Das Licht
Tom Tykwer, Deutschland, 2025o
Die syrische Immigrantin Farrah findet eine Anstellung als Haushälterin bei der zerrütteten Familie Engels in Berlin. Ihr Einfluss auf das Leben der Eltern und der drei Kinder ist so stark, dass sie unweigerlich dazu gebracht werden, wieder zueinanderzufinden. Doch als Farrah der Familie ihr eigenes dunkles Schicksal offenbart, wird alles auf den Kopf gestellt. Die Familie wird mit den Konsequenzen ihrer Handlungen konfrontiert und muss sich mit den eigenen Geheimnissen auseinandersetzen.
Nach acht Jahren Arbeit an seiner Fernsehserie Babylon Berlin hat Tom Tykwer (Lola rennt) wieder einen Kinofilm gedreht: Das Licht ist sehr ambitioniert und mit fast drei Stunden ebenso lang geworden. Im Mittelpunkt steht eine Patchwork-Familie, die in einer grossen Berliner Altbau-Wohnung aneinander vorbeilebt: Der Vater (Lars Eidinger) arbeitet in einer PR-Agentur, die Mutter (Nicolette Krebitz) für ein Entwicklungsprojekt in Kenia. Das Paar möchte seine gegenseitige Entfremdung in einer Therapie klären, derweil driften ihre siebzehnjährigen Zwillinge ab. Die Tochter sucht Geborgenheit bei Umweltaktivist:innen und in Drogen, der Sohn verbarrikadiert sich in seinem Zimmer bei VR-Games, ein jüngerer Bub aus einer Aussen-Beziehung gehört auch noch dazu. Aufgebrochen wird das familiäre System aus Abgrenzung und Streit, Alltagsroutine und verschütteter Nähe, als eine neue Haushälterin engagiert wird, die sich bald zu einer Art Familientherapeutin entwickelt. Die Syrerin Farrah (Tala Al-Deen) ist nicht nur empathisch und gebildet, sie trägt auch ein Geheimnis in sich. Tykwer verbindet Familiendrama mit Gesellschaftskritik und einem Schuss magischem Realismus – sogar Musical-Szenen hat er eingebaut. So unterschiedlich die Tonarten und Stile, so disparat ist der Gesamteindruck des Films: Die Dialoge sind zuweilen überfrachtet mit zeitgeistiger Rhetorik, die Erzählung ufert aus, der Schluss mündet in seltsamen Kitsch. Doch es finden sich auch gelungene Szenen, originelle Einfälle und bewegende Momente, und die Schwächen der Figuren werden aus humorvoller Distanz gezeigt. Als grosse Erzählung über die Verunsicherung und Identitätskrise in der westlichen Gesellschaft mit Abstechern zur Flüchtlingskrise und zur postkolonialen Aufarbeitung wirkt Das Licht zwar überladen. Anregend aber auf alle Fälle.
Kathrin HalterGalerieo




