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Midnight in Paris

Woody Allen, Vereinigte Staaten, Spanien, Frankreich, 2011o

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vzurück

Für Gil geht ein Traum in Erfüllung als er mit seiner Verlobten Inez nach Paris reist. Er, ein aufstrebender Drehbuchautor, schwärmt für die Künstlerszene der 1920er Jahre. Eines Nachts sieht sich der junge Mann unversehens mitten in jene goldene Zeit und Sphäre versetzt, in der sich Scott Fitzgerald, Ernest Hemingway und Gertrude Stein die Klinke in die Hand gaben und geistreiche Gespräche führten. Das wundersame Ereignis wiederholt sich stets um Mitternacht und bringt die Differenzen des Paars an den Tag.

Nach allerhand flauen Komödien glückt Woody Allen diesmal eine luftige kunsthistorische Fopperei: Reizvoll an der Komödie ist die Frage, wer wohl als Nächstes auftaucht. Marion Cotillard huscht als erotische Fantasie herum, doch imponiert vor allem Owen Wilson als verletzlicher Möchtegern Gil. Verwundert erkennt er, dass in der parallelen Traumwelt alle noch nostalgischer sind als er selbst. Dafür setzt er, sowie er in die Wirklichkeit zurückkommt, sein Primärwissen ein, um sich an den blasierten Freunden zu rächen

Pascal Blum

Woody Allens neue Komödie - sein 42. Spielfilm und bislang größter Kassenerfolg in den USA - tagträumt die herrlichste Wunschphantasie. Mit Witz, Eleganz und, ähnlich wie bei "Purple Rose of Cairo", mit der erstaunlichsten Selbstverständlichkeit entwirft Allen sein künstlerisches Wunschweltszenario. (Auszug)

Rainer Gansera

Woody Allen fait voyager ses personnages dans la capitale des années 1920 en assumant avec brio les clichés. (...) L'inaccessible âge d'or que le cinéaste poursuit dans "Minuit à Paris" lui est enfin acquis.

Jacques Mandelbaum
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rogerebert.com, 23.05.2011

Von Roger Ebert

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17.08.2011
Wie man einen Amerikaner macht

Ein Wunschweltszenario aus den Zwanzigern — Woody Allens „Midnight in Paris“

Von Rainer Gansera

„Alles, was du tun musst, ist, einen wahren Satz schreiben! “, sagt Ernest Hemingway. Gil (Owen Wilson) hat Rat dringend nötig. Er ist erfolgreicher Drehbuchschreiber in Hollywood und hat als solcher noch keinen einzigen wahren Satz geschrieben. Er will aber ein „richtiger“ Schriftsteller werden, doch mit seinem Roman steckt er in einer Schreibblockade. Glücklicherweise begegnet ihm Hemingway, der ihm auch noch erläutert, wie er ein „richtiger“ Mann werden kann. Auch die rührige Gertrude Stein ist zur Stelle, um sein Manuskript zu begutachten. Gil trifft Cocteau, Dali, plaudert mit Bufluel, verliebt sich in Picassos Muse Adriana (bezaubernd: Marion Cotillard) — reichlich Inspiration für den Schriftsteller-Aspiranten.

Woody Allens neue Komödie— sein 42. Spielfilm und bislang größter Kassenerfolg in den USA — tagträumt die herrlichste Wunschphantasie. Mit Witz, Eleganz und, ähnlich wie bei „Purple Rose of Cairo“, mit der erstaunlichsten Selbstverständlichkeit entwirft Allen sein künstlerisches Wunschweltszenario. Auf den Spuren seines Alter Ego Gil entführt er uns in jenes Paris der Zwanziger, das Hemingway als „Fest fürs Leben“ feierte.

Zum Auftakt in der Jetztzeit blättert er ein Paris-Panorama mit Postkartenbildem auf: Eiffelturm, Arc de Triomphe, Sacr&~Cceur. Gar nicht impressionistisch-hurtig werden die Klischeebilder gereiht, sondern mit einer obstinaten Langsamkeit, die darauf wartet, dass sich Wiedererkennung in einem Ironie-Echo spiegeln kann. So funktioniert Woody Allens Witz: Er arbeitet nicht mit Klischees, sondern spielt mit ihnen, schickt sie durchs bunte Prisma der Ironie.

