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Another Year

Mike Leigh, GB, 2010o

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Mary ist eine Frau in den Vierzigern, die nach einer verkorksten ersten Ehe endlich den Mann fürs Leben sucht. Sie ist ständig bei Gerri und Tom zu Besuch, die seit Jahrzehnten glücklich miteinander verheiratet sind. Tom versucht Mary mit einem alten Jugendfreund zu verkuppeln, doch Mary hat fatalerweise ein Auge auf Gerris und Toms Sohn Joe geworfen. Als dieser eines Tages mit einer Freundin auftaucht, wird alles noch komplizierter und Marys Freundschaft zu Gerri und Tom gerät zunehmend in Gefahr.

Mike Leigh ist der Meister des magischen Alltags, alles, was geschieht, geschieht zwischen den Menschen, die er beobachtet, und so erschafft er kleine komische, tief emotionale Dramen, an denen man sich nicht sattsehen kann. "Another Year" könnte endlos weitergehen, und es gäbe an diesen komplexen, unendlich charmanten Figuren immer noch etwas zu entdecken.

Susan Vahabzadeh

Durchs menschliche Drama schimmert die «Marke Leigh»: seine Methode, aus der Improvisation heraus ein dichtes Wirklichkeitskonzentrat herzustellen. Etwas länger, und man hätte nur noch der Schauspielerei bei ihrer Nuancierungsarbeit zugeschaut. Aus dem Fliessen des Lebens wäre ein kunstvolles Plätschern geworden und aus der Ruhe schlicht Trägheit. Allerdings rundet sich das Wirklichkeitsbild in «Another Year» schliesslich sanft, überzeugend und vor allem rechtzeitig, und der erst im Entstehen begriffene Eindruck von zu viel routiniertem Realismus ist dann doch weit schwächer als der unangenehme Zweifel an der eigenen Gefühligkeit.

Christoph Schneider

Galerieo

27.01.2011
Sind so nette Menschen

Weil Mike Leigh selbst die größten Nervensägen mit so viel Liebe zeichnet, sind sie komisch - und im Idealfall lacht man auch in seinem neuen Film über sich selbst: "Another Day" ist ein Sammelsurium gescheiterter Existenzen.

Von Susan Vahabzadeh

Es gibt zwei Arten, wie man Glück verstehen kann - das Spiel der Zufälle, das Schicksal, das dem einen Steine in den Weg legt und dem anderen nicht; und die glückliche Empfindung, die vielleicht allein darauf basiert, zu genießen, was da ist, und sich nicht nach dem zu sehnen, was man partout nicht haben kann. Beides wird ungerecht verteilt unter den Menschen, und von dieser Ungerechtigkeit handelt, mehr noch als sein letzter Film "Happy-Go-Lucky", Mike Leighs neuer Film "Another Year".

Es geht um eine Gruppe von Menschen, die alle mehr oder weniger der selben sozialen Schicht angehören, und um ihr Glück - kein materielles, zumindest nicht die Anwesenheit von Luxus, sondern nur die Abwesenheit existenzieller Sorgen. "Another Year" folgt so einer Art urbanen Großfamilie über ein Jahr, in vier Sequenzen, für jede Jahreszeit eine - ein funktionales Paar kümmert sich um eine Reihe von dysfunktionalen Singles, die ihnen das Leben anvertraut hat, mit der geduldigen Hingabe berufener Eltern. Das reicht als Ausgangspunkt für einen Mike-Leigh-Film - er ist der Meister des magischen Alltags, alles, was geschieht, geschieht zwischen den Menschen, die er beobachtet, und so erschafft er kleine komische, tief emotionale Dramen, an denen man sich nicht sattsehen kann. "Another Year" könnte endlos weitergehen, und es gäbe an diesen komplexen, unendlich charmanten Figuren immer noch etwas zu entdecken.

