm auch ein genuines Interesse an spiritueller Erkenntnis. Das weist den gelegentlich aufflackernden Verdacht zurück, seine Unschuld sei nur Pose, er könnte von Anfang an ein Spiel mit dem Zuschauer getrieben haben.

Weltfrieden und Weltverschwörung

Der Versicherung der Glaubwürdigkeit dient auch das Private, das hier vor die Kamera getragen wird: Es gibt Liebes-Intermezzi und Trennungs-Intermezzi zwischen Sieveking und einer befreundeten Dame, und dabei geht es keineswegs um den Weltfrieden oder um eine Weltverschwörung, sondern ausschließlich um das Glück der Selbstinszenierung. Das nimmt dem Thema die Schwere und lässt den sowieso schon mit leichter Hand gedrehten Film noch spielerischer aussehen. Was nichts daran ändert, dass man sich in "David Wants to Fly" ausführlich wundern kann. Denn gerade durch das Gegenüber von Jungfilmer-Alltag und Transzendentaler Meditation wird deutlich, zu welchem Unfug sich erwachsene Menschen doch immer noch verführen lassen.

© Alle Rechte vorbehalten Süddeutsche Zeitung. Zur Verfügung gestellt vom Süddeutsche Zeitung Archiv
Tages-Anzeiger, 27.04.2010

Zwei spannende Dokumentarfilme demontieren die Heilsversprechen zweier Gurus mit ganz unterschiedlichen Methoden.

Von Hugo Stamm

Mag sein, dass es Zufall ist, wenn jetzt gleich zwei Filme über Gurubewegungen in die Kinos kommen, die zur Hippiezeit viele junge Menschen aus dem Westen elektrisierten. «David Wants to Fly» und «Guru» zeigen jedoch beide, dass sich die Filmsprache in diesem Fall besser eignet als das geschriebene Wort, um das Sektenphänomen sinnlich erfahrbar zu machen. So stürzen die beiden Gurus Maharishi Mahesh Yogi und Bhagwan auf der Leinwand synchron vom spirituellen Thron.

In ihrer Eindringlichkeit und Unmittelbarkeit entlarven die Dokumentarfilme die beiden verstorbenen indischen Gurus als machthungrig und despotisch. In «David Wants to Fly» wird zugleich auch der Starregisseur und Maharishi-Anhänger David Lynch («Lost Highway») entzaubert. Der deutsche Jungfilmer David Sieveking nimmt sein Publikum mit auf die Reise zu David Lynch. Er heftet sich dem Meister an die Fersen und will erfahren, wie man die menschlichen Abgründe findet und ein erfolgreicher Regisseur wird. Der Regisseur schwärmt seinem jungen Kollegen vor, er verdanke sein kreatives Potenzial und das höhere Bewusstsein seinem Guru Maharishi Mahesh Yogi. Der Filmstudent kratzt das letzte Geld zusammen, um den rund 4000 Franken teuren Kurs in Transzendentaler Meditation (TM) zu absolvieren. Er staunt über das yogische Fliegen, ein kurioses Hüpfen im Lotussitz, bei dem die TM-Anhänger glauben, mit übersinnlichen Kräften die Gravitation zu überwinden. Als Sieveking auch bei der Meditation kein Erweckungserlebnis erfährt und die autoritären Strukturen erlebt, will er noch einmal mit Lynch sprechen.

Der grosse David schrumpft

Im zweiten Interview schwurbelt der erfolgreiche Regisseur nicht mehr abgehoben von Erleuchtung und höherem Bewusstsein, sondern reagiert ungehalten auf die kritischen Fragen. Der kleine David wächst über sich hinaus, der grosse David schrumpft immer mehr. Der Jungfilmer will die Welt ergründen, in der sich sein Idol bewegt, seit sich Lynch nach dem Tod seines Gurus 2008 zum Botschafter der weltweiten TM-Bewegung entwickelt hat.

Der Jungfilmer mutiert vom stillen Beobachter zum hartnäckigen Rechercheur. Die TM-Fürsten, Rajas genannt, glauben immer noch, Sieveking realisiere einen PR-Film über TM mit Lynch als Star. So kann er interne Sitzungen filmen und die Rajas interviewen. Hinter dem stereotypen Lächeln der erleuchteten Sektenfürsten entdeckt Sieveking eine bigotte Welt, in der Geld und Macht die dominierenden Themen sind. So gesteht der Schweizer Raja Felix Kägi, er habe eine Million Franken bezahlt, um TM-Fürst zu werden. Der Jungfilmer dokumentiert, dass der Guru mit solchen Schachermethoden ein Milliarden-Imperium und eine totalitäre Bewegung aufgebaut hat.

Im letzten Interview reisst der kleine David dem grossen die Maske vom Gesicht. Zuerst verweigert Lynch das Gespräch, dann will er den Film verbieten lassen. Das Strahlen des Meisters weicht Zornesfurchen, Lynch verbietet sich kritische Fragen. Vor der Premiere des Films in Berlin drohte Lynch gar mit rechtlichen Schritten. Sieveking liess sich nicht einschüchtern. Man dankt es ihm. Einziger Stilbruch in seinem Film: Sieveking flicht die wechselvolle Geschichte mit seiner Freundin mit ein. Sie hat weder mit Lynch, TM noch mit dem Film etwas zu tun.

