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Creed II

Steven Caple Jr., USA, 2018o

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Adonis Creed muss sich der größten Herausforderung seines Lebens stellen: Im Boxring wartet niemand Geringeres als Viktor Drago auf ihn, dessen Vater Ivan einst seinen Vater Apollo während eines Schaukampfes totschlug. Mit Rocky Balboa an seiner Seite stellt sich Adonis seinem Kontrahenten.

Ring frei für die zweite Runde von Adonis Creed. Nachdem der "Rocky"-Staffelstab zwischen Traditionsbewusstsein und Aufbruch erfolgreich an eine neue, schwarze Generation weitergegeben wurde, muss Creed (Michael B.Jordan) die Schwergewichtsmeisterschaft gegen einen russischen Brecher verteidigen, was vor allem bedeutet, die eigene Vatergeschichte konfrontieren, denn Ivan Drago ist der Sohn des Boxers (Dolph Lundgren), der seinen Vater in "Rocky IV" im Ring getötet hat. Mit Stephen Caple Jr spinnt ein weiterer junger, schwarzer Indie-Regisseur den bewährten Mix aus Männerfreundschaft, Liebesgeschichte und Boxerdrama solide weiter.

Anke Sterneborg

Der Film von Steven Caple Jr. verfügt nicht mehr über dasselbe Erneuerungsfurioso wie Ryan Cooglers «Creed» (2015). Das Mainstreamwerk gefällt jedoch durch seine Ruhe und Präzision. Es geht um Rache, Reue und Schuld -- und um Väter auf unterschiedlichen Alters- und Reifestufen. Das ist dann Fortschreibung, Neuerfindung und Hommage in einem.

Hans Jürg Zinsli

"Creed II" est un film sur la figure du père, absent, en devenir ou de substitution. Un mélo sportif au premier degré peu finaud mais bienvenu.

Nicolas Schaller

Galerieo

The Guardian, 15.11.2018

Von Benjamin Lee

© Alle Rechte vorbehalten The Guardian. Zur Verfügung gestellt vom The Guardian Archiv
The New York Times, 19.11.2018

Von A.O. Scott

© Alle Rechte vorbehalten The New York Times. Zur Verfügung gestellt vom The New York Times Archiv
22.01.2019
Wie die Väter, so die Söhne

In "Creed II" wird ein Trauma aus der "Rocky"-Saga erinnert und bewältigt: der Tod von Apollo Creed.

Von Anke Sterneborg

Die weißen alten Männer müssen jetzt tatsächlich ein paar Plätze räumen, und kaum einer hat das so würdevoll und melancholisch getan wie Sylvester Stallone als Rocky Balboa in "Creed", im siebten Film der von ihm erschaffenen Rocky-Saga. Statt selber noch einmal in den Ring zu steigen, blieb er als väterlicher Freund und sportlicher Mentor für den unehelichen Sohn seines ehemaligen Gegners und Freundes Apollo Creed in der Ecke, in einem Film, der Vater-Sohn-Story, Ode an die Männerfreundschaft, Liebesgeschichte und Boxerdrama elegant verwob. Kreativ hatte der afroamerikanische Regisseur Ryan Coogler den Staffelstab und die Kontrolle übernommen. Zwischen Traditionsbewusstsein und Aufbruch katapultierte er die Filmreihe in eine neue Zeit, in der schwarze Boxer endlich mehr sein dürfen als nur muskulöse Nebenfiguren.

Inzwischen ist Coogler allerdings mit seinem "Black Panther", dem ersten schwarzen Comic-Superhelden im eigenen Blockbusterfilm, so ausgelastet, dass er für "Creed II" nicht mehr zu haben war. Außerdem hat er auch bereits ein weiteres Projekt mit seinem Langzeit-Verbündeten, dem Adonis-Creed-Darsteller Michael B. Jordan, in Arbeit. Also bekam mit Stephen Caple Jr. ein weiterer junger afroamerikanischer Indie-Regisseur seine Chance. Der hatte vorher zwar noch nicht so ein zugleich kämpferisches und poetisches kleines Meisterwerk erschaffen wie Coogler mit "Nächster Halt, Fruitvale Station", aber doch immerhin mit "The Land" ein atmosphärisch dichtes Coming-of-Age-Stück zwischen Skater Boys und Drogendealern auf den nächtlichen Straßen von Cleveland vorgelegt.

Nun also Ring frei für die zweite Runde des jungen Adonis Creed. In den drei Jahren seit seinem Test im ersten Film hat er sich bis zur Schwergewichtsmeisterschaft durchgeboxt und steht auch sonst sicher in einem gut sortierten Leben. Er hat die unterschiedlichen Welten seines Vaters und seiner Mutter in sich versöhnt, hat die Freundschaft zu Rocky Balboa und die Liebe zur Sängerin Bianca gefestigt und steht im Zenit seiner Karriere. Eigentlich gibt es nichts mehr zu erzählen, also muss eine neue Herausforderung her.