Das Paar in "Another Year" heißt tatsächlich Tom und Gerri, sie sind nicht mehr jung, ewig verheiratet, der Sohn ist schon aus dem Haus. Gerri (Ruth Sheen) ist Therapeutin, Tom (Jim Broadbent) Ingenieur. Sie sind vielleicht nicht unendlich glücklich - aber sie haben sich mit dem, was ist, sehr gut eingerichtet. Allein das Haus, das sie bewohnen, erzählt tausend Geschichten, all der Nippes, die Bücher, die dekorative Unordnung, in der die beiden leben. Sie sind selbst ein wenig anstrengend, so viel Gutmenschentum und Verständnis kann einem manchmal auf den Geist gehen. Und das Sammelsurium gescheiterter Existenzen, das sich um ihren Küchentisch schart, fühlt sich dann vielleicht noch ein wenig kleiner und schäbiger, und weiß nicht wohin mit sich und seinen Emotionen - denn so wunderbaren Menschen kann man doch ihre nette, wohlwollende Überheblichkeit nicht übelnehmen.

Da ist Ken, ein alter Freund, der zu viel trinkt und zu viel isst und zu wenig macht aus seinem Leben - er tut eigentlich alles, um sich ein frühes Grab zu schaufeln, eine rührend hilflose, bedürftige Gestalt. Später kommt auch noch Toms Bruder dazu - seine Frau ist gestorben. Aber vor allem gehört Mary (Lesley Manville) fast zur Familie, die Sekretärin ist in dem Krankenhaus, in dem auch Gerri arbeitet - ein hoffnungsloser Fall. Sie trinkt zu viel, erlebt einen Rückschlag nach dem anderen und gibt doch nicht auf, aber was sie auch anfasst - es macht sie immer noch unglücklicher. Ein kleines Auto soll her, dann, sagt Mary, ist sie frei - keine gute Idee, für jemanden der so viel trinkt und so schlecht organisiert ist wie sie. Die Freiheiten, die sie hat, will sie nicht - und dass es keine andere Freiheit geben wird, dafür sorgt sie selbst. Viele Momente, die wir in dieser Küche erleben, sind komisch - aber letztlich ist sie ein Massengrab der kleinen Träume.

Mary, der traurige Clown

Mike Leigh arbeitet mit einer unaufdringlichen, aber ganz strukturierten Kamera, die unser Augenmerk auf Details lenkt - improvisierte Einstellungen, sagt Mike Leigh, gibt es bei ihm so gut wie nie. Was er beherrscht wie kein zweiter, das sind warmherzige Charakterstudien - er erschafft Figuren, die ein wenig extremer sind in ihren Schwächen und Ticks, manchmal auch in ihrer Großherzigkeit, als wir selbst; aber wir entdecken uns trotzdem immer in ihnen wieder. Und weil er selbst die größten Nervensägen noch mit so viel Liebe zeichnet - deswegen sind sie komisch. Im Idealfall lacht man in einem Film von Mike Leigh über sich selbst, all die Peinlichkeiten, all die Tritte in Fettnäpfchen.

Mary ist ein trauriger Clown, die Frau hat nichts im Griff, vor allem nicht sich selbst - beim Trinken kommt ihr das letzte Quentchen Realismus abhanden. Ihr nicht mehr ganz junges Aussehen unterstreicht sie noch durch Kleinmädchenklamotten. Mein Look arbeitet gegen mich, sagt sie, die Männer schrecken zurück, wenn sie merken, dass ich nicht so jung bin, wie sie geglaubt haben. Im richtigen Leben würde man sich bei einer solchen Bemerkung das Lachen nur mit Mühe verkneifen können - wie alt, um Himmels willen, müsste diese Frau wohl sein, um jünger zu wirken, als sie ist? Aber mal ehrlich: Fragt sich nicht jede Frau irgendwann, ob das, was sie im Spiegel sieht, wirklich noch dem entspricht, was andere wahrnehmen? Es braucht eine hervorragende Schauspielerin für solche Momente - wie mit fast all seinen Akteuren hat Leigh mit Lesley Manville mehrfach gearbeitet, unter anderem in "All or Nothing", in dem auch Ruth Sheen spielte, Broadbent war unter anderem in "Vera Drake" dabei, wie auch Peter Wight, der den Ken spielt. Leigh, der seinen Schauspielern nie das ganze Script gibt, nie die ganze Geschichte erzählt, braucht das Vertrauen eines Ensembles, das an seine Arbeitsweise gewöhnt ist.

