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How to Train Your Dragon: The Hidden World

Dean DeBlois, USA, 2019o

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Hicks arbeitet nach wie vor an seinem Traum, eine Welt zu erschaffen, in der Drachen und Menschen friedlich zusammenleben können. Währenddessen trifft Ohnezahn auf eine ungezähmte Drachendame, die ihm gehörig den Kopf verdreht. Als sich eine neue Gefahr anbahnt, sind die beiden Freunde gezwungen, all ihre Fähigkeiten aufzubieten, um ihren Traum und sogar das Überleben der Drachen zu sichern.

Als das H-Wort fällt, sind alle still. Zumindest einen Moment lang, dann geht die Feier weiter. Im Finale der 3-D-Animationsfilmsaga wartet jeder auf die Hochzeit des Wikingerjungen Hicks und seiner Freundin Astrid. Auch sonst geht es recht romantisch zu: Hicks' Drachen Ohnezahn hat sich in ein Drachenmädchen verliebt, das aussieht wie eine Mischung aus Nacktkatze und Alien, aber genauso schön fliegen und Feuer spucken kann wie ihr Verehrer. Dean DeBlois bringt das auf einer Kinderbuchreihe basierende Fantasy-Abenteuer routiniert zu Ende - und versüßt es mit einem klebrigen Happy End.

Josef Grübl

Unsere Kritik Auch in diesem dritten, letzten Teil der Reihe sind die Drachen herzig, beeindrucken die Flugszenen und reisst einen die Filmmusik von John Powell richtig schön mit. Aber die Handlung um den Bösewicht ist ziemlich überflüssig.

Gregor Schenker

C'est une des prouesses du film que de parvenir à nous arracher des larmes, au milieu du tourbillon dans lequel il nous aspire.

Véronique Cauhapé

Galerieo

Tages-Anzeiger, 12.12.2013
«Georg hatte einen unglaublichen Verschleiss an Drachen»

Tolkiens Drache Smaug erobert aktuell die Kinos. Autor Wolfgang Schwerdt über Smaug, die kulturelle Bedeutung der geflügelten Ungeheuer – und ihre natürlichen Feinde.

Von Philippe Zweifel

Wie schätzt der Experte Peter Jacksons Film-Drache Smaug ein?

Er gleicht den unzähligen stromlinienförmigen Mainstream-Fantasiedrachen, die seit vielen Jahren mit nur sehr dezenten Unterschieden Buchcover, Spiele und Filme bevölkern. Pate gestanden hat hier mit Sicherheit der Publikumsgeschmack.

Inwiefern unterscheidet er sich von Tolkiens Original-Smaug?

Tolkiens literarischer Smaug, der am Gold hortenden Drache aus «Beowulf» angelehnt ist, war alles andere als harmlos, er war aber – ich habe den Film allerdings nicht gesehen – als Persönlichkeit sicherlich differenzierter ausgearbeitet und damit greifbarer als ein sinnlos herum mordendes Monster. Eindrucksvolle Drachenanimationen ohne gute Story allein reichen aber nicht aus, um das Interesse am Drachen zu fördern.

Was sind Beispiele für gute Drachengeschichten?

Abgesehen von den spannenden Geschichten von Beowulf und dem Drachen Fafnir der Nibelungensaga, sind meine modernen Favoriten die Filme «Jabberwocky» und «Dragonheart».

Was fasziniert uns an Drachen?

Es ist wohl die Tatsache, dass er seit Jahrtausenden ein kultureller Bestandteil der menschlichen Zivilisationen und als solcher unglaublich anpassungsfähig ist. Drachen verkörpern, vereinfacht gesagt, in ganz unterschiedlicher Art und Weise gesellschaftliche Konflikte oder komplexe Naturphänomene von gesellschaftlicher Bedeutung.

Erläutern Sie das bitte.

In vielen Kulturen wurde die Natur als lebendiges Wesen gesehen und auch erfahren. Naturphänomene wie Unwetter, Blitz und Donner, an- und abschwellende Flüsse, die Mensch und Vieh verschlingen, Bergrutsche oder Lawinen liessen und lassen sich noch heute – wenn man möchte – als Lebensäusserungen eines übermächtigen Wesens erleben. Dieses Wesen ist innerhalb dieser Erfahrungswelt dann so real, als sei es ein biologisches, weil es einfach all das macht, was ein im biologischen Sinne existierendes Wesen auch tut. Es brüllt wie ein Löwe, frisst wie ein Krokodil, atmet wie der Mensch, wird geboren, wächst heran und stirbt. Der Drache ist in dieser Hinsicht eben nicht einfach Symbol für irgendetwas und schon gar kein Fantasieprodukt, sondern die real existierende und übrigens auch begreifbare Verkörperung des Wesens Natur in seinen vielfältigen Ausdrucksformen.