Dafür hat Sylvester Stallone als Co-Autor den vierten "Rocky"-Film angezapft, und mit dem schwedischen Hünen Dolph Lundgren und der dänischen Amazone Brigitte Nielsen wichtige Akteure von damals zurückgeholt. Das Ganze war von Anfang gut vorbereitet, denn schließlich ist Adonis Creed der Sohn von Apollo Creed, der einst, im noch während des Kalten Krieges spielenden "Kampf des Jahrhunderts", von der russischen Kampfmaschine Ivan Drago im Ring getötet wurde. Ein wunder Punkt für alle Beteiligten: für Creed, weil er seinen Vater verloren hat, für Rocky, weil er den Kampf hätte abbrechen müssen, für Drago, weil das der Anfang vom Ende seiner Karriere und seiner Ehe war, denn danach war es für Rocky Balboa natürlich eine Frage der Ehre, ihn zu schlagen. Wenn sich Adonis jetzt auf die Herausforderung von Ivan Dragos Sohn Viktor einlässt, weht noch ein wenig der frostige Wind des Kalten Krieges durch den Ring - doch in Wirklichkeit geht es um die Versöhnung mit der eigenen Geschichte, und darum, dass Adonis und Rocky bessere Väter werden können.

Nun ist es ja immer ein bisschen undankbar, Geschichten weiterzuspinnen, deren Welten ein anderer erfolgreich etabliert hat. Im Grunde bleibt Stephen Caple Jr. kaum etwas anderes übrig, als die gelungene Balance zwischen Gefühl im Leben und Action im Ring zu halten, die Coogler geschaffen hat, und ansonsten für Stimmung in Kneipen, Wohnungen und Trainingshallen zu sorgen. Das gelingt ihm ganz gut, wenn auch ohne große Überraschungen. Bei ihm zieht sich Rocky Balboa noch ein bisschen weiter zurück aus der Geschichte, ist aber wieder da, wenn er gebraucht wird. Was Caple Jr. hinzufügt, sind neue Bilder aus einem Trainingslager, nicht in stickigen Boxhallen, sondern in der Weite der Wüste, wo Adonis Creed vor allem den Körper, aber auch Geist und Seele für den großen Kampf vorbereitet, den er in der ersten Runde böse geschunden verloren hat.

© Alle Rechte vorbehalten Süddeutsche Zeitung. Zur Verfügung gestellt vom Süddeutsche Zeitung Archiv
Tages-Anzeiger, 21.01.2019
Nun ist die Reihe an den Jungen

In «Creed II» katapultiert der Fight von Adonis Creed Trainer wie Boxer in die schmerzhafte Vergangenheit. Zum letzten Mal mit ihm, sagt Sylvester Stallone.

Von Hans Jürg Zinsli

Man könnte meinen, wir seien zurück im Kalten Krieg: 34 Jahre nach der schamlos pathetischen Ost-West-Schlacht in «Rocky IV» stehen sich die Kämpfer von ­damals wieder gegenüber – der US-Amerikaner Rocky Balboa (Sylvester Stallone) und der Russe Ivan Drago (Dolph Lundgren). Der Unterschied: In «Creed II» boxen sie nicht mehr selbst, die Länderflaggen wurden eingerollt, die Glorifizierung heruntergefahren. Und man könnte sagen, dass «Creed II» wieder den ursprünglichen Streetgroove der inzwischen 43-jährigen «Rocky»-Filmreihe atmet.

Wenn sich die Senioren jetzt im Restaurant Adrian’s in Philadelphia gegenübersitzen, dann sieht man die Last und Verbitterung in ihren zerknitterten bis zerknautschten Gesichtern. Er sei ein Klumpen von gestern, murmelt Rocky, der versuche, mit heute Schritt zu halten. Adrian, seine Gattin, hinterliess nach ihrem Hinschied vor allem Leere. Drago, der vor 34 Jahren gegen den Amerikaner in einem russischen Stadion k.o. ging, hält dagegen, dass Rocky in seinem Land immerhin verehrt werde. Er jedoch sei zur Null geschrumpft: «Ich habe damals alles verloren: mein Land, meine Ehre, meine Ehefrau.»

Mitschuldig am Tod

So erscheint den angejahrten Herren die Gegenwart als passendes Pflaster, um ihre Schützlinge aufeinander loszulassen: Dragos Sohn Viktor (Florian Munteanu) ist eine hünenartige Muskelmaschine mit glutwütendem Blick. Ganz der Vater, bloss der ständige Schweissfilm auf der Haut fehlt. Viktor fordert den Protegé von Rocky zum Kampf, den gerade erkürten dunkelhäutigen Weltmeister Adonis Creed (Michael B. Jordan). Und der muss akzeptieren. Der Hintergrund: Ivan Drago hatte in «Rocky IV» Creeds Vater mit Schlägen dermassen traktiert, dass dieser noch im Ring verstarb. Coach Rocky hatte es damals versäumt, das Handtuch zu werfen.