Das Jahr vergeht, und man würde gern ewig sitzenbleiben am Küchentisch von Tom und Gerri - "Another Year" spielt sich ab wie das Leben, und wie vom Leben selbst kann man nicht davon lassen, auch nicht in den dunklen Stunden. Es ist auf den ersten Blick eine winzige Tragödie, die mit den Jahreszeiten entsteht. Mary hat sich, aus Wahn und Trunkenheit und Hoffnungslosigkeit, in den Sohn des Hauses verknallt, und geht, als der das erste Mal seine neue Freundin mitbringt, auf die vermeintliche Rivalin los. Sie wird verbannt, damit bricht für sie eine Welt zusammen - sie hat dort ihren einzigen Halt. Wie sie wieder langsam auf die Füße kommt, das ist ein emotionaler Thriller.

In der allerersten Einstellung sieht man eine Frau, Imelda Staunton, die für Leighs Abtreibungsdrama "Vera Drake" eine Coppa Volpi in Venedig bekommen hat - hier ist sie ein Häufchen Elend, das eine Therapeutin um ein Schlafmittel bittet. Die Therapeutin würde lieber mit ihr klären, was das ist, das sie nachts nicht schlafen lässt. Aber sie kann nicht darüber reden: Weil, man sieht ihr das an, dann das ganze hässliche Kartenhaus zusammenfällt, das ihr Leben ausmacht. Sie will nur schlafen, ein ziemlich bescheidener Wunsch, den ihr das Leben nicht erfüllt.

© Alle Rechte vorbehalten Süddeutsche Zeitung. Zur Verfügung gestellt von Süddeutsche Zeitung Archiv
28.01.2011
Vom Knirschen der Träume

Fünfzig verweht: In seinem neuen Film „Another Year“ malt der Regisseur Mike Leigh, der als Menschenfreund des britischen Kinos gilt, ein Gruppenbild im Rhythmus der Jahreszeiten.

Von Andreas Kilb

Eine Frau geht zum Arzt, weil sie nicht schlafen kann. Die Medizinerin, die sie untersucht, findet keine körperliche Ursache und schickt die Frau zu einer Psychotherapeutin. Diese ist im gleichen Alter wie die Patientin, Ende fünfzig, aber ihre Gestik und ihr Mienenspiel wirken entspannt, während Gesicht und Körper der Schlaflosen wie unter großem Druck versteinert sind. Als die Therapeutin fragt, welche Veränderungen sie sich für ihr Leben wünsche, antwortet die Frau: „Ein anderes Leben.“ So beginnt der Film „Another Year“.

Andreas Kilb

Andreas Kilb

Für das, was der Brite Mike Leigh mit dem Kino macht, gibt es einen französischen Ausdruck, den man schlecht in andere Sprachen übersetzen kann: „cinéma vérité“. Auch wenn der Begriff ursprünglich geprägt wurde, um eine Richtung des Dokumentarischen zu beschreiben, passt er auf Leighs Arbeitsweise perfekt. Leigh skizziert ein paar Figuren, die ihn interessieren, und eine Grundkonstellation, geht dann mit seinen Schauspielern in Klausur und lässt sie ihre Charaktere entwickeln, bis sie ausgereift sind. Erst danach entsteht die Geschichte, die Handlung. Beim Drehen werden die Szenen improvisiert und dann in chronologischer Reihenfolge aufgenommen. Erst der letzte Arbeitsschritt versiegelt den Fluss der Bilder.