Herrschsüchtiger Guru

Während Sieveking in seinem filmischen Erfahrungsbericht die eigene Suche (und Enttäuschung) zum Thema macht, verzichten Sabine Gisiger («Do It») und Beat Häner in ihrem Film «Guru» auf jeden Kommentar und lassen allein Bilder und Zeugen sprechen. Die Zürcherin und der Basler ergründen den Sex-Guru Bhagwan, indem sie sich auf Interviews mit zwei Zeitzeugen konzentrieren, die Bhagwan eng begleiteten. Der Engländer Hugh Milne war der Bodyguard des Gurus, die Inderin Sheela Birnstiel, die heute im Kanton Baselland zwei Heime für alte und behinderte Menschen führt, war seine persönliche Sekretärin.

Mit unbewegter Kamera halten die beiden Filmer auf die Gesichter ihrer Zeugen und lassen sie die Geschichte von Bhagwan und der riesigen Bewegung erzählen. Die Schilderungen der beiden Augenzeugen untermauern sie mit reichhaltigem Archivmaterial. Der Befund fällt ähnlich aus wie bei Sieveking: Die Bhagwan-Bewegung wird als Sekte demontiert, Bhagwan selbst als herrschsüchtiger Guru, der die Anhängerschar als Kulisse für seine Selbstinszenierung brauchte. In den letzten Jahren degradierte er seine Schüler zu Arbeitstieren, die gleichzeitig Millionen spendeten: Bhagwan wollte als jener Mensch im Guinnessbuch der Rekorde verewigt werden, der am meisten Rolls-Royce besitzt. Wenn Sheela Birnstiel erzählt, dass sie als junge Anhängerin für einen Blick von Bhagwan gestorben wäre, glänzen ihre Augen wie vor 40 Jahren. Und das Entsetzen steht ihr ins Gesicht geschrieben, als sie die totalitäre Phase der Bewegung in Oregon beschreibt: wie die eigenen Sicherheitskräfte mit Maschinenpistolen das Sektengelände bewachten und die Telefone der Anhänger abhörten. Packend ist dabei auch der Hochseilakt von Sheela. Sie ist nicht nur Sektenopfer, sondern auch Täterin, zog sie doch im Machtzentrum die Fäden. Obwohl sie die Fehlentwicklungen und ihre eigene Rolle beschönigt, enthalten ihre Aussagen genug Fakten, die den Horror dokumentieren. Die interne Paranoia sei von aussen aufgezwungen worden, das diktatorische Regime eine Folge davon gewesen, behauptet sie. Nun versteinert ihr Gesicht.

Hugh Milne, der Bhagwan auch mit der Kamera beobachtete, schildert, wie der Guru vom geistig lebendigen Provokateur zum lethargischen Junkie verkümmert, der sich mit Drogen vollpumpt und mehrere Jahre schweigend vor sich hinvegetiert. Seine Anhänger werden sich nicht beirren lassen und ihren Guru weiterhin als Messias verklären. Der Film ist aber ein Zeitdokument, das die Diskussion um Bhagwan auf eine neue Ebene hebt.

© Alle Rechte vorbehalten Tages-Anzeiger. Zur Verfügung gestellt vom Tages-Anzeiger Archiv
The Director presents his own film
nn / onesmallseedtv
en / 28.07.2011 / 6‘50‘‘

CBC Documentary on Maharishi Mahesh Yogi (1968)
/ CBC
en / 24.10.2018 / 24‘39‘‘

Filmkritik
/ MYSTICA Redaktion
de / 15.06.2012 / 5‘21‘‘

David Lynch on Transcendental Meditation
/ Transcendental Meditation
en / 11.08.2009 / 8‘42‘‘

Promotion Video for Transcendental Meditation
/ Transcendental Meditation
en / 24.10.2018 / 20‘44‘‘

Filmdateno

Synchrontitel
David Wants to Fly - Ein yogisches Abenteuer DE
Genre
Dokumentarfilm
Länge
96 Min.
Originalsprachen
Deutsch, Englisch, Hindi
Bewertungen
cccccccccc
Øk.A.
IMDb
k.A.

Cast & Crewo

David SievekingRegie
David SievekingDrehbuch
Adrian StähliKamera
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Bonuso

iGefilmt
The Director presents his own film
onesmallseedtv, en , 6‘50‘‘
s
CBC Documentary on Maharishi Mahesh Yogi (1968)
CBC, en , 24‘39‘‘
s
Filmkritik
MYSTICA Redaktion, de , 5‘21‘‘
s
David Lynch on Transcendental Meditation
Transcendental Meditation, en , 8‘42‘‘
s
Promotion Video for Transcendental Meditation
Transcendental Meditation, en , 20‘44‘‘
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gGeschrieben
Besprechung Huffington Post
Karin Badt ,
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Besprechung Variety
Alissa Simon
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Besprechung Süddeutsche Zeitung
Doris Kuhn
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Kritik zu GURU und DAVID WANTS TO FLY
Tages-Anzeiger / Hugo Stamm
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