Rache, Reue, Schuld – es sind die zentralen Erzählmotoren in «Creed II», und das ist schon mal ein guter Ansatz, um diese Reihe in die Gegenwart zu führen. Dass man die Dragos hervorgeholt hat, dürfte aber auch einen wirtschaftlichen Grund haben: «Rocky IV» erreichte das höchste Box-Office aller «Rocky»-­Filme, danach hatte das Publikum genug, Stallone wandte sich von seiner Figur ab und wollte die Reihe schliesslich mit dem Spätwerk «Rocky Balboa» (2006) beenden.

Vom Boxer zum Trainer

Aber dann trat, völlig unerwartet, Ryan Coogler auf den Plan. Der dunkelhäutige Regisseur, der mit dem Drama «Fruit­vale Station» (2013) debütiert hatte, vermochte der «Rocky»-Saga neues Leben einzuhauchen. Er erzählte die Geschichte des Underdogs, der sich emporboxt, aus Sicht des schwarzen Jungspunds Adonis Creed («Creed», 2015). In der Hauptrolle glänzte Michael B. Jordan. Sylvester Stallone liess sich damals erst nach längeren Verhandlungen überzeugen, Rocky als Nebenfigur zu spielen – worauf er schliesslich jenen Mentor und Coach verkörperte, den er als aktiver Boxer in den frühen «Rocky»-Filmen in der Person von Mickey selbst ­benötigt hatte.

Coogler wäre nun auch für «Creed II» als Regisseur vorgesehen gewesen. Er entschied sich dann aber, mit Jordan den Superhelden-Film «Black Panther» zu drehen, der sich als weltweit erfolgreichster Film des Jahres 2018 entpuppte. Die steilen ­ Karrieren des dunkelhäutigen Dream-Teams Coogler und Jordan passen zum «Rocky»-Credo, dass man es mit harter Arbeit von ganz unten bis nach ganz oben schaffen kann.

«Creed II», inszeniert vom noch unbekannten Regisseur Steven Caple jr., verfügt nicht mehr über dasselbe Erneuerungsfurioso wie Cooglers Überraschungshit. Es lohnt sich aber, näher hinzusehen und festzustellen, dass dieses Mainstreamwerk erstaunlich ruhig und ­präzise gemacht wurde. Es ist Sylvester Stallone, der neben anderen Autoren wieder das Drehbuch schrieb und darin Väter auf unterschiedlichen Alters- und Reifestufen in den Mittelpunkt stellt: Der alte Rocky hat keinen Kontakt mehr zu seinem Sohn, wofür er sich grämt und schämt. Drago senior projiziert alle Hoffnung auf seinen Spross, um der Verwahrlosung zu entrinnen. Und Adonis, der erstmals Papa wird, teilt sich die Erziehung mit seiner Freundin, die als Sängerin Karriere macht. Als er einmal mit der schreienden Kleinen allein ist, fährt er in den menschenleeren Boxclub, um dort verzweifelt auf einen Sandsack zu dreschen.

Stallone machte alles

«Creed II» ist also Fortschreibung, Neuerfindung und Hommage in einem. Ein Handtuch wird geworfen, aber nicht von Rocky, wie es zu erwarten wäre. Und Stallone gibt offenbar den endgültigen Abschied aus einer Reihe, die er wie kein Zweiter prägte: Er spielte in allen acht Filmen mit, schrieb siebenmal das Drehbuch, führte viermal ­Regie. Es gibt keine andere Filmreihe, die so sehr von ihrem Erfinder geprägt ist.

In seiner letzten Szene sagt Rocky zu Creed: «It’s your time now.» Auf Instagram bestätigte Stallone die Vermutungen über seinen Rückzug – da sagt er zu Michael B. Jordan: «Jetzt musst du die Verantwortung tragen.» Ob sich «Creed» ohne Stallone als Marke halten kann?

© Alle Rechte vorbehalten Tages-Anzeiger. Zur Verfügung gestellt vom Tages-Anzeiger Archiv
Le Temps, 07.01.2019

Von Christophe Pinol

© Alle Rechte vorbehalten Le Temps. Zur Verfügung gestellt vom Le Temps Archiv
73 Questions with Michael B Jordan
/ Vogue USA
en / 27.11.2018 / 8‘18‘‘

Everything Michael B Jordan Does in a Day
/ Vanity Fair
en / 01.10.2018 / 5‘46‘‘

Michael B. Jordan and Steven Caple Jr. Watch Iconic Boxing Scenes
/ Vanity Fair
en / 20.11.2018 / 7‘27‘‘

Professional Boxers review Boxing Movies
/ Buzzfeed
en / 03.07.2018 / 5‘51‘‘

Interview: Michael B. Jordan
Von Audie Cornish / National Public Radio
en / 7‘46‘‘

Filmdateno

Genre
Drama, Action
Länge
130 Min.
Originalsprachen
Englisch, Russisch
Bewertungen
cccccccccc
Øk.A.
IMDb
k.A.

Cast & Crewo

Michael B. JordanAdonis Creed
Sylvester StalloneRocky Balboa
Tessa ThompsonBianca Taylor
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Buzzfeed, en , 5‘51‘‘
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Besprechung The Guardian
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A.O. Scott
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Anke Sterneborg
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Christophe Pinol
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National Public Radio / en / 7‘46‘‘
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