Ein klassischer Studioregisseur wie Billy Wilder hätte diese Art des Filmemachens vermutlich als höheren Dilettantismus abgetan. Für Mike Leigh ist sie die notwendige Bedingung filmischer Freiheit. Und doch ist Leighs Kino nicht so himmelweit von Wilder entfernt, wie es auf den ersten Blick erscheint. Die Regievirtuosen der Studiozeit haben stets davon geträumt, aus dem Reich der Scheinwerfer ins Tageslicht auszubrechen. Und ein Film wie „Another Year“ träumt insgeheim von der reinen Komik des Slapsticks.

Das körperlich spürbare Voranschreiten der Zeit

Die Szene etwa, in der Mary (Lesley Manville) den Sohn ihrer besten Freundin in ihrem knallroten Kleinwagen fluchend, hupend und stotterbremsend zur nächsten U-Bahn-Station fährt, ist purer Komödienstoff, nur eingewoben in eine Folge ebenso beiläufiger wie tragisch grundierter Lebensbilder. Denn Mary, auch wenn sie es nicht wahrhaben will, ist zwanzig Jahre zu alt für Joe, und ihr wildes Hantieren am Steuer, mit dem sie ihn beeindrucken will, verschreckt ihn nur noch mehr. Der Sommer, der mit dem Kauf eines Autos begonnen hat, wird für Mary in Trauer und Enttäuschung enden, und am Schluss wird wieder ein Jahr vergangen sein, das kein neues Leben gebracht, sondern nur das alte, unvollkommene verlängert hat.

Eben in dieser Verlängerung, im körperlich spürbaren Voranschreiten der Zeit, liegt die Dramatik von Leighs Kinoerzählung. Dass das Leben irgendwie weitergeht, gehört ja sonst zu den langweiligsten Botschaften, die man in Filmen zu hören bekommt. In „Another Year“ aber geht das Leben so rücksichtslos weiter, dass man die Scherben der zertretenen Träume unter seinen Schritten knirschen hört.

Es zerstört die Illusion der Praxisassistentin Mary, die mit dem Pflichtanwalt Joe eine zweite Jugend erleben wollte, es lacht über die plumpen Annäherungsversuche des dicken Arbeitsamtlers Ken, der ausgerechnet Mary als Dame seines Herzens erwählt hat, und es lässt im Handumdrehen eine Nebenfigur sterben, nur damit sich zwei hoffnungslos Einsame, die zurückgewiesene Mary und der zurückgelassene Witwer Ronny, im Wintergarten ihrer Gastgeber begegnen können.

Und was geschieht mit der schlaflosen Frau?

Natürlich ist es nicht das Leben selbst, das alle diese Entscheidungen trifft, sondern der Regisseur Mike Leigh. Leigh ist sich der Macht, die er über seine Figuren hat, nur allzu bewusst. Deshalb versteckt er sie nicht hinter psychologischen Finessen, sondern stellt die Mechanik der Story offen aus. „Another Year“ erinnert an die Kinozyklen des Franzosen Eric Rohmer, der ja auch eine Jahreszeiten-Tetralogie gedreht hat. Nur dass bei Leigh alles in einer einzigen Geschichte verdichtet ist: die Phantasien des Frühlings, die Sehnsüchte des Sommers, die Kräche des Herbstes, die Bitterkeit des Winters.

Leigh gilt als der Menschenfreund unter den britischen Regisseuren. Dabei verdeckt der geduldig zugeneigte Blick, den er auch in „Another Year“ wieder auf seine Figuren wirft, den tiefen Pessimismus ihres Erfinders. Dass auch das kommende Jahr für Mary, Ken, Ronny und die anderen nichts Besseres bringen wird als das gewesene, ist die finstere Wahrheit dieser sanften Geschichte.