Auch bei der Figurenzeichnung, für die er hier die Misanthropie seiner letzten Filme deutlich bezähmt hat. Alle seine Figuren könnten, wie einst der Stadtneurotiker Alvy, ausrufen: „Ich liebe es, auf ein kulturelles Stereotyp reduziert zu werden!“

Amouröse Verwicklungen Rodins

Gil: der smarte Hollywoodschreiber und Möchtegern-Schriftsteller. Seine Verlobte Inez (Rachel McAdams): verwöhnte, oberflächliche Tochter aus reichem Elternhaus. Die beiden befinden sich mit Inez‘ Eltern auf einem Paris-Trip, residieren in einem Luxushotel und stellen verwirrt fest, dass ihre kulturellen Präferenzen doch arg divergieren.

Gil liebt es, im Regen zu flanieren. Paris im Regen: Das ist für ihn Poesie. Für Inez ist der Regen ärgerliche Prosa, hinderlich bei Besichtigungstouren und beim Shoppen. Gils Schwiegereltern: erzkonservative Tea—Party-Republikaner, die sich in abfälligen Reden über französische Politik und Kultur ergehen. Spottfiguren wie aus liberalen Polit-Cartoons.

Die ätzendste Karikatur: ein Bekannter von Inez, der sich als eitler Kultur—Connaisseur aufspielt. Er belehrt sogar die Führerin im Rodin-Museum (Präsidenten-Gattin Carla Brunl-Sarkozy in einer hübschen, bescheidenen Gastrolle) über die amourösen Verwicklungen Rodins.

Gil hat die Nase voll von all dem Banausentum, streift nachts allein durch die Gassen und wird durch ein Mirakel belohnt. Es taucht ein mysteriöser Oldtimer auf, dessen beschwipste Insassen ihn zur Mitfahrt einladen. Gil steigt ein und wähnt sich auf dem Weg zu einer Zwanziger-Jahre-Kostümparty — bis er in einem Salon Zelda und Scott Fitzgerald kennenlernt. Cole Porter sitzt am Piano.

Am nächsten Abend dieselbe wundersame Zeitreise, und erst jetzt lässt uns Woody Allen entdecken, dass der Oldtimer zur Uberfahrt in die legendäre Künstlerclique der Zwanziger exakt um Mitternacht erscheint. Erst jetzt lässt er den Glockenschlag zur Geisterstunde hö-ren. Wir sind bereit. in die Halluzination wie in eine Realität einzutauchen. Der Kreis der Bekanntschaften weitet sich, wunderbar wie Adrien Brody alias Dall eine Rhinozerus-Vision beschwört. Adriana träumt von einem Leben in der Beile Epoque — und schon findet sich Gil mit ihr in einem Moulin-Rouge-Schuppen wieder, wo Toulouse-Lautrec und Degas zur Konversation bereitstehen.

Die Botschaft ist klar: Wünsche dich nicht zurück in eine vermeintlich besse— re, glänzendere Vergangenheit, ergreife die Chancen der Gegenwart. Das Verrückte ist nur, dass man dieser einsichtigen Botschaft gar nicht so gerne folgen will. Es ist müßig, darüber zu räsonnieren, ob und inwieweit „Midnight in Paris“ den Realitäten der Zwanziger oder des Jetzt gerecht werde. Es geht um die Entfaltung eines Wunschtraums — und um das Vergnügen, ihn als solchen zu durchstreifen.

© Alle Rechte vorbehalten Süddeutsche Zeitung. Zur Verfügung gestellt vom Süddeutsche Zeitung Archiv
Tages-Anzeiger, 16.08.2011
Eine Nacht mit Ernest Hemingway, Gertrude Stein und Cole Porter

«Midnight in Paris» von Woody Allen ist eine zauberhafte Hommage an Paris und seine Boheme.

Von Simone Meier

Was für ein schöner Film! Der reinste Kindergeburtstag, mit einer riesigen Torte, und daraus hervor springen: F. Scott Fitzgerald und seine verrückte, scharfsinnige Gattin Zelda, der markige Machodichter Ernest Hemingway, Gertrude Stein, diese robuste Urmutter der lyrischen Avantgarde, Salvador Dalí, Picasso und und und . . . Die Torte heisst Paris, und das Kind, das sie sich zu seinem 75. Geburtstag leistete, heisst Woody Allen, und das Ganze ist ein total charmanter Traum. Und nein, es stört auch nicht, dass Carla Bruni noch ein wenig in diesem Traum herumtapst, sie ist gewissermassen der Schluck Tee, den man ein-, zweimal braucht, um so viel Champagner überhaupt ertragen zu können.