Welche Funktion haben Drachen im Christentum und in der Bibel?

Interessanterweise spielen die Drachen in der Bibel selbst eine recht untergeordnete Rolle. Umso mehr werden sie aber für die geistigen und kriegerischen Auseinandersetzungen innerhalb des Christentums und gegenüber anderen Religionen als mächtige propagandistische Kämpfer und Drohkulisse rekrutiert. Der heilige Georg als Drachentöter der Gegenreformation hatte beispielsweise einen geradezu unglaublichen Verschleiss an Drachen, die jeweils falsch-, anders- oder ungläubige Feinde repräsentierten.

In China wiederum sind Drachen positiv besetzt. Wieso?

Die chinesischen Drachen verkörpern die asiatische Philosophie des Sowohl-als-auch. Sie sind eigentlich nicht positiv besetzt, weil die chinesische Kultur keine Trennung in gut/böse, schwarz/weiss, richtig/falsch kennt. Sie sind damit auch nicht negativ besetzt, sie entsprechen schlichtweg nicht unserem christlich geprägten kulturellen Verständnis. Im Grunde haben die chinesische und die vorderasiatisch-europäische Kultur unterschiedliche Wege in ihren gesellschaftlichen Strukturen und philosophischen Entwicklungen genommen und die jeweiligen Drachenvorstellungen verkörpern genau das.

Welches ist der älteste Drache?

Als ältester, schriftlich belegter Drache gilt Tiamat, eine sumerische Urgottheit, die vom babylonischen Stadtgott Marduck getötet wurde. Die Überlieferung findet sich auf Schrifttafeln aus dem ersten Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung und ist in seinen Ursprüngen sicher noch ein, zwei tausend Jahre älter. Aber die Entstehung der Vorstellung vom Drachen verliert sich tatsächlich im Dunkel der Menschheitsgeschichte.

Würden Sie sagen, dass das «Alien»-Design vom Schweizer Künstler HR Giger im gleichnamigen Film von Drachen beeinflusst worden ist?

Keine Ahnung, was der Künstler bei der Erschaffung dieser Figur eingenommen hat. Aber mich erinnert das Wesen eher an ein lebendig gewordenes Dinosaurierskelett.

Dass Drachen Vorfahren von Dinosauriern waren, war tatsächlich eine weitverbreitete Meinung, nicht?

Der Versuch, die Vorstellung vom Drachen von den Sauriern abzuleiten, entspringt den kulturellen Entwicklungen des 19. Jahrhunderts. Im Rahmen des Einzugs der Natur- und Ingenieurwissenschaften in alle Lebens- und Denkbereiche wurde auch der Drache aus dem gesellschaftlich-kulturellen Zusammenhang herausgelöst und biologisiert, also mit einer naturwissenschaftlichen Erklärung versehen. Das war auch ein Versuch, dem romantisch-esoterischen Modetrend dieser Zeit entgegenzuwirken.

Bis wann glaubte man in Europa ernsthaft an die Existenz von Drachen?

Bis heute, zumindest in den fundamentalistisch-religiösen Bereichen unseres und der verwandten Kulturkreise. Denn er wird ja in den Heiligen Schriften erwähnt. In China respektive Asien dürfte er in seiner ursprünglichen gesellschaftlichen Bedeutung ebenfalls noch in vielen Teilen der Bevölkerung als real existierend begriffen werden.

Heute trifft man allerdings auch viele süsse Drachen an, etwa im Animationsfilm «How to train your dragon». Gab es diese Verniedlichung von Drachen bereits früher – oder ist das ein modernes Phänomen?

In der Form ist es zweifelsohne ein modernes Phänomen, das ja nicht nur den Drachen betrifft. Tatsächlich aber findet eine gewisse Form der Verniedlichung beziehungsweise «Entschärfung» bereits in den Sagen und Legenden, vor allem im Volksglauben statt. Da gibt es die beinahe hilflos wirkenden Lindwürmer, die selbst von Bauersknechten mühelos erschlagen werden konnten, oder den hilfreichen, eher heinzelmännchenartigen Hausdrachen, der sich auch als nette Beschützerschlange beispielsweise bei den Sklaven findet.

Haben Drachen eigentlich natürliche Feinde – ausser dem Menschen?

Nein.

Von was ernähren sie sich in den Geschichten?

Man könnte sagen: von menschlicher Machtgier und gesellschaftlichen Konflikten.

Welches ist Ihr Lieblingsdrache?