Um ihre Wirkung zu mildern, hat Leigh zwei Lichtgestalten in den Mittelpunkt der Handlung gestellt. Gerri (Ruth Sheen) und Tom (Jim Broadbent) sind Philemon und Baucis als Reihenhausbesitzer, ein Musterpaar, wie es sonst nur noch in Familienserien vorkommt. Man wünschte, dieses liebevoll ausgemalte Fernsehklischee, vor dem die anderen Gestalten des Films noch trostloser wirken, wäre wahr. Wirklich glauben kann man es nicht.

Und die schlaflose Frau? Sie solle wiederkommen, wenn sie sich aussprechen wolle, sagt die Psychotherapeutin. Man sieht sie nie wieder. Das Schweigen, das ihren Abgang begleitet, ist die verborgene Tonspur dieses Films.

© Alle Rechte vorbehalten Frankfurter Allgemeine Zeitung. Zur Verfügung gestellt von Frankfurter Allgemeine Zeitung Archiv
26.01.2011
Ich bin ein Humorist!

Mike Leigh über die Verschiebung der Perspektive in seinen Filmen.

Von Rüdiger Suchsland

Faz: Sie gelten gemeinhin als sehr ernsthaft. Andererseits haben Sie auch ein paar Komödien gedreht. Welche Rolle spielen aus Ihrer eigenen Sicht eigentlich Humor und Ironie in Ihrem Werk?

Mike Leigh: Humor und Ironie sind in meinen Filmen zentral! Immerzu! Ich denke, das Leben ist komisch und tragisch zugleich. Und wenn Sie mich nun fragen, wann es tragisch und wann es komisch ist, kann ich nur antworten: Keine Ahnung. Das ist gerade der Punkt. Das Leben ist eine schreckliche tragische Komödie. Ich habe schon in Vorführungen von „Another Year“ gesessen, in denen die Leute von Anfang bis Ende gelacht haben. Oder gerade in den schmerzhaftesten Augenblicken des Films. So ist eben das Leben.

Und Sie sind damit völlig zufrieden?

Ich bin ein Humorist! Ich bin das seit Anbeginn meiner Regiekarriere. Wissen Sie: Meine Inspiration ist das Leben. Aber das Leben ist aberwitzig und lächerlich. Ich bin von Buster Keaton genauso fasziniert wie von Shakespeare. Also, um Ihre Frage in einer etwas anständigeren und abschließenden Weise zu beantworten: Ich nehme meinen Humor sehr ernst.

Sie selbst teilen Ihr Werk nicht - wie manche Beobachter das tun - in zwei Teile, einen ernsthaften und einen komischen?

Nein, das ist lächerlich und affektiert. Welche Filme wären denn nicht humorvoll? Das sollte mir mal einer sagen. „Naked“? Der war voller Witze. Aber er ist dunkel. Und „Happy Go Lucky“ soll witzig sein? Der hat doch viele substantiell dunkle Seiten. Fakt ist: Keiner meiner Filme ist nur einer der beiden Seiten zuzuschlagen.

Und wenn jemand an einem Moment lacht, den Sie selbst bewusst als sehr traurigen konzipiert haben, dann können Sie damit leben?

Ich lache ja auch. Das ist nicht etwas, mit dem ich irgendwie zurecht kommen muss, ein Ernst, den das Publikum durch sein Lachen trivialisiert. Sie lachen, weil es witzig ist! Für sie. Ich weiß selbst, wie es ist, auf eine Beerdigung zu gehen und plötzlich alles dort wahnsinnig lustig zu finden. Ich muss also nicht damit leben. Ich freue mich darüber. Die Leute haben recht. Sie sind eins mit dem Film. Womit ich nicht leben kann, was mich richtig deprimiert, ist, wenn ich in einer Vorführung eines meiner Filme sitze, und es herrscht nur Totenstille. Das finde ich extrem verstörend und alles in allem sehr enttäuschend.