Barcelona, London, Paris

Mit «Midnight in Paris», so sagte Woody Allen im Frühling in Cannes, habe er eine Vision verwirklicht. Sein Ziel sei gewesen, seine ganz eigene Vorstellung von Paris und von der Liebe und der Liebe zur Kunst in Paris wahr werden zu lassen, ohne Rücksicht auf irgendwelche Realitäten. So, wie er in «Vicky Cristina Barcelona» (2008) schon sein Barcelona und seine Vision der Leidenschaft in Spanien verwirklicht hatte und in «Match Point» (2005) sein London und seine Vision von der Unbarmherzigkeit der britischen Klassengesellschaft. Wenn Woody Allen an Europa denkt, dann hat er eine Idée fixe, und die ist, so beweist sein verblüffendes Alterswerk, viel genauer und origineller, als wenn er in den altvertrauten Neurosen seiner New Yorker Intellektuellenszene gründelt.

So ist denn «Midnight in Paris» - ob den unzähligen Geburtagsüberraschungen kommt man aus dem blöd grinsenden Staunen wirklich kaum heraus - die runde Geschichte eines Mannes, der selbst keine runden Geschichten mehr schreiben mag. Gil (Owen Wilson) heisst er und ist erfolgreicher Drehbuchautor oberflächlicher Hollywoodhits, so erfolgreich, dass er keine Zeit mehr hat für seine Berufung, nämlich die wahre und ernste Schriftstellerei; aber auch so erfolgreich, dass er eine zutiefst blonde, zutiefst pragmatische Verlobte namens Inez (Rachel McAdams) hat, so eine amerikanische Vorzeigefrau, die sich sicher ist, dass der Mensch von Sehnsüchten allein nicht leben kann.

Und jetzt sind die beiden also in Gils grosser Sehnsuchtsstadt Paris, und Gil hat seine äusserst eigenwillige Vorstellung von Paris, nämlich, dass die Stadt bei Regen und bei Nacht und zu Fuss am schönsten sei. Logisch, dass er die alleine verwirklichen muss. Und wie schön, dass die Vergegenwärtigung seiner Sehnsüchte noch viel weiter geht, als er sich das ausgemalt hat, nämlich mitten hinein in eine Traumwelt.

Carla Bruni im Museum

Denn Schlag zwölf wird Gil dem Aschenbrödel gleich von einer Limousine abgeholt und entführt ins Paris der 20er-Jahre, hin zur internationalen Boheme aus Amerikanern, Spaniern und Franzosen, mitten hinein in eine Szenerie revolutionärer Geistesgiganten. Elfengleich schmiegt sich da Adriana (Marion Cotillard), die Muse der grössten Männer, an Gil. Gertrude Stein (Kathy Bates, was für eine geniale Besetzungsidee) liebt sein Romanmanuskript, und die sprunghafte Zelda Fitzgerald (Alison Pill) ist genau so, wie er sie sich immer vorgestellt hat. Am Klavier sitzt derweil, wie könnte es anders sein, Cole Porter.

Während Gil in seiner nächtlichen Parallelwelt auflebt und sich ganz seinen Träumen gemäss verwirklicht, wird seine Realität daneben langsam so grau wie das T-Shirt der Museumsführerin (Carla Bruni), die so gut Bescheid weiss über das alte und das uralte Paris. Seine blonde Amerikanerin vermag der dunkelhaarigen Französin Adriana, deren eigene Sehnsüchte noch viel weiter zurückreichen als in die 20er-Jahre, nämlich in die Belle Epoque, bald nicht mehr standzuhalten.

«The present is always dull», die Gegenwart ist immer langweilig, ist die Erkenntnis von Gil und Adriana, und jeder kultivierte Mensch sehnt sich in ein anderes Golden Age zurück, das wiederum mit sich selbst unzufrieden ist. Vielleicht hat ja Inez’ lästiger Angeberfreund Paul, der alles besser weiss, doch recht, wenn er sagt: «Nostalgia is complete denial», Nostalgie ist die totale Verweigerung. Aber woher, wenn nicht aus der Nostalgie, soll denn Gil, soll Woody Allen zehren für die Vision von Schönheit und Erhabenheit? Wie soll Kunst ohne die Sehnsucht nach einer besseren Welt überhaupt möglich sein? Und an wem soll sich ein Künstler messen, wenn nicht an seinen Idolen?