Das ist Fafnir, der Drache aus der Nibelungen- beziehungsweise Sigurdsaga. Als ehemaliger Mensch, dessen Gier ihn hat zum Drachen werden lassen, verkörpert er den engen gesellschaftlichen Zusammenhang, ohne den Drachen gar nicht existieren würden. Als Wesen, dessen Blut beziehungsweise Herz einen direkten Zugang des Menschen zur Natur herstellt – wer davon isst, versteht die Sprache der Tiere – verkörpert er ein weiteres wesentliches Element eines Drachen. Und als Opfer skrupelloser Schlagetots, die drachentötenden Helden der Sagen, dokumentiert er das Verhältnis der zeitgenössischen Eliten zur Natur und ihr Selbstverständnis in Bezug auf ihre jeweilige Gesellschaft. Ein echter Drache mit kulturgeschichtlichem Tiefgang eben.

© Alle Rechte vorbehalten Tages-Anzeiger. Zur Verfügung gestellt von Tages-Anzeiger Archiv
11.02.2019
Der Herr der Drachen

Der dritte Teil von «How To Train Your Dragon» soll nun der letzte sein. Regisseur Dean DeBlois blickt zurück auf seine Arbeit an der Fantasy-Reihe.

Von Gregor Schenker

Zehn Jahre lang hat der ­kanadische Animationsfilmer Dean ­DeBlois an der «How to Train Your ­Dragon»-Reihe gearbeitet: 2008 holte ihn sein Kollege Chris Sanders zu Dream­works. Die beiden kannten sich von den Disney-Studios, hatten zu­sammen an «Mulan» und «Lilo & Stich» gearbeitet. Nun ­sollten sie die Filmadaption von Cressida Cowells Drachenbüchern übernehmen; die Produktion war ins Stocken geraten und musste neu ausgerichtet werden.

«Als ich zum ersten Film hin­zukam, sollte es eine schnelle Sache ­werden», sagt DeBlois. «Aber ich verliebte mich sehr bald in die Welt und die Figuren.» Am Ende wurde «How to Train Your Dragon» zu einem ­der erfolgreichsten Animationsabenteuer von Dreamworks.

«Nach dem Erfolg des ersten Teils begann das Studio über eine Fortsetzung nachzudenken», so DeBlois. «Ich sagte, ich sei interessiert. Aus dem einen Film solle aber gleich eine Trilogie werden.» Der Regisseur wollte erzählen, wie Hiccup, der kleine Wicht, der nichts richtig hinbekommt, zu einem Erwachsenen und am Ende ein weiser Wikingerhäuptling wird.

Und wirklich, im dritten und letzten Teil hat Hiccup nach dem Tod seines Vaters die Führung des Stamms übernommen und sucht nach einem neuen Heim für seine Wikinger und die Drachen. Da kommt ihm ein Bösewicht in die Quere, der Hiccups besten Freund Toothless erlegen will.

Um das feuerspuckende Reptil aus der Deckung zu locken, benutzt er ein besonders fieses Mittel: Er lässt ein Weibchen auf Toothless los. Wie der Drache nun um dieses wirbt, ist ebenso lustig wie rührend. Die Drachen-Lady stellt aber auch die Freundschaft von Hiccup und Toothless auf die Probe.

«Wir hatten Angst, dass das Publikum das Weibchen nicht mag, weil es das Gespann von Junge und Drache aufbricht», sagt DeBlois. Für den thematischen Kern der Geschichte sei das aber wichtig gewesen: «Für Hiccup ändert sich alles, weil er sich bisher immer auf seinen Drachen verlassen hat.» Jetzt müsse Hiccup herausfinden, wie er auch ohne Toothless’ Hilfe zurechtkomme.

Hiccup müsse sich von Toothless lösen, um endgültig erwachsen zu werden, so DeBlois. Zurückblickend auf die drei Filme sagt Dean DeBlois: «Ich denke, in erster Linie habe ich Folgendes gelernt: Je mehr Liebe wir in einen Film stecken, je mehr uns die Figuren kümmern, umso mehr kommt das beim Publikum an.» So hätten die Filme über die Jahre eine treue, leidenschaftliche Fanbasis gewonnen, die diese Welt ebenso lieben wie die Macher. Eine wunderbare Erfahrung sei das gewesen. «So ist aus einem schnellen Job ein ganzes Kapitel meines Lebens geworden.»

© Alle Rechte vorbehalten züritipp. Zur Verfügung gestellt von züritipp Archiv
Le Temps, 31.01.2019

Von Stéphane Gobbo

© Alle Rechte vorbehalten Le Temps. Zur Verfügung gestellt von Le Temps Archiv

Filmdateno

Synchrontitel
Drachenzähmen leicht gemacht 3: Die geheime Welt DE
Dragons 3 : Le Monde caché FR
Genre
Animation, Kinder/Familie, Abenteuer
Länge
104 Min.
Originalsprache
Englisch
Bewertungen
cccccccccc
IMDb7.9/10

Cast & Crewo

Jay BaruchelHiccup Horrendous Haddock III (voice)
Craig FergusonGobber the Belch (voice)
Gerard ButlerStoick the Vast (voice)
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Bonuso

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