Das Publikum ist also Teil des Ganzen in Ihrem Kino?

Das Publikum ist das Ganze. Am Ende mache ich Filme, damit sie von Leuten gesehen werden. Ich bin im Showbusiness. Ein Film hat keine Bedeutung, bevor er vor Zuschauern aufgeführt wird. Darum würde ich sagen: Das Publikum ist seine Bedeutung.

„Another Year“ zeigt Menschen, die in den vierziger Jahren geboren sind. Sie haben die Not der Nachkriegszeit erlebt, die Hoffnungen der Sechziger und ihr Scheitern im Thatcher-England. Ist das die Erfahrung Ihrer eigenen Generation?

Die Figuren haben ihr Leben zum Teil gemeistert, zum Teil sind sie gescheitert. Der Film handelt vom Festhalten an der Jugend und davon, ob das gelingt. Die Menschen, die ich zeige, leben in einer Welt, in der Gesellschaft nicht viel zählt, in der der Gemeinschaftssinn verlorengegangen ist. Es geht um universelle Erfahrungen. Aber es ist auch keine Frage, dass ich von der sehr speziellen Situation des Lebens in westlichen Gesellschaften im beginnenden einundzwanzigsten Jahrhundert erzähle.

Gibt es eine Wendung, eine Veränderung und Verschiebung der Perspektive in Ihrem Werk? Oder ist die Entwicklung organisch?

Sie ist organisch. Zugleich gibt es immer wieder in jedem Film eine gut überlegte, ganz bewusste Verschiebung der Perspektive. Es ist unbedingt nötig, sich fortwährend zu verändern. Jeder meiner Filme ist auch ein Experiment mit Form, Struktur, Erzählweisen. Das Ziel ist dabei klar: Ich will Erwartungen brechen. Es ist einfach langweilig, wenn man essen geht und immer dasselbe bestellt. Mein nächster Film wird wieder eine Überraschung: Ein historischer Film über den Maler William Turner.

© Alle Rechte vorbehalten Frankfurter Allgemeine Zeitung. Zur Verfügung gestellt von Frankfurter Allgemeine Zeitung Archiv
rogerebert.com, 11.01.2011

Von Roger Ebert

© Alle Rechte vorbehalten rogerebert.com. Zur Verfügung gestellt von rogerebert.com Archiv
Variety, 14.05.2010

Von Leslie Felperin

© Alle Rechte vorbehalten Variety. Zur Verfügung gestellt von Variety Archiv
Le Monde, 20.12.2010

Von Thomas Sotinel

© Alle Rechte vorbehalten Le Monde. Zur Verfügung gestellt von Le Monde Archiv
Interview with Mike Leigh
David Poland / DP/30: The Oral History of Hollywood
en / 11.03.2015 / 35‘40‘‘

Mike Leigh picks his favorite Criterion films
/ The Criterion Collection
en / 15.12.2014 / 7‘24‘‘

Mike Leigh puts the movie in perspective
/ The Guardian
en / 17.02.2019 / 16‘31‘‘

Five 5-Minute Films by Mike Leigh
Mike Leigh / BBC
en / 30.06.1975 / 26‘43‘‘

Mike Leigh and Leslie Manville discuss Screen Acting
/ Hibrow
en / 28.02.2018 / 91‘14‘‘

Filmdateno

Genre
Komödie, Drama
Länge
129 Min.
Originalsprache
Englisch
Bewertungen
cccccccccc
IMDb7.3/10

Cast & Crewo

Jim BroadbentTom
Lesley ManvilleMary
Ruth SheenGerri
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Bonuso

iGefilmt
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gGeschrieben
Besprechung Süddeutsche Zeitung
Susan Vahabzadeh
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Besprechung Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Frankfurter Allgemeine Zeitung / Rüdiger Suchsland
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Thomas Sotinel
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