Das ist natürlich eine auf amerikanische Art schwärmerisch ungebrochene und schlichte Annäherung an ein grosses Thema. Doch gerade in dieser entwaffnenden Einfachheit passt sie zu Woody Allens gewohnter Erzählweise, dieser unprätentiösen und beiläufigen Alltagssprachlichkeit, und zur Person des Hauptdarstellers selbst. Zu Owen Wilson also, diesem Mann, der sich seine Millionen als komische Nase in Jackie-Chan-Filmen, als Spasskanone in «Wedding Crashers», «Zoolander» oder «Night at the Museum» oder doof-romantisch an der Seite von Jennifer Aniston in «Marley & Me» verdient und der doch weit mehr kann.

Kommerzheini mit Herz

Denn Owen Wilson studierte einst zusammen mit dem Regisseur Wes Anderson Literatur, er arbeitete an drei Drehbüchern zu Andersons Filmen mit, und die beiden wurden gemeinsam in der Kategorie bestes Drehbuch für einen Oscar nominiert - nämlich für «The Royal Tenenbaums», diesen verrückt verstörten Familienfilm, in dem sich Owen Wilson eine Rolle als suizidgefährdeter Schriftsteller auf den Leib geschrieben hatte. Als Wilson im August 2007 nach der (ersten) Trennung von der Schauspielerin Kate Hudson versuchte, sich das Leben zu nehmen, zementierte dies das Bild des komischen Kommerzheinis, der innen drin ganz schlicht und eigentlich ein tragischer, romantischer Held ist. Wenn Owen Wilson einen besonders selbstbewussten Tag hat, dann bezeichnet er sich als «Schauspieler und Schriftsteller». Seine Lieblingskünstler sind Fitzgerald, Picasso, Dalí. Wer also hätte besser in die Rolle des Gil gepasst als er?

Glücklich verzaubert

Sie hätten in Paris nicht nur gedreht, sie hätten zusammengelebt, sagte Woody Allen in Cannes. Und Owen Wilson doppelte in einem Radiointerview nach, dass ihnen unter der Führung von Carla Bruni und der entzückenden Marion Cotillard die Häuser und Herzen der Pariser weit offen gestanden hätten. Und so muss man sich Woody und Owen und all die anderen während der Dreharbeiten zu «Midnight in Paris», dieser «féerie», wie die Franzosen sagen, genau so vorstellen wie Gil nach Mitternacht: als glücklich verzauberte Amerikaner.

© Alle Rechte vorbehalten Tages-Anzeiger. Zur Verfügung gestellt vom Tages-Anzeiger Archiv
Les Inrocks, 07.04.2011

Von Diane Lisarelli

© Alle Rechte vorbehalten Les Inrocks. Zur Verfügung gestellt vom Les Inrocks Archiv
Cannes Film Festival press conference
/ Woody Allen Pages
en / 26.01.2012 / 4‘57‘‘

Color grading demonstration
/ IWLTBAP
en / 23.09.2015 / 0‘39‘‘

Besprechung
WWolfgang M. Schmitt / die-filmanalyse.de
de / 17.08.2011 / 7‘47‘‘

3 Critics interview Woody Allen
Von / Making Of
en / 43‘37‘‘

Filmdateno

Synchrontitel
Minuit à Paris FR
Genre
Komödie, Liebesfilm, Fantasy
Länge
94 Min.
Sprachen
Englisch OV Französisch
Bewertungen
cccccccccc
Øk.A.
IMDb
k.A.

Cast & Crewo

Owen WilsonGil
Rachel McAdamsInez
Kurt FullerJohn
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Bonuso

iGefilmt
Cannes Film Festival press conference
Woody Allen Pages, en , 4‘57‘‘
s
Color grading demonstration
IWLTBAP, en , 0‘39‘‘
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Besprechung
die-filmanalyse.de, de , 7‘47‘‘
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gGeschrieben
Besprechung rogerebert.com
Roger Ebert
s
Besprechung Süddeutsche Zeitung
Rainer Gansera
s
Besprechung Tages-Anzeiger
Simone Meier
s
Besprechung Les Inrocks
Diane Lisarelli
s
hGesprochen
3 Critics interview Woody Allen
Making Of / en / 43‘37‘‘
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